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Gesundheit

Tango und Foxtrott gegen Parkinson

Experten informierten im Reha-Zentrum Nittenau über neue Therapien und Medikamente gegen die Nervenkrankheit.
Von Brigitte Brandl

Sie informierten beim Oberpfälzer Parkinson-Informationstag über Neuerungen in Therapie und Forschung (v.l.): Oberarzt Stefan Gräber, Prof. Dr. Andres Ceballos-Baumann, Prof. Dr. Thomas Henze.

Nittenau. Zum 15. Mal bereits hatte am Donnerstag das Reha-Zentrum Nittenau in Zusammenarbeit mit der Deutschen Parkinson-Vereinigung zu einem großen Informationstag rund um das Thema Parkinson geladen. Etwa 250000 Menschen des mittleren und fortgeschrittenen Lebensalters in Deutschland leiden an dieser Erkrankung, sodass das Interesse der Betroffenen und deren Angehörigen ungebrochen groß ist. Auch in der Cafeteria des Reha-Zentrums hatten sich alle Sitzreihen gefüllt, als Prof. Dr. Thomas Henze das Programm vorstellte.

Neue Medikamente

Mit den Neuerungen in der medikamentösen Behandlung setzte sich in einem ersten Referat Oberarzt Stefan Graeber auseinander. Demnach sei es ein erklärtes Ziel der derzeitigen Forschung, die Krankheit in Zukunft möglichst frühzeitig diagnostizieren zu können, um großflächige Nervenschädigungen von vorneherein zu verhindern. Wenn die ersten Symptome auftreten, wie etwa Zittern in Ruhe, Steifigkeit, verlangsamter Bewegungsablauf, sei die Krankheit nämlich schon lange im Gang, seien schon zu viele Dopamin produzierende Nervenzellen im Gehirn zerstört. Die medikamentöse Therapie ziele dann darauf ab, den ins Ungleichgewicht geratenen Dopamin-Haushalt im Körper des Patienten auszugleichen.

Das größte Problem bei der Medikamenteneinnahme sei der wechselnde Wirkspiegel über den Tag, so Graeber. Für wenige Stunden gleich nach der Einnahme habe man eine sehr hohe Wirksamkeit, die dann über den Tag immer mehr abflaue, sodass sich der Patient in einem ständigen Auf-und-ab-Zyklus mit Phasen von Überbeweglichkeit oder Bewegungsarmut befinde. Ziel sei deshalb ein Medikament, das einen beständig gleichmäßigen Wirkspiegel erzielt. Dieser Lösung sei man nun ein gewaltiges Stück näher gekommen. Einmal gäbe es dafür nun sogenannte Retard-Präparate, das seien Tabletten, die den Wirkstoff langsam und gleichmäßig abgeben, zum anderen sei seit kurzem ein Parkinson Pflaster mit dem Wirkstoff Rotigotin auf dem Markt, das nur einmal am Tag aufgeklebt werden müsse und über 24 Stunden die Beweglichkeit des Patienten gleichmäßig verbessere. Mit dem Einsatz des Pflasters habe man eine nochmalige Reduzierung der Nebenwirkungen erzielen können, da das Medikament den Magen-Darm-Trakt nicht mehr passieren müsse.

Interessante Statistik

Es würden aber auch viele andere Ansätze weiter verfolgt, so der Referent. Aus Japan käme ein Mittel das dort gegen Epilepsie eingesetzt wird, ein pflanzlicher Wirkstoff aus der chinesischen Medizin soll im Tierversuch das Wachstum von Nervenzellen im Gehirn bewirkt haben – diese Studien liefen derzeit noch, die daraus entstehenden Medikamente seien aber interessant für die neu diagnostizierten Krankheitsfälle. Interessant für die Zuhörer auch der abschließende Einblick in die Statistik im Zusammenhang mit einer Parkinson-Erkrankung. Demnach haben (in Maßen) Kaffee trinkende Männer ein geringeres Erkrankungsrisiko, bei Frauen sei das genau umgekehrt und auch Männer, die rauchen, erkrankten seltener.

Zu Fragen der richtigen Ernährung von Parkinson-Patienten referierte Prof. Dr. Thomas Henze. Im Allgemeinen würden auch hier die Empfehlungen gelten, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ausgegeben wurden: Vielseitig essen, viel Obst und Gemüse, wenig Fett, Salz und Zucker in Maßen, mehrere kleinere Mahlzeiten. Dennoch gäbe es für Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen und in ihrer körperlichen Bewegung eingeschränkt sind, einige Dinge besonders zu beachten. Ballaststoffreiche Nahrungsmittel und eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr könnten verhindern, dass es zu Verstopfung kommt. Bei Schluckstörungen oder vermehrtem Speichelfluss sollte ein besonderes Augenmerk auf die Konsistenz der Speisen gelegt werden. Breiige und passierte Kost seien hier besser als trockene, körnige Kostformen. Auf kohlensäurehaltige Getränke und Fruchtsäfte sollte man besser verzichten. Ihre Mahlzeiten sollten Parkinson-Patienten möglichst nicht in der „Off“-Phase (Phase der schlechteren Beweglichkeit) einnehmen, außerdem könnte die Wirksamkeit der Medikamente verzögert sein, wenn sie gleichzeitig mit der Nahrung eingenommen werden.

Als kompetenter Gastreferent zum Thema „Parkinson in Bewegung“ konnte Prof. Dr. med. Andres Ceballos-Baumann vom Zentrum für Parkinson und Bewegungsstörungen in München-Schwabing gewonnen werden. Er gab zum einen Auskunft darüber, wie gezielte Bewegungstherapien sich auf den Krankheitsverlauf auswirken, zum anderen gab er auch einen Überblick darüber, was in Bezug auf das gesamte Therapiefeld bei Parkinsonerkrankungen „in Bewegung“ geraten sei.

Tanzen und Spielkonsolen

An seiner Klinik sei in den vergangenen Jahren die „Münchner Anti-Freezing-Therapie“ entwickelt worden, die bei vielen Patienten durch regelmäßiges Training mit sensorischen Hinweisreizen die typischen Bewegungshemmungen um ein Wesentliches verbessern konnte. Tai Chi Training und der Einsatz von Spielkonsolen (Wii) seien in der Rehabilitation von Neurologiepatienten stark im Kommen und zeigten gute Ergebnisse, auch mit einer Parkinson-Tanztherapie, bei der vor allem Tango und Foxtrott getanzt würden, erziele man bereits gute Erfolge.

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