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Region Schwandorf
Montag, 20. November 2017 10

Debatte

Stadträte fordern eine Anleinpflicht

Das Gremium beklagt die Unvernunft von Nittenauer Hundehaltern. Nun sollen Geldstrafen bei Zuwiderhandlung Abhilfe schaffen.
Von Renate Ahrens

  • Der Storch wurde bei dem Angriff am Bauch und an den Beinen so schwer verletzt, dass er nicht mehr zu retten war. Foto: Stangl
  • Die vierbeinigen Lieblinge der Nittenauer sollen künftig an der Leine gehalten werden. Eine generelle Pflicht wird es aber wohl nicht geben. Foto: dpa

Nittenau.„Wenn es nicht anders geht, also manche Hundebesitzer nicht auf andere Weise zur Vernunft gebracht werden können, müssen wir eben eine allgemeine Anleinpflicht für große Hunde und Kampfhunde im gesamten Gemeindegebiet einführen“, so fand Bürgermeister Karl Bley in der Stadtratssitzung am Dienstag deutliche Worte. Leider würden sich längst noch immer nicht alle Hundebesitzer an die Schilder zum Schutz des Weißstorchs halten, nach denen von Mitte März bis Mitte Oktober in manchen Gebieten Hunde an die Leine genommen werden müssen, so rügte er dieses „rücksichtlose Verhalten“.

Der Storch wurde bei dem Angriff am Bauch und an den Beinen so schwer verletzt, dass er nicht mehr zu retten war. Foto: Stangl

Zum zweiten Mal hatte im Juni ein freilaufender Hund in der Buign einen Altstorch, der gerade auf dem Dach des Haus des Gastes brütete, so schwer verletzt, dass Falkner Gunther Stangl ihn schweren Herzens töten musste. Der Vorfall hatte tiefe Erschütterung unter der Bevölkerung ausgelöst. Rege wurde nun in der Sitzung bei einer Vorberatung diskutiert, wie man in Zukunft die Störche und auch andere Vögel schützen könne. „Im Vogelschutzgebiet leben viele Bodenbrüter“, gab Dr. Roland Gebhard (Freie Wähler) zu bedenken. „Es könnten schließlich auch Kinder gefährdet sein“, warf Willi Sturm (CSU) ein.

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Nicht alle Hundebesitzer in Nittenau führen ihre Vierbeiner an der Leine. Auch Menschen seien deshalb belästigt und gebissen worden. Foto: Archiv/Rieke

Bereits im Juni und Juli hatten die Räte über das Thema gesprochen, nun hatte die Verwaltung einen rechtskonformen Satzungsentwurf vorbereitet. „Große Hunde“ hätten laut Gesetzesdefinition mindestens eine Schulterhöhe von 50 Zentimetern. Allerdings, so Bley, müsste bei Einführung laut Tierschutzgesetz auch eine eingezäunte „Hundewiese“ bereitgestellt werden.

Viele Vorschläge und offene Fragen

„Schockiert“ über die Unvernunft vieler Hundebesitzer, die Verbotsschilder ignorieren würden, zeigte sich Dr. Roland Gebhard (Freie Wähler). Schließlich, so habe er sich erkundigt, würden bei Zuwiderhandlung Geldstrafen bis zu 10 000 Euro stehen. Eine generelle Anleinpflicht ginge seiner Meinung nach jedoch in die falsche Richtung, auch Regensburg oder München hätten dies nicht. Er bevorzuge die Regelung, die Schwandorf habe – hier wären bestimmte Bereiche von der Pflicht ausgenommen. Der neu vereidigte Stadtrat Christoph König (Grüne) finde, so erklärte er, eine allgemeine Anleinpflicht für sinnvoll, warf aber die Frage auf, wie dies zu kontrollieren sei.

Neue Regeln für die Vierbeiner

  • Bei der Vorberatung

    sprachen sich die meisten Stadträte für eine allgemeine Anleinpflicht aus. Kampfhunde und große Hunde müssten dann in allen öffentlichen Anlagen und auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen im gesamten Gemeindegebiet ständig an der Leine gehalten werden. Die Leine muss reißfest sein und darf eine Länge von drei Metern nicht überschreiten.

  • Ausnahmen

    gibt es bei Blindenführhunden, Hütehunden, Rettungshunden, Bewachungshunden und Diensthunden im Einsatz. Große Hunde sind erwachsene Hunde, deren Schulterhöhe mindestens 50 Zentimeter beträgt, soweit sie keine Kampfhunde sind. Zuwiderhandlungen können mit einer Geldbuße belegt werden. Außerdem wurde bei der Sitzung die Hundesteuer erhöht.

Alle Räte waren sich einig, durch eine solche Verordnung außerdem Parks und Spielplätze vor Verunreinigungen durch Hundekot schützen zu können. Tina Schmidt (CSU) schlug vor, Hundetoilettenboxen an den „gängigsten Wegen“ aufzustellen. Auch die SPD habe sich beraten, erklärte Jürgen Kuprat, seine Partei wolle diesen Beschluss befürworten. „Die überwiegende Anzahl der Besitzer ist vernünftig, aber es gibt doch zu viele schwarze Schafe. Eine entsprechende Kontrolle wird noch zu klären sein.“ Kuprat bat außerdem die Verwaltung, nach einer geeigneten Fläche für eine Hundewiese zu suchen. Doch das warf neue Fragen auf: Müssen auch in den umliegenden Ortsteilen Hundewiesen errichtet werden? Und könnte man die Verordnung nicht auch auf kleine Hunde ausweiten? Denn diese, so Heinrich Hofstetter (Freie Wähler) würden ebenso Straßen und Spielplätze verschmutzen.

Zwölf Zwischenfälle in Nittenau

Die Verordnung beschränke sich jedoch laut Gesetz auf große Hunde, erklärte Geschäftsführer Jakob Rester. In den vergangenen sieben Jahren, so Rester weiter, seien zwölf Zwischenfälle zu verzeichnen gewesen. Manchmal seien Menschen belästigt oder gar gebissen worden, manchmal hätten Hunde gegenseitig zu streiten oder zu raufen angefangen. „Es kommen sogar Auswärtige mit mehreren Hunden zum Gassigehen zu uns“, empörte sich Hofstetter. Vielleicht, so überlegte Karl Bley, hätte eine noch drastischere Erhöhung der Hundesteuer das Problem von selbst gelöst. „Wir hätten vielleicht mehr als 40 Euro verlangen sollen.“ Denn bei der Sitzung wurde auch eine neue Hundesteuersatzung beschlossen. Die seit 2005 geltende Fassung bedürfe einer Überarbeitung, so war man der Meinung.

„Wenn wir die Verordnung erlassen, kann auch die Polizei eingreifen.“ Albert Meierhofer, CSU

Von bisher 25 Euro wird nun die jährliche Steuer auf 40 Euro heraufgestuft. Andere Kommunen, so zeigte Rester anhand einer Tabelle, würden längst mindestens so viel von Hundebesitzern einfordern. Bezüglich einer Anleinpflicht erging nun der Beschluss, an einer neuen Version der Verordnung zu „feilen“. Zudem müsste man Lösungen über die Errichtung einer Hundewiese finden, auch ob diese in Außenorten erforderlich sei. „Wenn wir die Verordnung erlassen, kann auch die Polizei eingreifen“, bekräftigte Albert Meierhofer (CSU), und bat, die Hundehalter per Post zu informieren, sollte der Stadtrat eine Anleinpflicht beschließen.

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