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Region Schwandorf
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Geschichte

So kam der Esel in die Krippe

Das Weihnachtsevangelium fasziniert Millionen Gläubige. Pfarrer Andreas Weiß beantwortet die wichtigsten Fragen.
Von Philipp Seitz

Eine Weihnachtskrippe der Künstler Tobias und Herbert Haseidl aus Oberammergau zeigt die heilige Familie. Foto: Felix Kästle/dpa

Geburt

Am 25. Dezember feiern Millionen Menschen die Geburt Jesu. Wurde er an diesem Datum geboren?

Dass Jesus tatsächlich gelebt hat, ist zweifelsfrei auch aus nicht-biblischen Quellen belegt, seinen genauen Geburtstag jedoch kennen wir nicht. Die junge Kirche der ersten Jahrhunderte konzentrierte sich ja zunächst und vor allem auf den Kreuzestod und die Auferstehung des Herrn. Erst in der Auseinandersetzung um die Göttlichkeit Jesu (das Glaubensbekenntnis von Nicäa formuliert im Jahr 325: Jesus ist „wahrer Mensch und wahrer Gott“) wird auch die Menschwerdung des Gottessohnes wichtig. Der 25. Dezember als Geburtsfest Christi ist zwar ein willkürlich festgelegter, aber durch und durch symbolträchtiger Termin: Ab diesem Datum werden die Tage wieder länger. Wir können es so deuten: Gerade wenn es am dunkelsten ist im Leben, kommt Gott zu dir.

Unterkunft

Warum schliefen Maria und Josef nach ihrer Ankunft in Bethlehem nicht in der Herberge?

Andreas Weiß ist seit 2015 Seelsorger in der Pfarrei St. Ägidius. Foto: Archiv/ph

Das Lukas-Evangelium erklärt die Geburt Jesu in Bethlehem mit einer Volkszählung, die Josef zwang, mit seiner Verlobten, die ein Kind erwartete, in die Stadt seiner Vorväter zu reisen, um sich und seine Familie dort einschreiben zu lassen. Bethlehem stellen wir uns meist als unbedeutendes Kaff vor. Tatsächlich hatte es damals schon eine große Geschichte: In Bethlehem wurde fast genau 1000 Jahre vor Jesus König David geboren, der bis heute bedeutendste Monarch Israels. Josef stammte aus dem Hause Davids und musste deshalb nach Bethlehem. Doch war er nicht der einzige aus diesem großen und weit verzweigten Geschlecht. Viele hatten sich auf den Weg machen müssen, und alle brauchten eine Unterkunft. So waren die Gasthäuser und Privatquartiere in der Stadt bald belegt.

Alternativen

Warum suchten sich Maria und Josef für die Geburt nicht einen anderen Ort aus?

Eine lebensgroße Krippe aus geschnitzten Holzfiguren steht vor dem Ratsherrenportal der Wenzelskirche in Naumburg/Saale (Sachsen-Anhalt). Bildhauer Stefan Albert Hutter meißelte 2012 im Auftrag der Stadt die Heilige Familie aus Eichenstämmen. Foto: Jan Woitas/dpa

In Bethlehem, der Geburtsstadt von König David, erblickte Jesus, der von Gott verheißene Retter, das Licht der Welt. Durch die verordnete Volkszählung nimmt Gott sogar den Kaiser in Rom in seine Dienste! Später wird man Jesus den Beinamen „von Nazareth“ geben, denn dort ist er aufgewachsen. Geboren jedoch ist Jesus – wie der große König David – in Bethlehem. Dieser neue König aber kommt in einem Stall zur Welt! Mit Jesus erfüllen sich die alten Prophezeiungen vom „Messias aus dem Haus Davids“, doch in unerhört anderer Weise als erwartet. Die Notunterkunft im Stall war für Maria und Josef jedoch nicht außerhalb des Annehmbaren. Es ist noch nicht so lange her, da waren auch bei uns Bereiche für Mensch und Tier oft unter einem Dach.

Lesen Sie auch: Weihnachten ist der Tag im Jahr, an dem die Kirchen am besten besucht sind. Pfarrer Schöls erklärt dieses jährliche Phänomen.

Mord

Die Bibel überliefert einen Kindermord. Wie viele Kinder hat Herodes töten lassen?

Vieles in der Geschichte Jesu hat Parallelen zu Erzählungen im Alten Testament. In oft verblüffender Weise erkennen wir Verheißung und Erfüllung. Zum Beispiel beschreibt das Jesaja-Buch hunderte Jahre vor Christus (!) in prophetischer Schau den Leidens- und Kreuzweg Jesu: Da wird ein Unschuldiger geschunden und gemartert werden, man wird ihn schmählich zu Tode quälen, obwohl er doch von Gott gesandt war. Der Befehl zum Kindermord in Bethlehem ist eine Parallele zur Kindheit des Moses: Der Pharao hatte alle männlichen Kinder der Israeliten töten lassen, doch Moses, der später das Volk aus der Sklaverei Ägyptens herausführte, war entkommen. König Herodes – so viel ist bekannt – war ein Herrscher, der für seinen Machterhalt buchstäblich über Leichen ging.

Pfarrer Weiß erklärt die Geschichte

  • Zur Person:

    Der Brucker Pfarrer Andreas Weiß beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Weihnachtsgeschichte. Pfarrer Weiß wurde 1969 in Nabburg geboren.

  • Das Studium:

    Pfarrer Weiß studierte von 1989 bis 1994 in Regensburg und Innsbruck katholische Theologie. Im theologischen Diskurs sei das Weihnachtsgeheimnis nicht nur in der Exegese (Auslegung) der Heiligen Schrift ein grundlegendes Thema, erklärt der katholische Geistliche.

  • Die Botschaft:

    Gott wird Mensch, das sei eine beziehungsweise die zentrale Botschaft unseres christlichen Glaubens, erklärt Pfarrer Weiß. Er scheue sich aber davor, Weihnachten mit „Gott wird Mensch“ zu übersetzen.

  • Die Auslegung:

    Mensch sei man nicht erst ab der Geburt, sondern auch bereits im Mutterleib. „Gott wird Mensch“ feiere die Kirche schon neun Monate vor dem Geburtsfest Christ, also am 25. März, dem Fest der Verkündigung an Maria – oder wenn man so will – der Zeugung Christi. (ph)

Tiere

Zur Krippe unter dem Baum gehören die Tiere. Wie kamen Ochs und Esel in die Weihnachtskrippe?

Die Weihnachtsgeschichte wie wir sie gerne hören – mit dem Stall von Bethlehem, den Hirten, den Engeln und so weiter – findet sich im Lukas-Evangelium. Von den Weisen aus dem Morgenland lesen wir bei Matthäus. Doch nirgends im Neuen Testament steht, dass bei der Geburt Jesu ein Ochse und ein Esel dabei waren. Dass sie heute ganz selbstverständlich zu jeder Krippendarstellung gehören, resultiert aus einem Vers im Alten Testament, wo es heißt: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“ (Jes 1,3) Vor allem in den Klöstern versteckten die Krippenbauer beziehungsweise Maler und Bildhauer in ihren Kunstwerken gern und oft solche Anspielungen auf Zitate in der Bibel, die nicht direkt in den Weihnachts-Evangelien vorkommen.

Krippe

Wie müssten sich die Menschen die Geburtsstätte von Jesus in Bethlehem vorstellen?

Eine Weihnachtskrippe aus Papier Foto: Felix Kästle/dpa

Wer schon in Bethlehem war und dort in der Geburtsbasilika, der war vielleicht überrascht, um nicht zu sagen enttäuscht, als ihm die enge Höhle unter dem Altarraum als der Stall von Bethlehem vorgestellt wurde. Doch genau so müssen wir Weihnachten denken: Kein gemauerter Stall oder eine Scheune. Der Ort, wo Jesus geboren wurde, war wohl eine Höhle, eine Art Unterstand, in dem die Tiere auch nicht ständig untergebracht waren. Dorthin wurden sie nur vor Unwettern und Gefahren von den Hirten in Sicherheit gebracht. Und auch wenn der Satz „Das Kreuz und die Krippe sind aus dem gleichen Holz gemacht“ theologisch großen Tiefgang hat, die Krippe, in die das Neugeborene gelegt worden war, war wohl ein steinerner Futtertrog.

Den zweiten Teil der Weihnachtsgeschichte lesen Sie hier.

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