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Region Schwandorf
Freitag, 19. Januar 2018 4

Engagement

Neue Würde für die Ärmsten

Dr. Sabine Schatz reiste mit einem Interplast-Team erneut nach Indien, um Patienten mit schwersten Verletzungen zu helfen.
Von Thomas Rieke

  • Dr. Sabine Schatz und ein indischer OP-Techniker, der auch als Dolmetscher wertvolle Hilfe leistete, haben einer Patientin gerade einen Verband gewechselt. Foto: Dr. Kleindorfer
  • Dr. Sabine Schatz bei der Arbeit Foto. Dr. Matussek

Burglengenfeld.Um die Qualität der eigenen Gesundheitsversorgung einzuordnen – und wieder besser schätzen zu lernen, lohnt bisweilen ein Blick über den Kirchturm hinaus. Vor allem in Dritte-Welt- oder Schwellenländern können Millionen von Menschen von fachärztlicher Behandlung, finanziert über eine Versicherung, nur träumen. Lichtjahre von „deutschen Standards“ entfernt ist zum Beispiel Indien, wo Kranke oder Unfallopfer oft gar nicht oder nur sehr unzureichend behandelt werden, weil die nächste Klinik zu weit entfernt ist oder sich die Betroffenen einen Arzt nicht leisten können.

Teammitglieder opfern Urlaub

Ein Lied davon zu singen weiß Dr. Sabine Schatz. Die gebürtige Schwarzenfelderin, die als Chirurgin an der Asklepios Klinik Burglengenfeld arbeitet, ist seit fünf Jahren Mitglied bei Interplast Germany und reiste heuer bereits zum wiederholten Mal in den südasiatischen Riesenstaat, um dort mit einem Team den Ärmsten der Armen zu helfen. Interplast ist ein gemeinnütziger Verein, der, finanziert über Spenden und Mitgliedsbeiträge, plastische Operationen durchführt.

Die „Gruppe Regensburg“ von Interplast wurde von Ordensvertretern mit großer Herzlichkeit empfangen. Dr. Matussek

Die Teammitglieder (neben Ärzten auch Pflegekräfte und heuer erstmalig Orthopädietechniker), opfern für die Dauer ihres Einsatzes meist ihren Urlaub. Dr. Schatz hat sich auf Brandverletzungen fokussiert. Diese findet man vorallem in ländlichen Gebieten Indiens noch recht häufig, insbesondere bei Frauen und Mädchen. Oftmals sind Unfälle beim Kochen über offenen Feuerstellen die Ursache, in einzelnen Fällen jedoch auch die Folge von Gewalt.

Die Menschen die Dr. Schatz gegenübertreten, leiden oft seit Jahren unter Entstellungen. Wer Bilder von ihnen sieht, wundert sich, wie die Patienten das, was ihnen zugestoßen ist, überhaupt überlebten. Dr. Schatz und ihre Kollegen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen; sie korrigieren Fehlstellungen und Vernarbungen, die aufgrund monatelanger Schonhaltung während des Heilungsprozesses entstanden sind; sie lösen Kontrakturen und verpflanzen Haut. Das Ziel der Eingriffe: Rückgewinnung von Lebensqualität, Beweglichkeit, Eigenständigkeit. Manchmal geht es um nicht weniger als Menschenwürde.

Mehr Eindrücke finden Sie in unserer Bildergalerie:

Dr. Schatz hilft in Indien

Dr. Schatz berichtet von einer Frau, die ihren Kopf aufgrund von Verbrennungsnarben nicht mehr richtig bewegen und heben konnte. Auch ihr konnte durch einen Eingriff geholfen werden. Die Frau sei ganz beseelt gewesen und habe sich für nächstes Jahr für eine weitere OP angekündigt. Dann hofft sie, von Dr. Schatz eine neue Gesichtshaut zu bekommen, um wieder so schön zu sein, wie es vor ihrem Unglück der Fall war...

Auf die Idee, mit Interplast auf Reisen zu gehen, kam Dr. Schatz über Dr. Jan Matussek, Oberarzt an der Asklepios Klinik Bad Abbach. Er gehört ebenfalls der „Gruppe Regensburg“ unter der Leitung von Dr. Barbara Dünzl an, die sich bereits seit Jahren für die Organisation engagiert. Ziel in Indien war Mitte November ein von einem katholischen Orden betriebenes Krankenhaus in Khandwa, einer 200 000 Einwohner zählenden Stadt im Bundesstaat Madhya Pradesh.

Ein Ringen um jede Stunde

Nach fast zweitägiger Anreise über Dubai und Delhi wurde das deutsche Team freundlichst empfangen und einquartiert. Und nach nur wenigen Stunden Ruhe ging es bereits an die Arbeit. „Weil nur acht Tage für OPs zur Verfügung standen, musste alles möglichst gut geplant werden“, berichtet Dr. Schatz. Um den Zeitverlust zu minimieren, reisten die deutschen Ärzte mit eigenem Material an. Letztlich brachte es die „Gruppe Regensburg“ auf 98 OPs. Noch viel mehr Menschen warteten geduldig, um ebenfalls operiert zu werden, mussten jedoch in Einzelfällen auf 2018 vertröstet werden. Wenigstens ein Teil von ihnen, da ist sich Dr. Schatz sicher, wird keine Mühen scheuen, um sich erneut in die Schlange einzureihen.

„Weil nur acht Tage für OPs zur Verfügung standen, musste alles möglichst gut geplant werden.“

Dr. Sabine Schatz

Die Schwarzenfelderin übt ihren Beruf mit Leib und Seele aus. Seit sie denken kann, wollte sie nie etwas anderes studieren als Medizin, und bis heute kamen ihr nie Zweifel, ob diese Entscheidung auch richtig war: „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!“ Bei allem Schrecklichen, was die junge Ärztin sieht, gelingt es ihr doch, aus ihrem Job Kraft auch zu schöpfen. Geglückte Operationen und die Dankbarkeit, die ihr Patienten entgegenbringen, scheinen sämtliche Strapazen vergessen zu machen. So konnte das Team einem dreijährigen Jungen das Leben retten, dessen Mittelgesicht von einem Hund beinahe komplett weggebissen worden war. Mit Können und auch ein bisschen Glück ist den Ärzten eine Rekonstruktion gelungen.

PS: Wer die Organisation Interplast-Germany unterstützen möchte, kann spenden:

„Pro Interplast Seligenstadt“, Volksbank Seligenstadt; IBAN: DE24506921000000280208; BIC: GENO DE 51 SEL

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