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Region Schwandorf
Sonntag, 19. November 2017 11

Glaube

Nordirland ist das Ziel der Radpilger

Seit 2005 erkunden Gläubige aus Rappenbügl die berühmtesten Wallfahrtsorte – in diesem Jahr sind sie auf Spuren von Columban.
Von Norbert Wanner

Im Kaiser- und Mariendom zu Speyer beteten die Radpilger vor dem Start der Tour. Foto: Fleischmann

Maxhütte-Haidhof. Was haben Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem gemeinsam? Darauf gibt es zwei richtige Antworten: Die drei Städte zählen zu den berühmtesten Wallfahrtsorten des Mittelalters. Und: Es waren auch schon Radfahrer aus einem Maxhütter Ortsteil da: die Rappenbügler Radpilger. Schon seit dem Jahr 2005 pilgern sie mit ihren Fahrrädern regelmäßig. Für das aktuellste Ziel aber, Bangor Abbey, passt Antwort Nummer eins leider nicht.

Die nordirische Stadt mit 60 000 Einwohnern war zu keiner Zeit Pilgerstätte, hat aber für das christliche Kontinentaleuropa eine überragende Bedeutung. Ohne das Kloster in Bangor und dem Mönch Columban wäre die Christianisierung von Mitteleuropa vermutlich anders verlaufen. Er brach 590 mit zwölf Gefährten von Irland aus auf, um auf dem Kontinent das Christentum zu verkünden.

Da die Wallfahrtsorte langsam rar wurden, machte sich Pilgerleiter Prof. Dr. Dr. Heribert Popp intensiv Gedanken über neue Ziele. Denn das Radpilgern, ist für viele in der Gruppe ein fester Bestandteil ihres Lebens geworden, wie beispielsweise für Gerda Gluth-Stadlbauer, die seit der ersten Pilgerfahrt vor zwölf Jahren mit dabei ist. Bei seiner Recherche nach Zielen stieß Popp auf Bangor und stellte das neue Ziel im vergangenen Sommer erstmals näher vor.

Der erste Teil der Strecke ist erstmal eben. Foto: Fleischmann

Unter den Radfahrern entwickelte sich während der vielen Pilgerfahrten im Lauf der Jahre ein großer Zusammenhalt. Sie haben eine eigene Facebook-Gruppe, ebenso eine Whatsapp-Gruppe und treffen sich noch viel lieber persönlich, bei gesellschaftlichen Anlässen, wie Nachbesprechungen oder der Planung neuer Touren. Das gewählte Ziel Bangor traf sofort auf so großes Interesse, so dass die Reise innerhalb von zwei Tagen ausgebucht war und stolze 40 Pilger auf der Liste standen.

Kein Wunder, ist jede der Fahrten doch nicht nur ein besonderes, sondern auch ein spirituelles Erlebnis und, wie Gluth-Stadlbauer schmunzelnd hinzufügt, „auch eine sportliche Herausforderung“. Denn überwiegend, wie Prof. Dr. Dr. Popp im Gespräch mit unserem Medienhaus ergänzt, wird mit reiner Muskelkraft gefahren. Nur zwei der Radpilgerinnen sind auf ein E-Bike umgestiegen.

Pflichtpunkt: ein Gruppenbild beim Start in Speyer. Foto: Fleischmann

Spirituell wie touristisch bietet die aktuelle Tour ein „übervolles Füllhorn“, so Popp. Zum ersten Teil des Weges nach Irland, der in Speyer beginnt und nach rund 900 Kilometern an der französischen Kanalküste in Calais endet, zählen allein in Deutschland Kathedralen in Speyer, Worms, Mainz, Köln, und Aachen. Dazu kommen die berühmten Marienwallfahrtsorte Schönstaat in Vallendar, Kevelaer und Banneux in Belgien.

Dazu kommen Städte wie Brüssel, Brügge, Gent, Antwerpen und Löwen auf dem Tourplan. Wie akribisch sich jeder einzele Radpilger auf diese Touren vorbereitet, stellt Gluth-Stadlbauer im MZ-Gespräch anschaulich unter Beweis: Sie weiß, dass es in der belgischen Universitätsstadt Löwen die erste Fahrrad-Tiefgarage Europas geben soll. Überhaupt ist genaue Planung das A und O dieser Reisen, die beispielsweise in der Zentraltürkei durch sehr dünn besiedelte Landstriche führten.

Prof. Dr. Dr. Heribert Popp und Gerda Gluth-Stadlbauer Foto: Wanner

Für die aktuelle Tour hat Prof. Dr. Dr. Heribert Popp daher alle 26 Kirchen, in denen Andachten der Pilger stattfinden, vorab angefragt und sich eine Bestätigung eingeholt. „Denn man lernt auch immer wieder dazu“, wie Prof. Dr. Dr. Popp weiter erzählt. Bei der Fahrt zum Kirchentag in Dresden, die durch Tschechien führte, hatte einer der angefragten Priester, die Post mit der Anfrage nicht geöffnet – die Gläubigen, die gerade beteten, reagierten irritiert, als die Radpilgergruppe in die Kirche stürmte, um ihre geplante Andacht abzuhalten.

Nach dem Start in Speyer am Dienstag stehen den Radpilgern zehn Tage auf den Rädern bevor. Nach dem Rhein wird es anstrengend – es geht durch Eifel und Ardennen. Rund 3000 Höhenmeter sind bis Calais zu bewältigen. Die Länge der Etappen richtet sich nach den Sehenswürdigkeiten und reicht von 75 bis 125 Kilometern. Gefahren wird dabei ein Durchschnitt von rund 20 Kilometern, wofür viele seit Monaten eifrig trainiert hatten.

Für alle Fälle werden die Pilger jedoch immer von einem Bus mit Radanhänger begleitet. Und die Ziele werden den Pilgern auch nach Bangor nicht ausgehen. Als nächstes Ziel hat Prof. Dr. Dr. Popp den einzigen anerkannten „deutschen“ Marienerscheinungsort im Visier. Für sich formuliert Gerda Gluth-Stadlbauer die Pilgerleidenschaft so: „Ich pilgere aus christlicher Überzeugung heraus und auch, um zu mir selbst zu finden.“

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Parallelen zu Emmeran von Regensburg

  • Hintergrund:

    Columban hat auch mit der Christianisierung Bayerns zu tun. Der Mönch und seine Gefährten gründeten um 590 ein Kloster in Frankreich, in Luxeuil. Vor dort aus zogen im Lauf des nächsten Jahrhunderts insgesamt 620 Mönche aus, um das Gebiet des heutigen Freistaats Bayern zu missionieren. Einer dieser Mönche war beispielsweise Emmeram von Regensburg, der Gründer von St. Emmeram und Patron der Diözese in Regensburg. Von diesen ausgezogenen Mönchen wurden auch die Klosterneugründungen in Niederaltaich und auch in Weltenburg erstmals mit echtem Leben erfüllt.

  • Tourplanung:

    Die einzelnen Etappen der aktuellen Tour der Rappenbügler Radpilger ist bereits festgelegt. Etappe 1 - Speyer bis Nierstein, 2 - Niertein bis St. Goar (Loreley), 3 - St. Goar bis Remagen, 4 - Remagen bis Köln, 5 - Köln bis Kevelaer, 6 - Kevelaer bis Aachen, 7 - Aachen bis Banneaux, 8 - Banneaux bis Brüssel, 9 - Brüssel bis Kortrijk, 10 - Kortrijk bis Calais. Zum Abschluss von Teil 1 der Tour, die 2018 fortgesetzt wird, verbringen die Pilger zwei Tage in Belgien. Am 3. September treffen sie wieder in der Pfarrei St. Josef ein. Im nächsten Jahr steht dann Teil 2 von Dover nach Bangor auf dem Plan. (bxh)

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