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Region Schwandorf
Mittwoch, 22. November 2017 5

Gesundheit

Optimales Wetter für Blutsauger

Vorsicht: Zecken werden mit sinkenden Temperaturen wieder aktiv. 2017 gibt es bislang vier FSME-Fälle im Kreis Schwandorf.
Von Cornelia Lorenz

Wenn es nicht mehr so heiß ist, werden die Zecken wieder aktiv und lauern hungrig auf einen vorbeikommenden Wirt. Foto: dpa

Schwandorf.Der Blick auf den Kalender und die kühlen Temperaturen am Abend lassen keinen Zweifel aufkommen: Der Sommer neigt sich ganz langsam seinem Ende entgegen. Doch wer denkt, dass sich mit der Hitze auch die Zecken endgültig verabschieden, liegt gründlich daneben: Die gefährlichen kleinen Blutsauger werden jetzt, wenn die Temperaturspitzen des Hochsommers vorbei sind, wieder so richtig aktiv – und das ist für den Menschen potenziell gefährlich: Mit ihrem Stich können die kleinen Spinnentiere zwei riskante Krankheiten übertragen – die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Gelenk- und Muskelentzündung Lyme-Borreliose.

Landkreis ist ein Hochrisikogebiet

Dass Menschen bei Waldspaziergängen, bei der Gartenarbeit oder anderen eigentlich harmlosen Tätigkeiten in der Natur von Zecken gestochen werden und sich dabei mit FSME infizieren, kommt auch in der Region immer wieder vor. Kein Wunder, denn laut Gesundheitsamt gehört der Landkreis Schwandorf zusammen mit dem Landkreis Amberg-Sulzbach zu den Hochrisiko-Gebieten im Freistaat. In diesem Jahr sind bayernweit laut Statistik des Bayerischen Landesamts für Gesundheit 101 Personen erkrankt.

Eine Wade nach einem Zeckenstich: Eines der wenigen charakteristischen Symptome einer Borreliose ist die sogenannte Wanderröte. Foto: dpa

Im Landkreis Schwandorf waren es nach aktuellen Angaben aus dem Gesundheitsamt bislang vier Menschen, die sich mit FSME infiziert haben. Damit bleibt der Wert zum Glück deutlich hinter dem Höchststand der vergangenen Jahre zurück, der im Jahr 2011 zu verzeichnen war, als insgesamt 14 Landkreisbewohner an der durch Zecken übertragenen Gehirnhautentzündung erkrankten.

„Grundsätzlich muss davon ausgegangen werden, dass die Gefahr von noch nicht entdeckten Herden im gesamten Landkreis besteht.“

Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt

Zu dieser Zeit hatte auch Zecken-Spezialist Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München drei Gebiete im Landkreis ausgemacht, wo Zecken mit dem FSME-Virus belastet sind: ein Gebiet bei Heselbach, ein Areal bei Burglengenfeld und ein kleines Gebiet bei Asbach. Seitdem sind nachweislich weitere neue FSME-Herde hinzugekommen, nämlich an der A6 bei Inzendorf, in einem Waldstück zwischen Buchtal und Dürnsricht, im Wald östlich von Traunricht und in der Nähe von Ruit- und Tegelweiher.

Neuer FSME-Herd am Weinberg

Doch das ist längst nicht alles, denn nach Angaben aus dem Landratsamt hat Dr. Dobler mittlerweile einen weiteren SME-Herd ausfindig gemacht, und zwar am Schwandorfer Weinberg. „Grundsätzlich muss davon ausgegangen werden, dass die Gefahr von noch nicht entdeckten Herden im gesamten Landkreis besteht“, betont Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt.

Zecken richtig entfernen:

Die Tatsache, dass im Landkreis Schwandorf die FSME-Gefahr höher ist als anderswo, wirkt sich derweil positiv auf die Impfbereitschaft aus: Nach Angaben von Prechtl waren im vergangenen Schuljahr bei der Einschulung knapp 90 Prozent der Kinder gegen FSME geimpft – bayernweit liegt der Wert im Vergleich dazu nur bei rund 63 Prozent. Bei der Impfbuchkontrolle der sechsten Klassen hatten laut Prechtl im abgelaufenen Schuljahr 76 Prozent aller Kinder zumindest eine abgeschlossene Grundimmunisierung für FSME, also mindestens drei Impfungen – das ist eine etwas niedrigere Quote als 2016.

Während man sich gegen die durch das FSME-Virus hervorgerufene Hirnhautentzündung durch eine Impfung schützen kann, ist dies bei der durch Bakterien hervorgerufenen Borreliose nicht möglich. Nach Angaben des Gesundheitsamtes sind heuer im Landkreis bislang 57 Fälle von Borreliose gemeldet worden. Bayernweit waren es 2017 bis dato 2131 Personen.

Einstichstelle genau beobachten

Anhand dieser Zahlen zeigt sich, dass die kleinen Krabbeltiere deutlich häufiger Borrelien übertragen als FSME-Erreger. Sie sitzen im Verdauungstrakt der Zecken und gehen über die Einstichstelle nach einigen Stunden auf den Menschen über. Haben es die Borreliose-Erreger doch in den Körper geschafft, entsteht an der Einstichstelle – manchmal erst nach ein paar Tagen – ein rötlicher Hof, der sich langsam ausbreitet. In diesem Fall ist ein Arztbesuch erforderlich. Ab und zu bleibt die Rötung auch aus. Doch wer nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen oder geschwollenen Lymphknoten bemerkt, sollte ebenfalls nicht zögern und zum Arzt gehen – auch diese Beschwerden können auf Borreliose hindeuten.

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Johanniter geben Tipps

  • Wer von einer Zecke erwischt wurde, sollte nicht in Panik ausbrechen, sondern sie zügig von der Haut entfernen. Die Erreger der Borreliose gelangen erst zwölf bis 24 Stunden nach dem ersten Saugen in die Wunde. Die Johanniter raten, die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Instrument herauszuhebeln. Die Zecke sollte nah an der Haut im Kopfbereich erfasst und gerade herausgezogen werden.

  • In der Dienststelle

    der Johanniter in Schwandorf (Bellstraße 1) können sich Interessierte kostenlos Zeckenkarten zum Entfernen der lästigen Blutsauger abholen. Wenn die Zecke weg ist, sollte die kleine Wunde an der Stichstelle desinfiziert werden. Keinesfalls sollte man versuchen, die Zecke mit Klebstoff, Öl oder anderen Mitteln zu ersticken, da sie im Todeskampf vermehrt Flüssigkeit absondert und so das Infektionsrisiko steigt.

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