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Region Schwandorf
Mittwoch, 21. Februar 2018 2

Interview

Suche nach neuen Flächen für Gewerbe

Burglengenfelds Bürgermeister skizziert in Teil 2 des MZ-Gesprächs, wo er in den nächsten Jahren Schwerpunkte setzen möchte.
Von Thomas Rieke

Das seit vielen Jahren mindergenutzte Areal des früheren Bauunternehmens Weiß soll in den nächsten Jahren endlich entwickelt werden. Foto: Rieke

Burglengenfeld.In Teil 1 des Interviews, das unser Medienhaus mit Thomas Gesche führte, sagte er, er werde auch künftig seinen politischen Widersachern die Stirn bieten; viel lieber als mit alten Vorwürfen und Streitigkeiten setze er sich mit seinen neuen Zielen und Visionen auseinander. Sie bilden den Schwerpunkt im weiteren Gespräch.

Burglengenfeld hat sich, so war im ISEK-Abschlussbericht 2017 zu lesen, gut entwickelt und steht im Vergleich zu anderen Kommunen ähnlicher Größenordnung glänzend da. Die Attraktivität lässt sich u.a. am Zuzug ausmachen. Doch der hat auch Schattenseiten. Wann ist für Sie die „Obergrenze“ erreicht?


Thomas Gesche: Es gibt nichts im Leben, was nur Vor- oder nur Nachteile hat. Grundsätzlich denke ich, dass beim Zuzug die Chancen aber überwiegen.

Bitte erklären Sie uns das.

Durch steigende Einwohnerzahlen wachsen zum Beispiel die Chancen auf Ansiedlungen von Betrieben, Dienstleistern und Geschäften. Außerdem kann der Kaufkraftverlust, den der demografische Wandel und die zunehmende Bedeutung des Internethandels mit sich bringen, besser kompensiert werden. Vor allem aber festigen junge Altersstrukturen, die durch Zuzug verstärkt werden, unseren Bildungsstandort.

Schauen Sie: Während im nördlichen Bayern – und auch viel näher – viele Bildungseinrichtungen schließen, haben wir den umgekehrten Fall. Unsere Einrichtungen sind sicher, müssen eher noch erweitert werden. Das ist freilich auch die Gefahr. Zuzug ist nicht nur positiv. Er muss gesteuert werden und in einem gesunden Rahmen erfolgen, so dass die Infrastruktur mitwachsen kann.

Genau hier liegt nach Auffassung Ihrer Kritiker das Problem. Ihnen wird vorgeworfen, Sie würden zu wenig tun, um genügend Kinderbetreuungsplätze zu schaffen.

Der Vorwurf entbehrt jeder Grundlage. Erst 2016 wurden wir als familienfreundlichste Kommune im Landkreis ausgezeichnet, das kommt nicht von ungefähr!

Was konkret die Situation im Betreuungssektor anbelangt, so stelle ich fest, dass es für jedes infrage kommende Kind einen Krippen- oder Kindergartenplatz gibt. Jedes Burglengenfelder Kindergartenkind bekommt auf Wunsch auch einen Platz mit Mittagessen. Im BRK-Kindergarten „Burg Zauberstein“ haben wir diesbezüglich noch freie Kapazitäten.

Sie liefern eine Steilvorlage. Im Herbst 2017 berichteten wir über Eltern, die sich massiv beklagten, weil es im Josephine-Haas-Kindergarten eben nicht mehr für jedes Kind eine warme Mahlzeit gibt.

Was speziell diesen Kindergarten betrifft, so sind tatsächlich die Möglichkeiten ausgereizt. Aber wir bieten ja Alternativen – und neue Betreuungseinrichtungen werden so konzipiert sein, dass der warme Mittagstisch für jedes Kind garantiert ist.

Der Zuzug erzeugt nicht nur Druck auf Kitas, sondern auch auf Schulen.

In meiner Amtszeit wurde das schulische Angebot erweitert. Es gibt bilinguale Klassen bereits ab der Grundschule; dort wurde mit städtischen Mitteln ein Jugendsozialarbeiter eingestellt, und im Bürgertreff gibt es zusätzliche Kräfte. Kurzum: Für Kinder und Jugendliche wurde noch nie so viel getan, wie heute!

Die Finanzlage Burglengenfeld ist nach wie vor angespannt. Nicht unerhebliche Mittel sind schon durch Beschlüsse aus dem alten Jahr gebunden (für die Fronfeste, die Sanierung der Flutbrücke oder den Neubau des Irlstegs). Was ist darüber hinaus möglich?

Bürgermeister Thomas Gesche an seinem Arbeitsplatz Foto: Rieke


Dazu möchte ich Folgendes vorausschicken: Seit meiner Amtszeit wurde eine Trendwende erreicht. Die Gesamtschulden (Stadt und Tochterunternehmen) sind seit 1990 erstmals nicht gestiegen, sondern von 62,5 auf 58 Millionen Euro zurückgegangen. Ferner ist es uns gelungen, 4,5 Millionen zu tilgen.

Im aktuellen Haushalt werden wir, so denke ich, nach den millionenschweren Einlagen an Stadtwerke und Bulmare und neben den bereits beschlossenen Maßnahmen kaum noch freien Spielraum haben. Diese Faktenlage zeigt, dass die von BWG und SPD verbreiteten Märchen von „blühenden Haushalten“ völlig realitätsfern sind.

Herr Gesche, statt über Vorwürfe aus dem gegnerischen Lager und Streitereien möchten Sie, so sagten Sie uns, lieber über politische Ziele und Visionen mit uns sprechen. Natürlich haben auch wir Interesse zu hören, was Ihnen wichtig ist. Was sind die Schwerpunkte für 2018?


Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt bei den Themen Bildung/Betreuung, Infrastruktur und der Schaffung von Gewerbeflächen. Ein langfristiges Ziel ist die Erschließung und sinnvolle Nutzung des Weiß-Geländes an der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße. Schon seit Jahrzehnten liegt es brach, bietet aber tolle Entwicklungsmöglichkeiten für die Stadt!

Ferner tun wir alles, dass jeder Haushalt bis Ende 2019 eine schnelle Internetanbindung hat, auch wenn wir das nur bedingt steuern können. Und ich hoffe, dass wir in 2019 endlich einen gemeinsamen Recyclinghof im Städtedreieck errichten. 2021 könnte der Spatenstich für die Umgehungsstraße folgen; sie ist für Burglengenfeld und das gesamte Städtedreieck extrem wichtig, und ich bin guter Dinge, dass ich sage: Wir schaffen das!

Der Stadtrat hat 2017 relativ lange gebraucht, den Haushalt zu beschließen; geht es heuer etwas flotter?


Es war in den letzten dreißig Jahren in Burglengenfeld völlig normal, dass der Etat zwischen März und Juni beschlossen wurde. In meiner Amtszeit wurden die Entwürfe sogar so früh erstellt wie nie zuvor. Aufgrund der schwierigen Finanzlage wird der Entwurf heuer allerdings erst im Februar vorliegen. Aufgrund des geringen Spielraums ist die Wahrscheinlichkeit aber nicht schlecht, dass er zeitnah beschlossen werden kann.

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