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Region Schwandorf
Montag, 11. Dezember 2017 4

Finanzen

Stadt setzt auf Baugeld für Familien

Nicht nur die Neunburger profitieren von dem Förderprogramm. Auch Bürgermeister Birner ist zufrieden – trotz der Kosten.
Von Ralf Gohlke

Die Hauptperson Marie, Tochter von Mathias und Katherina Braun (von links), hat die Scheckübergabe einfach verschlafen. Foto: Ralf Gohlke

Neunburg.Dass 5000 Euro nicht wirklich einen Anreiz bieten, sich ein Eigenheim zu bauen, darüber waren sich Bürgermeister und Stadtrat einig, als sie 2010 die Einführung eines Familienbaugeldes beschlossen. Grund dafür waren die seinerzeit eher düsteren Prognosen zur demografischen Entwicklung im ländlichen Raum, denen mit einem Familienprogramm entgegengesteuert werden sollte.

Bei der jüngsten Übergabe eines Schecks in Höhe von 5000 Euro an die junge Familie Katherina, Mathias und Marie Braun in Seebarn, nutzte Bürgermeister Martin Birner die Gelegenheit, eine erste Bilanz zu diesem kommunalen Förderprogramm zu ziehen. Das Ergebnis ist mehr als positiv. 92 Familien haben seither davon profitiert. Bis zum heutigen Tag hat die Stadt im Rahmen der Familienförderung einen Gesamtbetrag von 672 500 Euro ausgegeben.

Fünf Euro Strom pro Monat

„Das Programm hat sich bewährt“, betonte Bürgermeister Martin Birner bei der Scheckübergabe an die Familie Braun in Seebarn. Wenn es die Familien möchten, erfolgt die Scheckübergabe in der Regel bei einem Pressetermin im Rathaus, frei nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“. „Nicht jeder möchte natürlich mit seinem doch sehr privaten Vorhaben in die Zeitung, auch dafür haben wir Verständnis“, erklärte der Bürgermeister gegenüber unserem Medienhaus.

Dieses Einfamilienhaus hat die Familie Braun in Seebarn gebaut. Foto: ggo

Dass diesmal die Übergabe sogar in dem neuen Anwesen der Familie Braun erfolgte, hatte gleich mehrere Gründe. „Ich war wirklich neugierig auf das Haus, wie es jetzt geworden ist“, sagte Birner. Dessen „Innenleben“ hatte er bereits bei einem Besuch der Zimmerei Bauer in Oberaschau bestaunen können, die sich auf den Bau von Häusern in Holzrahmenbauweise spezialisiert hat.

„Sauber ausgerichtet lagen da die Balken noch in der Werkstatt“, erinnert sich Birner und war gespannt auf die technischen Details, die ihm Kfz-Meister Mathias Braun gern vermittelte. Der schwärmte von der guten Zusammenarbeit mit der Zimmerei, die das Haus nach seinen eigenen Plänen, mit nur ganz wenigen, eher technisch bedingten Änderungen, ausgeführt hat.

Den Innenausbau hat der Hausherr komplett in Eigenarbeit gestaltet, was durch die Holzständerbauweise sehr begünstigt wurde. Dort, wo Fachkräfte gefordert waren, setzte die Familie Braun ebenfalls auf Handwerker aus dem Stadtgebiet. „Da kann ich wenigstens hingehen, wenn etwas nicht funktionieren sollte“, meinte der Bauherr.

Mehr über das Programm lesen Sie hier:

Das Wohnungsbauprogramm

  • Grundlage:

    Die Stadt mit ihren Gemeindeteilen will attraktiv für Familien mit Kindern sein, da gerade diese Gruppe der besonderen Unterstützung bedarf. Kernpunkt dabei ist der politische Wille, den Familien eine unbürokratische Hilfestellung anzubieten.

  • Adressaten:

    Familien mit einem oder mehreren Kindern bis maximal 14 Jahren oder Paare, die innerhalb von zehn Jahren nach Beurkundung Nachwuchs bekommen.

  • Berechtigung:

    Erwerb oder Übertragung eines unbebauten Grundstückes innerhalb des Gemeindegebietes und dessen Bebauung innerhalb von vier Jahren nach Beurkundung zur Eigennutzung von mindestens zehn Jahren.

  • Alternative:

    Erwerb oder Übertragung eines bebauten Grundstückes oder Eigentumswohnung, die vor 1981 fertiggestellt wurden und den aktuellen Anforderungen der Energieeinsparung entsprechen.

  • Höhe der Fördersätze:

    5000 Euro pro Kind bei Erwerb oder Übertragung von Grundstücken. Den ermäßigten Satz von 2500 Euro pro Kind gibt es bei bebauten Grundstücken, deren Bebauung zwischen 1971 und 1981 erfolgte. 1250 Euro sind es für den Erwerb einer Eigentumswohnung.

  • Ergänzungen:

    Für den Altstadtbereich können alle weiteren Förderungen im Rahmen des kommunalen Förderprogramms hinzukommen.

Martin Birner zeigte sich unter anderem beeindruckt von dem hervorragenden Raumklima des Hauses, dass sowohl den Anforderungen als KfW Effizienzhaus 40 Plus als auch denen eines Passivhauses entspricht. Die Stromrechnung beläuft sich laut Mathias Braun auf fünf Euro pro Monat. Viele weitere, sehr nützliche Details, weckten beim Bürgermeister fast die Lust, noch einmal selbst zu bauen.

„Natürlich waren die 5000 Euro nicht ausschlaggebend dafür, dass wir hier gebaut haben, aber sie sind eine willkommene Ergänzung“, meinte die Grundschullehrerin Katherina Braun. Sie wurden auch nicht für ein „Extra“ eingeplant, sondern fließen einfach in den großen „Bautopf“.

Zusätzliche Förderung im Stadtkern

Für beide ist der Standort Seebarn optimal im Hinblick auf die Erreichbarkeit ihrer Arbeitsstellen in Treffelstein und Stamsried. Wichtig ist ihnen auch das Angebot zur Kinderbetreuung in Neunburg, auch wenn sich beide derzeit noch in der Betreuung der kleinen Marie (fünf Wochen) über Elternteilzeiten abwechseln.

„Wenn junge Familien im Stadtgebiet bauen, dann bleiben sie in der Regel auch hier“, ist sich Bürgermeister Martin Birner. Dies zeige unter anderem der stete Bevölkerungszuwachs, der deutlich gegen den Trend in anderen Städten liege. Dies verdanke die Stadt einerseits der wirtschaftlichen Entwicklung, die ständig neue Arbeitsstellen bereitstelle und zum Anderen dem sozialen Umfeld, bis hin zur Kinderbetreuung.

In Zusammenhang mit dem Baukindergeld erwähnte er die weiteren Fördermöglichkeiten, vor allem im Bereich der Altstadt. In einer Modellrechnung stellte er fest, dass eine Familie mit zwei Kindern beim Erwerb einer Immobilie im Altstadtbereich durchaus auf eine Höchstfördersumme von bis zu 80 000 Euro kommen könnte. Dabei verhehlte er nicht, dass damit vor allem der unvermeidbar höhere Aufwand mit berücksichtigt werde.

Was der Stadt natürlich Sorge bereite, sei die Tatsache, dass die Nachfrage für Wohnraum, die gerade auch im Stadtkern vorhanden sei, häufig aber an der Verkaufsbereitschaft der Eigentümer scheitere.

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