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Region Schwandorf
Donnerstag, 23. November 2017 4

Energiewende

Ökostrom für über 3000 Haushalte

Die „Energiebauern“ erstellen eine Solarstrom-Freiflächenanlage in Schwandorf – und gehen dabei an die Grenze des Erlaubten.
Von Reinhold Willfurth

Vorboten der Photovoltaikanlage vor den Toren der Stadt: Sechs Trafohäuser haben „Die Energiebauern“ auf dem Feld in Fronberg aufstellen lassen.Foto: fu

Schwandorf.Die sechs Betonquader auf dem Feld zwischen der B 85 und dem Stadtrand in Fronberg sehen aus wie vom Himmel gefallen. Doch die garagengroßen Trafohäuser werden bald sehr irdischen Zwecken dienen: Sie sind die Vorboten für die Photovoltaikanlage, die sich demnächst auf einer Fläche von 17 Hektar (inklusive Ausgleichsfläche) vor den Toren der Stadt ausdehnen wird.

Noch vor dem Winter sollen die rund 36 000 Solarpaneele der Anlage den ersten Ökostrom liefern, sagt Sepp Bichler, Seniorchef der „Energiebauern“. Das Familienunternehmen aus Aichach bei Augsburg baut die Anlage und wird sie auch selbst betreiben. Mit einer Kapazität von zehn Megawatt zählt sie zu den großen ihrer Art. Gut 3000 Durchschnitts-Haushalte könne die Anlage mit grünem Strom versorgen, sagt Seniorchef Bichler im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Billiger als Kohlekraftwerke


Kleinere Anlagen rentierten sich nicht mehr, sagt Bichler. Der Garantiepreis für eine Kilowattstunde ist auf 5,5 Cent gesunken. „Angefangen haben wir mal mit 58 Cent“, blendet Bichler in die Anfänge seiner Firma zurück. 1993 stellte er seine erste Photovoltaik-(PV-) Anlage auf. Mit dem jetzigen Entgelt schlage man zwar jedes konventionelle Kraftwerk, doch die Kalkulation müsse man schon mit spitzem Stift durchrechnen. „Unter einer Fläche von zehn Hektar macht es keinen Sinn mehr, eine Freiflächenanlage zu bauen“, sagt der Firmengründer. Mit zehn Megawatt sei die vom Gesetz erlaubte Kapazität aber auch ausgereizt.

Dass auf dem Fronberger Feld überhaupt eine PV-Anlage gebaut werden kann, ist einer Gesetzesänderung zu verdanken.

Eigentlich hat das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) nämlich Ackerflächen als vom Staat geförderte PV-Areale ausgeschlossen. Mit der „Länderöffnungsklausel“ erlaubt das novellierte Gesetz aber den Bundesländern seit kurzem, doch wieder ausgewählte landwirtschaftlich genutzte Flächen zuzulassen. Allzu oft landeten neue Projekte in den letzten Jahren nämlich auf Brachflächen in Ostdeutschland. Die „Energiebauern“ bewarben sich dann nach der Entscheidung des bayerischen Kabinetts im Sommer bei der Bundesnetzagentur und erhielten den Zuschlag für die Fläche in Fronberg.

Und so rückten am 1. September überbreite Schwertransporter in der Fronberger Elsstraße an, um die sechs benötigten Trafohäuser über das Feld zu verteilen. Der einsetzende Regen verhinderte dann die Aufstellung der letzten beiden Trafos, so dass diese einstweilen am Feldrand abgestellt werden mussten. Aber dort werden sie nicht bleiben, versichert Sepp Bichler. Überhaupt habe man auf die Anwohner Rücksicht genommen und die Solarpaneele „in erheblichem Abstand“ zur Wohnbebauung geplant.

Abstand zur Wohnbebauung


Anwohner hatten sich vor vier Jahren, als der Bau der PV-Anlage schon einmal anstand, mit einer Unterschriftenaktion dagegen gewehrt, dass die Anlage allzu nahe an ihre Grundstücksgrenze rückt. Bereits 2010, als der Planungsausschuss des Stadtrats einstimmig grünes Licht für das Projekt gab, hatten die Bewohner Bedenken angemeldet. Damals trat noch Grundstücksbesitzerin Eleonore Schantz als Investorin auf. Die „Energiebauern“ haben das Projekt Anfang diesen Jahres übernommen und einen Pachtvertrag für das Gelände unterschrieben.

Der Solarpark Schipkau in der Lausitz hat eine ähnliche Dimension wie die geplante Anlage in Fronberg.Foto: obs/Trianel/Günther Goldstein

Mittlerweile sehen viele Anwohner das Projekt entspannter als noch vor vier Jahren, auch deshalb, weil der Betreiber freiwillig gebührend Abstand zur Wohnbebauung halten will. „Man sieht es so gut wie gar nicht mehr“, sagt Ingrid Preuß, deren Grundstück direkt an das PV-Areal angrenzt. Und auch das Ehepaar Paula und Hermann Wensauer, das seit 47 Jahren hier lebt, hat seinen Frieden mit den Solarpaneelen in der Nachbarschaft gemacht. Freilich, der Anblick eines Meers von blühendem Raps sei schon schöner gewesen, sagt Hermann Wensauer. Aber alternative Energien seien notwendig, und wenn die Anlage genügend Abstand halte, sei alles gut.

Dass das Meer aus 36 000 Paneelen ein Eingriff in die Natur ist, räumt auch Sepp Bichler ein. Aber einer, der sich in Grenzen halte. „Sehen Sie sich mal an, wie es in Kohleabbaugebieten aussieht“, empfiehlt Bichler. Und im Vergleich zum Maisanbau sei eine PV-Anlage eine ökologische Aufwertung – zumal unter den Solarpaneelen künftig Schafe weiden würden.

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Freiflächenanlagen auf Feldern möglich

  • Flächenkulisse:

    Auf Druck der CSU wurde die Flächenkulisse für Freiflächen-Solaranlagen 2017 durch Acker- und Grünlandflächen „in landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten“ erweitert. Bis dahin waren nur versiegelte Flächen, Konversionsflächen, Autobahn- und Bahnstrecken-Seitenstreifen förderfähig. Das habe dazu geführt, dass vor allem Konversionsflächen in Ostdeutschland zum Zug gekommen seien.

  • „Energiebauern“:

    Die Energiebauern“ wurden von Landwirt Sepp Bichler 2003 gegründet. Das Familienunternehmern betreut über 50 PV-Anlagen in ganz Europa.

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