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Region Schwandorf
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Ausbildung

Mit Tod und Trauer pietätvoll umgehen

Die 14-jährige Neunburgerin Magdalena Birk wählte einen ungewöhnlichen Praktikumsberuf. Sie überlegt, Bestatterin zu werden.
Von Ralf Gohlke

Die Neunburger Mittelschülerin Magdalena Birk absolviert derzeit beim Bestattungsunternehmen Birner ein Berufspraktikum. Foto: R. Gohlke

NEUNBURG.Berufspraktika sind ein wesentlicher Teil der Schulausbildung und sollen den künftigen Absolventen als eine Hilfe für ihre Berufswahl und zur allgemeinen Orientierung über das Angebot an Ausbildungsplätzen in der Region dienen. Mit der Wahl ihres Berufspraktikumsplatzes hat die 14-jährige Magdalena Birk aus der Klasse 9M der Mittelschule einen außergewöhnlichen Weg beschritten. Sie informierte sich im Verlauf dieser Woche über das noch relativ junge Berufsbild der „Bestattungsfachkraft“ beim Bestattungsunternehmen Birner in Neunburg.

Erst seit 2003 gibt es dieses Berufsbild, das eine dreijährige Lehre erfordert. Die Prüfung erfolgt je nach Ausrichtung des Lehrbetriebs durch die Industrie und Handelskammer oder die Handwerkskammer. Ausschlaggebend dafür ist, ob der Betrieb zum Beispiel handwerklich eigene Särge herstellt oder als reiner Dienstleister agiert.

Führung durchs Krematorium

„Heuer ist mein Onkel gestorben, der hier als Sargträger gearbeitet hat“, nennt Magdalena Birk einen ihrer Beweggründe, warum sie sich gerade diesen, nicht alltäglichen Praktikumsplatz ausgewählt hat. „Ich habe den Beruf einfach mal gegoogelt und fand das, was ich dort gelesen habe, sehr interessant“, erklärt sie im Gespräch mit unserem Medienhaus. Zwei Praktika hat sie bereits absolviert, als Floristin und als Buchhändlerin. Beides hat ihr auch gut gefallen, aber Letzteres käme schon aufgrund eines fehlenden Ausbildungsplatzes nicht in Frage.

Das Berufsbild

  • Grundlage: Erst seit dem Jahr 2003 gibt es die offizielle Berufsbezeichnung der Bestattungsfachkraft, die umgangssprachlich als Bestatter beziehungsweise Bestatterin bekannt ist.

  • Dauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre, eine Fortbildung zum Bestattungsmeister ist möglich.

  • Inhalte der Ausbildung: Die Ausbildung umfasst das Vermitteln von Kompetenzen in zwölf Lernfeldern und die Schulung nötiger Umgangsformen.

  • Darunter fallen betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Material- und Warenkenntnisse sowie organisatorische Aufgaben. Darüber hinaus werden die Auszubildenden im Umgang mit Verstorbenen geschult.

Von Beginn an sei sie in das Geschehen im Unternehmen eingebunden worden, schildert sie. Zu ihren ersten Tätigkeiten gehörte das Vermessen einer Grabstelle zur Vorbereitung einer Beisetzung. Dann durfte sie beim sogenannten Ausschlagen eines Sarges selbst mit Hand anlegen. Dabei handelt es sich um die Innenausstattung mit der Auflage, Decke und Kissen. Auch an einem Trauergespräch von Bestatter Karl Wilhelm mit Angehörigen durfte sie teilnehmen.

„Ich war echt überrascht, wie gefasst die Menschen waren und wie sachlich das Gespräch daher ablief“, war ihr Eindruck. Ebenso erlebte sie den Büroalltag mit Telefonaten mit Ämtern und Behörden, dem Pfarrer oder Angehörigen. Vor Ort durfte sie auch miterleben, was an Formularen bei Behörden zu bearbeiten ist. Am Dienstag stand auch der Transport eines Verstorbenen in das Krematorium Hohenburg an. „Hier habe ich eine Führung durch die gesamte Anlage bekommen“, erklärte Birk. Ebenfalls mit dabei war sie, als ein weiterer Verstorbener aus einem Krankenhaus abgeholt werden musste.

Die Chefin, Jennifer Wilhelm (rechts), erklärt der Praktikantin die Funktion einer Urne. Foto: ggo

Den ersten Blick auf einen Leichnam durfte sie dann bei dessen Einkleidung werfen. „Das war zwar relativ entspannt, aber trotzdem blieb so eine Mischung aus Nervosität und Neugier bei mir zurück“, beschreibt sie ihre Gefühle. Dabei aktiv mitarbeiten wollte sie aber dann doch lieber noch nicht. „Das war auch völlig in Ordnung so“, ergänzte Unternehmensinhaberin Jennifer Wilhelm. Die Praktikantin allein sollte bestimmen, ob und wann sie den Schritt einer Berührung tun wolle, selbstverständlich unter Beachtung aller Regeln der Hygiene und der Pietät. So blieb es dann auch später eher beim Zusehen.

Den Schulabschluss abwarten

Zu tun gab es im Übrigen in der Praktikumswoche reichlich. Bis zur Wochenmitte wurden fünf Sterbefälle verzeichnet, die dann zum Teil noch bis zum Wochenende zur Beerdigung anstanden. Allein am Mittwoch wurden drei neue Fälle aufgenommen. Für Praktikantin Magdalena bedeutete dies zugleich, dass sie ihren Einblick in das Metier noch vertiefen konnte, unter anderem durch die Mithilfe bei den Erdbestattungen, den Aussegnungen und Verabschiedungen.

Das alles schreckte sie aber offenbar nicht ab. Als erstes Fazit stellt sie fest, dass sie sich eine Ausbildung zum Bestatter durchaus vorstellen könnte. „Ich war sieben, als mein Opa ins Altenheim kam, und schon damals wusste ich, dass Altenpflege für mich nie in Frage kommen würde“, sagt sie offen. Mit Kindern zu arbeiten, sei wohl nicht ihre Passion und auch handwerklich zu arbeiten käme für sie eher nicht in Frage.

Sich aber bereits jetzt festzulegen und eine Bewerbung an das Familienunternehmen Wilhelm zu richten, das die Tradition des Bestattungsunternehmens Birner fortsetzt, will sie dann doch noch nicht. Seitens der Mittelschule sei für das erste Halbjahr eventuell ein weiteres Praktikum geplant, dessen Inhalt aber noch nicht feststünde. „Außerdem steht im übernächsten Jahr dann auch erstmal die Prüfung zur Mittleren Reife an“, sagt sie.

Sicher gespannt sind ihre Klassenkameraden auf das Referat, das sie über das Berufsbild halten muss.

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