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Region Schwandorf
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Kommunalpolitik

Museum fit für die Zukunft machen

Der Stadtrat hat das Büro RT-CConcepts mit der Ausarbeitung eines Konzepts für die Neuausrichtung des Heimatmuseums betraut.
Von Karl-Heinz Probst

  • Bildstationen, wie hier im Vordergrund der Abteilung Drittes Reich/Todesmärsche, sind heute ein Muss in den Museen. Foto: Probst
  • Dr. Rainer Tredt aus Eichstätt wird mit seinem Büro RT-CConcepts das Grobkonzept für die Neuausrichtung des Museums erarbeiten. Foto: Probst

Neunburg.Für das Schwarzachtaler Heimatmuseum beginnt eine neue Zeit. Die kulturelle Einrichtung soll zeitgemäß und zukunftsorientiert weiterentwickelt werden, gab Bürgermeister Martin Birner am Donnerstag in der Stadtratssitzung die Losung aus. Das Museum habe aufgrund seiner Geschichte, seiner Sammlung, seiner Kombinationsmöglichkeiten und des Standorts im historischen Schloss alle Voraussetzungen zu einem regionalen, wenn nicht gar überregionalen Leuchtturm zu werden. Aufgabe des neuen Konzepts werde es sein, die Ziele des Museums zu definieren und seine Stärken herauszustellen, so Birner. Seit der Neueinrichtung des Museums in den 1980er Jahren hätten sich die Besuchererwartungen verändert wie auch die Möglichkeiten, Objekte museal zu interpretieren. Mit dem notwendigen ganzheitlichen Museumskonzept solle das gesamte vorhandene und künftig geplante Museum in den Blick genommen werden und ein visionäres Gesamtkonzept und eine Strategie erstellt werden, die das Museum für die nächste Generation sichert und relevant macht. Dem Bürgermeister ist bewusst, dass dieser Veränderungsprozess viel Jahre dauern werde.

Sanierung als Auslöser

Der Zeitpunkt für die Neukonzeption sei begründet durch die geplante Generalsanierung des Gebäudekomplexes im Burghof Wie berichtet, soll künftig das Alte Schloss ausschließlich das Museum und den Schlosssaal beherbergen.

Vor allem der Begriff „Neukonzeption“ habe bei ihm „Erstaunen und Befremden“ ausgelöst, bekannte Museumsleiter Theo Männer in der Sitzung. Man habe den Eindruck erhalten können, als ob das Museum veraltet, überholt und völlig neu konzipiert werden müsste. Dem stehe allerdings die positive Resonanz von Besuchern und Museumsexperten entgegen. Das Schwarzachtaler Heimatmuseum sei im Ergebnis ein solides, klassisches und stimmiges Haus, ein kulturgeschichtliches Museum für die Stadt und die Region. Das Heimatmuseum habe zwei Mankos, räumte Männer ein. Zum einen sei es ein klassisches Schaumuseum, bei dem die Exponate, die Endprodukte im Mittelpunkt stünden und nicht die Arbeitsvorgänge wie etwa in einem Spezial- oder Handwerksmuseum. Zum anderen sei die Menge der asugestellten Exponate zumindest nach Meinung der Landestelle für nicht-staatliche Museen zu hoch. Es habe eine Reduzierung empfohlen. Die ins Depot wandernden Stücke sollten dafür in einer größeren Zahl an Sonderausstellungen präsentiert werden.

Bei einer Neukonzeption könnte sich Männer folgenden Kompromiss vorstellen: im Altbestand punktuelle Verbesserungen und Nachrüstung mit Bildstationen oder Audioguides; in den neu hinzukommenden Räumen verstärkter Einsatz von modernen Medien, Inszenierungen etc. Männer sprach auch die Personalsituation an. In zwei Jahren werde er 80 Jahre, sagte der Museumsleiter und deutete seinen Rückzug an. Langfristig sei personell wohl ein hauptamtlicher Museumsleiter erforderlich. Beim Übergang sicherte er seine konstruktive Mitarbeit an. Bei einer Radikalkur werde er sofort aufhören und wohl auch der AK Museum wegbrechen. Männer ist sich bewusst: „Ein Museum ist im Prinzip nie fertig, sondern wird immer einem Wandel unterworfen sein.“

Freies Denken gewähren

Für das geplante Museumskonzept hat die Stadt bei vier Büros angefragt. Ein Angebot gab nur das Büro RT-CConcepts aus Eichstätt ab. Dr. Rainer Tredt stellte dem Stadtrat die Herangehensweise seines Teams, das im In- und Ausland tätig ist, kurz vor. Wichtig sei eine enge Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort (Museumsleiter, AK Museum) sowie der Landesstelle für nichtstaatliche Museen (wegen der Förderung). Am Anfang müsse freies Denken gewährt werden, nichts dürfe tabu sein, schickte Dr. Tredt voraus. Zunächst werde in einem Workshop dem Ist-Zustand auf den Zahn gefühlt. Dann gelte es Schwerpunkte zu definieren und zu fragen „Wo geht die Reise hin?“. Der Wandel in der Museumswelt sei rasant, Interaktivität ist der Anspruch der Zeit, betonte Dr. Tredt. Deshalb müsse das Museum auf zukunftsträchtige Beine gestellt werden. Natürlich müssten auch betriebswirtschaftliche Aspekte und der Kostenrahmen berücksichtigt werden. Als Zeitrahmen für das Grobkonzept veranschlagte Dr. Tredt rund ein halbes Jahr.

Einstimmig vergab der Stadtrat nach kurzer Diskussion den Auftrag für das Grobkonzept an das Büro RT-CConcepts. Die Honorarkosten betragen rund 30 000 Euro. Die Erstellung des Feinkonzepts bzw. dessen Umfang bleiben einer gesonderten Beauftragung vorbehalten.

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Schwarzachtaler Heimatmuseum

  • Gründung:

    1910 durch Bezirksamtmann Adolf Lieb; eröffnet im November 1912

  • Exponate:

    rund 9000 auf 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche

  • Räume:

    18 im alten Schloss plus Lapidarium

  • Museumsleiter:

    Kreisheimatpfleger Theo Männer seit 1978

  • Konzeption:

    Museumsleiter Theo Männer, Architekt Siegi Wild aus Furth im Wald und Landesamt für nichtstaatliche Museen in München

  • Betreuung:

    Arbeitskreis Museum, 1983 gegründet

  • Öffnungszeiten:

    Das Heimatmuseum ist geöffnet von Mitte Mai bis Ende September: Sonntag von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr, Mittwoch von 14 bis 17 Uhr. Besuch für Gruppen, auf Wunsch auch mit Führung, jedoch jederzeit möglich, auch im Winterhalbjahr. Eine Anmeldung ist erforderlich.

  • Ansprechpartner:

    Verkehrsbüro Neunburg, Tel. (0 96 72) 9208-421, E-Mail tourist-info.stadt@neunburg.de, Fax (0 967 27) 9208-466; Schwarzachtaler Museum: Tel. (0 96 72) 41 83, E-Mail museum-neunburg@gmx.de, Fax (0 96 72) 92 66 96; Theo Männer: Tel. (0 96 72) 9 11 80, Fax (0 96 72) 9 11 82

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