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Region Schwandorf
Freitag, 19. Januar 2018 5

Glaube

Mehr als nur eine Tradition

Weihnachten ist der Tag im Jahr, an dem die Kirchen am besten besucht sind. Pfarrer Schöls erklärt dieses jährliche Phänomen.
Von Philipp Seitz

An Weihnachten ist es in den Gotteshäuser, wie hier in Fischbach, oft schwer, noch einen Sitzplatz zu bekommen. Foto: Archiv

Nittenau.Jeder fünfte Deutsche plant, an einen Weihnachten einen Gottesdienst zu besuchen. Das ergab eine repräsentative INSA-Umfrage im Auftrag von Bild. In den Kirchen rund um Nittenau sind die Bänke an Heiligabend stets gut gefüllt. „Weihnachten ist der Tag, an dem die Kirche am besten besucht ist“, sagt Nittenaus Pfarrer Adolf Schöls. Im Interview mit unserem Medienhaus erklärt er dieses alljährliche Phänomen.

Herr Pfarrer Schöls, an Weihnachten werden die Kirchen wieder voller als sonst.

Das stimmt. Weihnachten ist der Tag, an dem die Kirche am besten besucht ist, gefolgt von Ostern. Bei der Krippenfeier am Nachmittag und bei der Kindermette ist unsere Kirche immer bis auf den letzten Platz gefüllt. Bei der Christmette sind nur ein paar wenige Reihen frei. Man kann sagen, dass die Kirche drei Mal an Weihnachten gefüllt ist – und wir haben eine Kirche mit immerhin 550 Sitzplätzen.

Was überwiegt: Die Freude, dass mehr Gläubige in die Kirche kommen oder das Bedauern, dass dem nicht immer so ist?

Ich freue mich sehr darüber, dass die Menschen an Weihnachten in die Kirche kommen und so auch zeigen, dass ein Bezug zur Kirche da ist.

Warum besuchen die Menschen besonders an Weihnachten die Kirche?

An Weihnachten besuchen mehr Gläubige als sonst die Kirchen in Nittenau und Umgebung.Foto: Archiv/Kuprat

An Weihnachten werden Erinnerungen an die eigene Kindheit wach. Die Menschen sperren ihre Herzen auf. Das liegt auch daran, dass Weihnachten emotional überfrachtet ist und dadurch viel stärker Gefühle aufkommen. Hinzu kommt die innere Sehnsucht nach Frieden und die Sehnsucht nach Gott, die jeder Mensch hat.

Was macht Sie da so sicher, dass sich jeder Menschen nach Gott sehnt?

Die Forschung hat herausgefunden, dass es im Gehirn eine Seite gibt, die auf Gebet und Meditation hin ausgerichtet ist. Das bedeutet, dass zum Wesen des Menschen auch Glaube und Meditation gehören, ebenso wie das Nachdenken über Tieferes. An Weihnachten spricht das ganze Ambiente den Menschen und dessen Gefühle an. Wir spüren eine Sehnsucht nach einem Retter. Hinzu kommt die Botschaft von Weihnachten: Dieses kleine Kind bewegt einfach die Herzen.

Ist die Kirche an Weihnachten nicht nur eine Kulisse, die traditionell aufrechterhalten wird?

Nein, gerade an Weihnachten flammt eine Sehnsucht nach Frieden und Gott auf. Deshalb sind die Gottesdienste auch so gut besucht.

Die Kirche müsste diese Sehnsüchte das ganze Jahr über ansprechen, um mehr Gläubige in die Kirchen zu locken.

Ich bin skeptisch, ob die Kirche wirklich so viel daran ändern kann. Früher hat man immer gesagt, Jugendgottesdienste mit einer tollen Band locken die Gläubigen an. Das zieht aber heute auch nicht mehr so. Was die Menschen in die Kirche bringt, ist, wenn in einem Menschen eine Sehnsucht nach mehr da ist. Wenn diese nicht da ist, dann kann man die Menschen auch mit der besten Show nicht in die Kirche bringen.

Wie transportieren Sie diese emotionale Seite von Weihnachten in Ihrer Predigt?

Ich werde ansprechen, dass ein Retter geboren ist. Wir sehnen uns alle in den verschiedensten Bereichen nach einem Retter: Für die Ehe, für die Rente, für Frieden und Gesundheit. Gott ist ganz ein anderer Retter. Ich habe zuletzt in der Mittelbayerischen einen Bericht über einen Agnostiker in Regensburg gelesen. Dieser sagt, für ihn gibt es keinen Gott, weil so viel Unheil in der Welt herrscht. Dieser Artikel hat mich dazu bewegt, darüber zu sprechen.

Was würden Sie entgegnen?

Wäre unser Leben aber anders, wenn es keine Krankheiten gäbe? Wären wir zufriedener? Das ist nicht so. Wir haben viel, sind aber dennoch nicht zufrieden. Wichtig ist, dass der Glaube hilft, uns stark zu machen.

In unserem Video erklärt der Nittenauer Pfarrer Adolf Schöls, was ihm an Weihnachten wichtig ist:

Das ist Pfarrer Schöls an Weihnachten wichtig. Video: Seitz

Sie sind an Weihnachten ständig im Einsatz. Da wird es schwer mit einem emotionalen Fest.

Ich bin es seit meiner Kaplanszeit gewohnt, dass es für mich kein so emotionales Fest mehr ist. Man freut sich als Priester eher auf die Zeit danach. Aber ich nehme mir schon an Weihnachten eine halbe Stunde Zeit und bete in der Kapelle. Das ist eine Auszeit, die ich mir an diesem Tag gönne.

Was nehmen Sie jedes Jahr aus der Weihnachtszeit mit?

Das ist bei mir die Freude, dass der Advent vorbei ist, der mit Veranstaltungen nur so zugestopft ist. Ich frage mich manchmal sogar: Sollte ich nicht ein Vorbild sein und auf so manche Veranstaltung verzichten, weil ich von Ruhe und Stille predige? Wenn die Adventszeit vorbei ist, dann kehrt wirklich Friede ein. Es wird ruhiger und gelassener. Dann beginnt, wenn man so will, die staade Zeit.

Zu diesen Zeiten finden am 24. Dezember 2017 in Nittenau die Weihnachtsgottesdienste statt:

Katholische Gottesdienste in Nittenau

  • Ein Wortgottesdienst

    mit dem überaus beliebten Krippenspiel findet an Weihnachten um 15.30 Uhr statt.

  • Die Messfeier

    zum Heiligen Abend ist um 17 Uhr. Zuvor stimmen ab 16.50 Uhr die Turmbläser musikalisch ein.

  • Die Christmette

    in Nittenau um 22 Uhr wird musikalisch von der Chorgemeinschaft gestaltet.

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