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Region Schwandorf
Donnerstag, 23. November 2017 4

Initiative

Muslime als Friedens-Botschafter

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) hat im Landkreis Schwandorf ihre Kampagne „Wir sind alle Deutschland“ gestartet.
Von Hubert Heinzl

Einige der ehrenamtlichen Helfer mit Imam Malik Usman Naveed (links)Foto: xih

Schwandorf.Die jungen Männer, die in den nächsten Tagen in allen Orten im Landkreis Schwandorf Flugblätter und Broschüren verteilen werden, verstehen sich als Friedensbotschafter. Und sie nehmen für sich in Anspruch, die ursprünglichen Werte des Islam zu vertreten: „Barmherzigkeit, Glaube ohne Zwang, Gleichberechtigung und Trennung von Religion und Staat“, zählt Imam Malik Usman Naveed auf, der bei einem Pressegespräch in der „Schwefelquelle“ die Kampagne vorstellt und bei der AMJ geistiges Oberhaupt der Gläubigen in ganz Bayern ist. „Man könnte auch sagen, unser Motto ist: Liebe für alle und Hass für keinen“, fügt er noch an.

Die islamische Reformgemeinde wurde von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad 1889 im indischen Qadian aus der Taufe gehoben, der von seinen Anhängern als „Messias“ und „Imam Mahdi“ verehrt wird. Weltweit hat die AMJ nach eigenen Angaben ’zig Millionen Anhänger in vielen verschiedenen Staaten. In Pakistan, wo lange der Hauptsitz der Religionsgemeinschaft war, ist ihnen aber schon länger die Religionsausübung verwehrt worden. In Deutschland leben laut Imam Usman Naveed etwa 45 000 Anhänger dieses moderaten Islam. In der Oberpfalz, die in Regensburg auch mit einem eigenen Gemeindezentrum aufwartet, mögen es etwa 100 sein, wie der dortige Präsident Suleman Khan ergänzt.

Seit 2013 in Deutschland anerkannt

Als Religionsgemeinschaft ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat seit dem Jahr 2013 in Deutschland anerkannt. Doch ihre Aktivitäten werden nicht durch eine Art „Kirchensteuer“, sondern durch Spenden finanziert. Die Kampagne „Wir sind alle Deutschland“ wurde nach den Worten des Imams vor etwa zwei Jahren in größerem Umfang gestartet – motiviert vielleicht auch durch die zunehmende Zahl an Flüchtlingen und eine kritische Gegenreaktion in Teilen der Bevölkerung. „Wir sind alle Deutschland“ – so steht es auf den T-Shirts der Helfer, die sich in der „Schwefelquelle“ versammelt haben. Dahinter verbirgt sich nicht allein der häufig zitierte Gedanke, dass auch der Islam zu Deutschland gehört, sondern darüber hinaus auch noch ein Bekenntnis zur Loyalität. „Wir schätzen Deutschland sehr für die Religionsfreiheit. Wir möchten Deutschland etwas zurückgeben“, sagt Imam Usman. Der AMJ gehe es nicht darum, zu missionieren. Man wolle vielmehr „in Dialog mit der Bevölkerung treten“, informieren – getreu dem Verständnis der islamischen Reformgemeinde, wonach „Vielfalt etwas Positives“ ist und die unterschiedlichen Religionen auf der Welt „miteinander auskommen und aufeinander zugehen sollten“, wie der Imam sagt.

Dabei legen die Anhänger der Ahmadiyya Muslim Jamaat durchaus Beharrlichkeit an den Tag. Ab nächster Woche sollen die ehrenamtlichen Helfer ausschwärmen und in kleinen Gruppen „in jeder der 759 Ortschaften im Landkreis Schwandorf“ auf der Straße Flugblätter und Flyer verteilen oder in die Briefkästen stecken. Wo erwünscht, sind die AMJ-Anhänger auch bereit zum persönlichen Gespräch. Infostände mit kostenloser Literatur sind in Schwandorf, Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof und Nittenau geplant. Bei einem Informationsabend am Samstag, 4. Dezember, im Waldhotel Schwefelquelle wird Imam Usman über das Thema „Loyalität und Liebe zum Heimatland“ sprechen. „Natürlich können dabei auch Fragen gestellt werden“, verspricht er.

Auch eine Baumpflanzaktion ist vorgesehen. Zwei Gemeinden im Landkreis Schwandorf will die AMJ einen „Friedensbaum“ schenken. „Wir wollen zeigen, dass wir hier verwurzelt sind“, sagt Imam Usman. In ganz Deutschland werden auf diese Weise pro Jahr 700 neue Bäumchen groß.

Erfahrung: „Das Positive überwiegt“

Und wie waren die Erfahrungen bei den bisherigen Aktionen? „Das Positive überwiegt. Wir haben gute Gespräche geführt, und das bringt sehr viel“, sagt der Imam. Vereinzelt gab es auch Kritik oder Beschimpfungen – ob aus der salafistischen oder aus der rechten Ecke. Aber auch hier missfällt Usman das Schwarz-Weiß-Denken.

„Überall gibt es Menschen, die die Religion für Machtpolitik missbrauchen, auch im Islam. Ich würde mir wünschen, dass die Leute einen weiteren Blickwinkel haben“, so das religiöse Oberhaupt der AMJ in Bayern.

Was steckt hinter der Ahmadiyya? Eine Geschichte dazu von MZ-Redakteur Sebastian Heinrich lesen Sie hier.

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