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Region Schwandorf
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Drama

Der Bruchpilot hatte einen Schutzengel

„Technische Probleme“ führten nahe der Sandoase bei Bruck zum Absturz. Doch der Mann in der Kanzel (76) überlebte unversehrt.
Von Renate Ahrens

Das Wrack des abgestürzten einmotorigen Flugzeugs Foto: Renate Ahrens

Bruck.Einen großen Schreck erlebten an diesem heißen Samstagnachmittag die vielen Badegäste beim Planschen in der „Sandoase“ bei Bruck kurz vor 16 Uhr: Vor ihren Augen kam ein weißes Ultraleichtflugzeug ins Trudeln und stürzte nur wenige hundert Meter entfernt in einem Waldstück ab. Um 15.56 Uhr ging der Notruf ein; zwei Rettungshubschrauber, THW, Polizei und 80 Feuerwehrkräfte machten sich sofort auf den Weg. Erste Mitteilungen an die Polizei ließen auf vier Insassen schließen.

„Die Schwierigkeit bestand darin, das Flugzeug überhaupt ausfindig zu machen“, erklärte Patrick Allen, Feuerwehrkommandant in Bruck. Der Wald ist hier sehr dicht und unwegsam, nicht einmal aus der Luft konnte man es entdecken. In Badekleidung und oft barfuß rannten Badegäste in alle Richtungen und halfen spontan bei der Suche, bis die Propellermaschine nach etwa einer halben Stunde endlich entdeckt wurde.

„Seltsames Motorengeräusch“

Groß war die Erleichterung, denn der erfahrene Pilot, ein 76-Jähriger aus Günching bei Neumarkt, hatte sich bereits selbst befreit und war unversehrt ausgestiegen. „Er wirkte erstaunlich fit“, stellte Allen erleichtert fest. Das Rettungssystem des Flugzeugs, ein Fallschirm, war nicht ausgelöst worden. Nur 1500 Meter entfernt, am Flugplatz Nittenau-Bruck, war kurz vor dem Unglück einem Hobbyflieger, der dort gerade im Hangar seine Maschine startklar machte, bereits ein seltsames Motorengeräusch aus der Luft aufgefallen. „Da stimmte etwas nicht“, erklärte Thomas Arnswald unserem Medienhaus. „Jeder mit Affinität zur Technik hätte das bemerkt.“

Unverletzt konnte der Pilot sein Cockpit verlassen. Foto: Renate Ahrens

Wohl auch der Unglückspilot: Über Funk gab er dem Flugplatz bekannt, wegen „technischer Schwierigkeiten“ landen zu wollen, wie Hauptkommissar Rainer Hirschmann erklärte. Über die Ursachen könne man bislang nur mutmaßen. Definitiv hatte das Flugzeug an Höhe verloren, war langsamer geworden und kreiste umher, das beobachteten auch die Badegäste. „Das passiert immer dann, wenn die Strömung an der Tragfläche abreißt“, so Arnswald, der mit einem dreiköpfigen Team und dem flugplatzeigenen Einsatzfahrzeug sofort an die Unglücksstelle eilte. Das Flugzeug habe dann die sichere Höhe von mindestens 300 Metern verloren – über die Absturzhöhe könne nur der Pilot selbst Auskunft geben. Dieser habe vermutlich versucht, im Endanflug über dem Brucker Industriegebiet noch bis zum Flugplatz zu gelangen, doch vergebens.

In diesem Waldstück bei der Sandoase stürzte das Flugzeug ab. Foto: Renate Ahrens

Dabei hatte er noch unfassbares Glück im Unglück: Junge Bäume federten den Fall ab, wie Arnswald vor Ort sofort erkannte. „Vermutlich konnte der Fallschirm wegen zu niedriger Höhe nicht ausgelöst werden“, so der 53-jährige Hobbypilot aus Utzenhofen, der seit sechs Jahren den Flugschein hat und ein eigenes Flugzeug in Bruck besitzt.

„In dieser Situation die richtigen Gedanken zu finden ist Trainingssache.“

Thomas Arnswald, Hobbypilot

Laut Polizeiangaben sei die Maschine der Marke Breezer bereits bei der Sandoase bei einer Geschwindigkeit von etwa 110 Stundenkilometern plötzlich nach links weggekippt. Der Pilot schaffte es gerade noch, das Flugzeug wieder zu stabilisieren und durchzustarten. Dabei habe er die Wipfel der Baumgruppe erfasst, was letztlich zum Absturz geführt hätte.

Schwierige Bergung

Die Bergungsarbeiten gestalten sich als schwierig. Das Gelände ist sehr unzugänglich, nur ein schmaler Weg führt durch das dichte Holz. Die Feuerwehren Bruck, Bodenwöhr und Bergham waren lange beschäftigt, eine Schneise zu schlagen. Treibstoff sei zum Glück nicht ausgelaufen, so Kreisbrandmeister Armin Jehl.

Zahlreiche Helfer waren im Einsatz. Foto: Renate Ahrens

Bis Sonntagmittag konnten erst Teile geborgen werden, wie Anton Moll, Geschäftsführer und Flugplatzbetreiber in Bruck, erklärte. „Die Flächen liegen noch im Wald. Der Hänger konnte wegen des dichten Baumbewuchses nicht an die Unfallstelle fahren.“ Am Flugplatz werden die Teile und auch das Rettungssystem nun analysiert. Die polizeiliche Sachbearbeitung wurde einem für Flugunfälle speziell ausgebildetem Beamten der Station Nittenau übertragen. Die Polizei muss außerdem an das Bundesamt für Luftfahrtuntersuchung einen Bericht schicken.

Der Unglückspilot befindet sich wohlauf – und sicher glücklich, am Leben zu sein – zu Hause. Arnswald schätzt den Totalschaden auf 50000 Euro, die Polizei auf etwa 35000 Euro. „Nicht nur der Pilot hatte Glück“, so Allen. „Nicht auszudenken, wenn er über Wohngebiet abgestürzt wäre.“

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