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Region Schwandorf
Montag, 20. November 2017 3

Vereine

Sie liefern den Fisch fürs Bürgerfest

Die „Brucker Karpfen“ spielen im Markt eine besondere Rolle. Zuletzt wurde fleißig für das Wochenende die Angel ausgeworfen.
Von Renate Ahrens

  • Florian Birner (links) und Sebastian Glöckl sind schon als Kinder mit ihren Eltern fischen gegangen – und diesem Hobby bis heute treu geblieben. Foto: Ahrens
  • Jugendarbeit ist dem Verein wichtig: Vorsitzender Josef Glöckl nimmt sich dafür viel Zeit und erklärt dem Nachwuchs alles Wissenswerte. Foto: Ahrens

Bruck. Sechs Uhr ist es erst an diesem Sonntag – in der Früh: Der 17-jährige Sebastian Glöckl und der 16-jährige Florian Birner haben bereits kurz nach Sonnenaufgang ihre Angelausrüstung hier, am idyllisch gelegenen, zehn Hektar großen Rainweiher zwischen Bruck und Nittenau aufgestellt. Letzte Nebelschwaden ziehen über das Wasser. Nichts, außer den Vogelstimmen aus dem Wald, ist zu hören.

Da, die Angelschnur bewegt sich! Wenig später zieht Sebastian einen großen Karpfen aus dem Wasser und strahlt. Schon sehr warm ist es an diesem Morgen und die Fische sind eigentlich zu träge, um nach Futter Ausschau zu halten. Trotzdem haben schon einige Fische angebissen, und alle werden traditionell beim Brucker Bürgerfest zu Fischpflanzerln verarbeitet – denn was wäre schließlich ein Bürgerfest ohne dieses Schmankerl des Angel- und Naturfreundevereins „Brucker Karpfen“ e. V.?

Jeder hat so seine Methode

Das kann man sich einfach nicht vorstellen. Um für das Bürgerfest auch genügend Brachsen und Karpfen zu haben, treffen sich 20 Angler mehrmals am Weiher. Allen macht es viel Freude, am Rand des Gewässers zu sitzen und die Stille zu genießen. „Manchmal sieht man sogar einen Eisvogel“, erklärt Vorsitzender Josef Glöckl.

Die Ruhe und die Erholung seien es, was die Brucker Petrijünger am meisten an ihrem Hobby schätzen, sagt auch Kassier Johann Schuierer. Manche würden allein zum Angeln gehen, andere bevorzugen die Gesellschaft. „Jeder fischt anders.“ Auch bei den Ködern schwöre jeder Angler auf etwas Besonderes, ob Mais, Wurm oder Brotstück – jede Fischart würde zudem einen eigenen Leckerbissen bevorzugen. Besonders die Brachsen sind begehrt, sie werden für das Fest noch am selben Tag ausgenommen, filetiert und eingefroren. „Die Karpfen kommen zunächst eine Woche in frisches Wasser“, erklärt Glöckl. Schließlich soll nur bester Fisch in die Pflanzerl. Der Erlös wird für die Vereinsarbeit verwendet.

Der „Brucker Karpfen“ ist einer der größten Vereine der Marktgemeinde und kann schon von Beginn an auf viele Mitglieder zurückblicken. Im Jahr 1991 wurde er in feucht-fröhlicher Runde von neun Männern ins Leben gerufen. Frauen sind bis heute leider in der Minderheit. In der Chronik aus dem Gründungsjahr ist noch zu lesen: „Erfreulicherweise gehörten auch einige Frauen dazu und stellten ihre Fangfähigkeit unter Beweis.“ Monika Schreiner wurde 1991 sogar Fischerkönigin.

Federführend bei der Gründung war damals Konrad Prechtl, der dann auch Vorsitzender wurde und es bis zu seinem Tod im Jahr 2010 blieb. „Er war der Motor des Vereins. Ohne ihn gäbe es uns wahrscheinlich nicht“, denkt Josef Glöckl zurück. Ihm zu Ehren findet sogar jedes Jahr ein „Konrad-Prechtl-Gedächtnisfischen“ statt – sicher hätte es den begeisterten Naturfreund gefreut. Ihm lag besonders auch die Jugendarbeit am Herzen. Doch daran hat sich nichts geändert.

Insgesamt besteht der Verein aus 120 Mitgliedern, darunter sind 14 Jugendliche. Das ist kein Wunder – Angeln in der freien Natur ist Abenteuer pur, man fühlt sich wie Huckleberry Finn und Tom Sawyer. Der „Brucker Karpfen“ bietet außerdem für den Nachwuchs immer wieder spannende Unternehmungen wie Zeltlager an. Ganz nebenbei wird bei den Kindern das Verständnis für die Natur geweckt, beispielsweise beim Bauen der Nistkästen für die Vögel und Fledermäuse oder bei der Versorgung der Jungstörche mit Fischen.

Nach und nach gezielter Besatz

Bei der Gründung war die Voraussetzung natürlich ein geeignetes Gewässer, in dem die Petrijünger angeln konnten. Schnell waren die Brucker fündig geworden: Josef Senft, Eigentümer des Mühlweihers und Inhaber des Fischereirechts an einem Teilstück des naturbelassenen Sulzbachs zwischen der Windischbachmühle und Bodenwöhr, erklärte sich sofort zur Verpachtung einverstanden. Nur zwei Monate später gehörten dem Verein 60 Mitglieder an, die mit Jahreserlaubnisschein ihrem Hobby nachgehen konnten.

Nach und nach erfolgte der gezielte Fischbesatz im Mühlweiher und im Sulzbach. Stetig stieg die Mitgliederzahl an. Schon 1993 waren 106 Fischer zu verzeichnen – und man machte sich auf die Suche nach weiteren Gewässern.

„Lange und zähe Verhandlungen“, so ist in der Chronik nachzulesen, habe es gegeben, bis der Rainweiher als weiteres Vereinsgewässer gewonnen werden konnte. Heute gehören zudem der Warbrucker Weiher und der Eishallenweiher dazu. Der Verein erfüllt viele wichtige Aufgaben.

Damit sich Karpfen, Forelle, Hecht oder Zander in den Angelgewässern wohlfühlen, pflegen die Aktiven die Weiher und Flüsse, achten auf ausgewogenen Fischbesatz und führen immer wieder Hegefischen durch. Natürlich beherrschen die Mitglieder auch Anglerlatein, versichert Glöckl augenzwinkernd. Denn beim Erzählen am Stammtisch wird der erbeutete Karpfen immer größer. Und dass der Fisch gut schmeckt, davon kann sich jeder beim kommenden Bürgerfest überzeugen.

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Angler sind Naturschützer

  • Jugendarbeit:

    Bis zum zehnten Lebensjahr, so informiert Vorsitzender Josef Glöckl, dürfen Kinder nur in Begleitung Erwachsener angeln, die den Fischereischein besitzen. Vom zehnten bis zum 18. Lebensjahr gibt es den Jugendfischereischein. Mit zwölf Jahren kann ein Jugendlicher die staatliche Online-Fischerprüfung machen. Den staatlichen Fischereischein erhält er an seinem 14. Geburtstag.

  • Naturschutz:

    Die Mitglieder des Angel- und Naturfreundevereins „Brucker Karpfen“ e. V. sind Naturschützer. Sie hegen und pflegen die Gewässer, untersuchen sie regelmäßig, bringen Jugendlichen das Verständnis zur Natur bei und nehmen an der Aktion „Saubere Landschaft“ teil. Der „Oberpfälzer Karpfen“ ist eine von der EU anerkannte Marke. Zurzeit besteht der Verein aus 120 Mitgliedern.

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