mz_logo

Region Schwandorf
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Glaube

Mönche aus der Gruft geschreckt

Warum ist es im Advent hektisch und laut? Die evangelische Gemeinde Burglengenfeld plädiert in einem Schauspiel für Stille.
Von Josef Schaller

Die „sonntags.offen“-Band sorgte für den musikalischen Rahmen bei dem Gottesdienst. Foto: Schaller

Burglengenfeld.Nach dem 500-jährigen Lutherjubiläum kann die evangelisch-lutherische Gemeinde in Burglengenfeld in diesem Jahr auch den 300. Geburtstag des Kirchengebäudes ihrer Christuskirche feiern, das einst von den Kapuzinermönchen genutzt worden war.

Pfarrer Gottfried Tröbs und sein Team gaben diesem Gedenktag mit einem „sonntags.offen-Gottesdienst“ unter dem Motto „Das Schweigen der Kapuziner“ einen würdigen Rahmen. Ein Gottesdienst der Stille und der Meditation sollte es werden, so wie ihn die Kapuziner praktizieren und auch so, wie es zur Weihnachtszeit sein soll.

In der Totenruhe gestört...

Wobei die Zeit um Weihnachten gefühlsmäßig gar nicht mehr so still ist, wie sie früher einmal war. Dies mussten auch zwei Kapuzinermönche feststellen, die sich deshalb in ihrer Totenruhe gestört fühlten, aus ihrer Gruft stiegen und sich mächtig beschwerten. Na gut, eigentlich hat sich nur einer beklagt. Der andere empfand es als willkommene Abwechslung zum „todlangweiligen Dasein neben Regenwürmern und Grundwasser“.

„Weihnachten ist zu laut.“ Die Kapuzinermönche fühlten sich in ihrer Totenruhe gestört und stiegen aus ihrer Gruft. Sie forderten ein ruhiges und stilles Fest. Foto: Schaller

Mit einem kleinen Theaterspiel hat das „sonntags.offen-Team“ in einer sehr eindrucksvollen Weise zu Beginn des Gottesdienstes auf das Wirken der Kapuziner in Burglengenfeld während des 18. Jahrhunderts aufmerksam gemacht und sich dabei auch mit der Geschichte des 300 Jahre alten Kirchengebäudes auseinandergesetzt.

Es ist nichts Ungewöhnliches, bei einem Gottesdienst ein Theaterstück zu inszenieren. Schon damals, als die Jesuiten nach Burglengenfeld gekommen waren, hatten die Kapuziner fromme Schauspiele in der Kirche aufgeführt. Außerdem ist auch das eine Möglichkeit, das Evangelium zu verkünden. Und das ist schließlich der eigentliche Auftrag. „Am Anfang war das Wort“, heißt es bei Johannes… Bereits seit 300 Jahren, mit einer „kleinen Pause“ von 157 Jahren, wird in diesem Kirchengebäude am Bonhoeffer Platz Gottes Wort verkündet. „In der jüngsten Geschichte dieses Gotteshauses sogar von einer Frau“, stellt einer der Mönche etwas verwundert fest.

Das Gebäude wurde einst sogar als Spritzenhaus genutzt. Foto: Evang. Gemeinde

Zwischendurch ist gelegentlich die Feuerwehr ausgerückt und hat dabei für Lärm gesorgt (Tatütata!), woran sich die beiden Mönche nur ungern erinnern. „Gut, dass sie als Geist keinen Tinnitus mehr bekommen konnten“, meint einer von ihnen. Mit ihrem eindringlichen Wunsch nach mehr Stille und Meditation zogen sich die Mönche wieder in ihre Gruft zurück.

„Nimm dein Herz in die Hand“

Diesen Wunsch wollte ihnen das „sonntags.offen-Team“ um Pfarrer Gottfried Tröbs natürlich nicht verwehren. Ein Gottesdienst der Stille sollte es also werden, ohne Predigt, dafür mit besinnlichen Texten zum Nachdenken und meditativer Musik. Ein leiser „Sound Of Silence“ (Simon & Garfunkel) breitete sich in der geschichtsträchtigen Christuskirche aus und ließ die Besucher, inspiriert von Texten des Redemptoristenpaters Klemens Nodewald, in ihr Innerstes eintauchen. „Nimm einmal am Tag dein Herz in die Hand. Streichle es zärtlich und innig und danke Gott, dass du fühlen und lieben kannst…“ Und auch ein Text aus dem Lukas-Evangelium sollte zur Besinnung beitragen: „Gebt Acht! Hütet euch vor jeder Art der Habgier! Denn der Mensch gewinnt sein Leben nicht aus seinem Besitz, auch wenn er noch so groß ist.“

Salzstadel, Feuerwehrhaus, Bauhoflager

  • Geschichte der Christuskirche:

    Das Gebäude wurde 1717 als Teil des Kapuzinerklosters das erste Mal als Kirche geweiht. Nach der Säkularisierung im Jahre 1803 diente das Gebäude als Salzstadel, später als Feuerwehrhaus und als Bauhoflager. 1955 kaufte die Evangelische Gemeinde das Gebäude auf, richtete es her und am 1. Advent 1959 wurde es als „Christuskirche“ erneut geweiht.

  • Kapuziner-Orden:

    Er ist ein franziskanischer Bettelorden in der römisch-katholischen Kirche. In der Vergangenheit zeichneten sich die Kapuziner durch besondere Liebe zu Stille und Gebet aus und durch die Nähe zum einfachen Volk und zu den Armen. Das 1706 in Lengenfeld gegründete Kloster wurde 1802 im Zuge der Säkularisierung aufgelöst. Der Konvent kam teils nach Altötting, teils nach Burghausen und Wasserburg.

Die Pfarrer Silke und Gottfried Tröbs wollen mit dieser Art Gottesdienst keineswegs die alte Form der liturgischen Gottesdienste aushebeln, die sich über 1500 Jahre in ihrer eigenen Schönheit und in ihrem uralten Sinn so lange getragen haben, wie sie betonen. In allen Gottesdiensten gehe es nur darum, Gott zu begegnen und ihn in unser Leben zu lassen.

Eine Archivaufnahme von der Kircheneinweihung 1959 Quelle: Evangelische Gemeinde

Gemeinsam und gleichberechtigt wird im „sonntags-offen“-Team die Themenfindung zu diesen Gottesdiensten diskutiert und dabei auch intensiv über die jeweilige theologische Ausrichtung nachgedacht. Die „sonntags-offen“-Gottesdienste finden schon seit zehn Jahren statt. Die Theatergruppe wird betreut von Gerhard Eber, Lehrer für evangelische Religion am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium.

Hier lesen Sie mehr aus Burglengenfeld

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht