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Region Schwandorf
Dienstag, 21. November 2017 7

Sozialverband

VdK will „Soziale Spaltung stoppen“

Der Kreisverband Schwandorf feierte mit vielen Mitgliedern sein 70-jähriges Bestehen in der Neunburger Schwarzachtalhalle.

Verdiente Mitarbeiter und Mitglieder wurden geehrt, unter ihnen auch Gründungsmitglied Johann Süß (3. von links). Foto: gma

Neunburg.Mit einem großen Fest feierte der VdK-Kreisverband Schwandorf am Samstagnachmittag in der Schwarzachtal-Halle in Neunburg sein 70-jähriges Bestehen unter dem Motto „Zukunft braucht Menschlichkeit“. Dazu waren Mitglieder aus vielen Ortsverbänden angereist und füllten die Halle gut. Für die musikalische Einstimmung und auch für Unterhaltung zwischendurch sorgten die „Kulzer Buam“.

Kreisvorsitzender Alfred Kerschner konnte dazu neben den Mitgliedern und Mitarbeitern auch einige Ehrengäste willkommen heißen, wie den Neunburger Bürgermeister Martin Birner, MdL und stellvertretenden Landrat Joachim Hanisch sowie MdL Franz Schindler. Sein besonderer Gruß galt dem einzigen anwesenden Gründungsmitglied, Johann Süß aus Schönsee, die anderen sieben Gründungsmitglieder waren aus gesundheitlichen Gründen verhindert.

Kerschner erinnerte daran, dass der Verband 1946 mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung gegründet wurde. Mittlerweile sei der Verband stark gewachsen und hab in Bayern derzeit 680000 und in Deutschland 1,85 Millionen Mitglieder (Bayern stellt also mehr als ein Drittel).

Bürgermeister Birner dankte allen Ortsverbänden und deren Vorsitzenden für ihr Engagement und versicherte, dass auch in Neunburg weiter Barrierefreiheit angestrebt werde. Stellvertetender Landrat MdL Hanisch freute sich, dass der VdK als der Sozialverband schlechthin im Landkreis flächendeckend vertreten sei. MdL Schindler erinnerte daran, dass die Gründung des VdK fast zeitgleich mit der Verabschiedung der bayerischen Verfassung erfolgt sei. Damals waren es schwere Zeiten, Millionen Menschen strömten nach Bayern, es herrschte Mangel an allem.

Ein besonderes Jubiläumsjahr

Die Festrede hielt der Bezirksgeschäftsführer Christian Eisenried aus Regensburg. In seinem umfangreichen Vortrag stellte er zunächst fest, dass 2017 ein besonderes Jubiläumsjahr für den VdK sei, denn viele Ortsverbände feiern ihr 70-jähriges Bestehen. Er erinnerte daran, dass der VdK eine „bayerische Erfindung“ sei, denn am 4. Dezember 1946 fand die Gründungsversammlung in München statt. Überall im Land begann man mit der Gründung von regionalen Untergliederungen.

Der VdK-Kreisverband feierte mit vielen Mitglieder das 70-jährige Bestehen. Foto: gma

So wurde am 17. Februar der Kreisverband Schwandorf-Burglengenfeld-Neunburg gegründet. Im Frühjahr wurde auch der Kreisverband Nabburg gegründet, der dann den KV Oberviechtach übernahm. Nach der Gebietsreform kam es aufgrund des Beschlusses des VdK-Landesverbands 1972 zu einer Fusion dieser Kreisverbände unter dem jetzigen Namen Sozialverband VdK Kreisverband Schwandorf mit damals 42 Ortsverbänden. Von den jetzt noch bestehenden 25 Ortsverbänden wurden 19 bereits 1947 gegründet.

Mit viel Engagement und Tatkraft setzten sich die Frauen und Männer des VdK ehrenamtlich für die vom Krieg gebeutelten Menschen ein und versuchten, zumindest die größte Not zu lindern. So wurden eine „Lebenshilfe“ Cham-Schwandorf sowie eine Behindertenwerkstatt gegründet und eine Kriegsopfer-Fürsorgestelle beim Landratsamt Schwandorf eingerichtet. Außerdem wurden Kinder- und Seniorenerholungen sowie Studienreisen durchgeführt.

Eisenried listete dann besondere Ereignisse auf, die Namen der Kreisvorsitzenden, der Kreisgeschäftsführer und der Mitarbeiter. Er stellte auch die Mitgliederentwicklung vom Beginn bis heute vor sowie die Erweiterung der Geschäftsstelle. Der VdK ist der größte und auch der am stärksten wachsende Sozialverband.

Ein Bewusstsein für Missstände

Die VdK-Mitarbeiter führten 7200 Beratungsgespräche, legten 555 Widersprüche ein und reichten 154 Klagen ein, dabei konnten sie 1003979 Euro an Nachzahlungen erzielen. Des Weiteren bestehe ein flächendeckendes Betreuungsnetz von rund 250 ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Ortsverbänden. Sie ermöglichen älteren und behinderten Menschen durch die Organisation von Ausflügen und Informationsveranstaltungen die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben unter dem Motto „gemeinsam statt einsam“.

Eisenried betonte, dass die Gründungsgeschichte das Bewusstsein für Missstände und Ungerechtigkeiten geschärft habe, so dass der VdK zu einem kritischen und konstruktiven Begleiter und Kämpfer der Sozialpolitik und wurde. Je stärker der Sozialverband sei, desto mehr könne er sein politisches Gewicht in die Waagschale werfen.

Erfolge des VdK

  • Mit dem Kampf für eine gute Sozialpolitik

    habe der VdK in der Geschichte auch schon große Erfolge erzielt, so das Bundesversorgungsgesetz 1950, das Körperbehindertengesetz und 1974 das Schwerbehindertengesetz, sagte Bezirksgeschäftsführer Christian Eisenried.

  • Das Benachteiligungsverbot

    für Menschen mit Behinderungen wurde ins Grundgesetz aufgenommen. In jüngster Zeit wurde 2014 das Rentenpaket mit Mütterrente und der Rente mit 63 erreicht, die Einführung des Mindestlohns, die Pflegereform oder das Bundesteilhabegesetz.

Trotz der Erfolge sei das Engagement um soziale Gerechtigkeit weiter stark gefragt, denn die soziale Ungerechtigkeit steige. So liegt die Armutsquote in Deutschland bei 15,7 Prozent, auch in Bayern liege die Armutsgefährdungsquote bei 14,9 Prozent, bei der Altersgruppe der 65-Jährigen und bei den noch Älteren sogar bei 21,9 Prozent. Dabei geht es der bayerischen und deutschen Wirtschaft so gut wie schon lange nicht mehr; sie verzeichnet Höchstgewinne und Vollbeschäftigung.

Tatsache sei, dass die Kluft zwischen Arm und Reich auch im Freistaat steige. Die Einkommen seien ungleicher verteilt als vor 20 Jahren. Zahlreiche Untersuchungen belegten diese Fehlentwicklung. So stiegen die Löhne der einkommensschwächsten zehn Prozent gerade mal um sechs Prozent, während die der oberen zehn Prozent der Einkommen um 39 Prozent stiegen.

„Soziale Spaltung stoppen“

In gleicher Weise sei das Vermögen in Deutschland unfassbar ungleich verteilt: 36 Milliardäre besitzen so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen – die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung besäßen gar kein Vermögen. Deshalb habe der VdK Bayern mit vielen Kampagnen auf die Ungleichheit aufmerksam gemacht unter dem Motto „Soziale Spaltung stoppen“.

Die Frage nach den Ursachen der Ungleichheit liege einmal im Bildungswesen: Immer noch hänge der Schulerfolg besonders stark mit der sozialen Herkunft zusammen. Zum anderen hätten Deregulierungen am Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle gespielt: Minijobs, Leih- und Zeitarbeit haben stark zugenommen, mit all ihren negativen Folgen, so der Bezirksgeschäftsführer. Dabei sei gut und fair bezahlte Arbeit die wichtigste Prävention gegen Armut und Perspektivlosigkeit.

VdK-Geschäftsführer Christian Eisenried hielt die Festrede. Foto: gma

Die gesetzliche Rente reiche immerhäufiger nicht mehr zum Leben. Die Armutsschwelle in Bayern liege bei 1039 Euro, viele Rentner liegen darunter. Deshalb habe die Kernforderung des VdK – „Die Rente muss zum Leben reichen“ nichts an Gültigkeit verloren, sie sei aktueller denn je. Eine Stabilisierung und maßvolle Erhöhung des Rentenniveaus sei nötig.

Besonders müsse sich der Verband auch der Menschen mit einer Erwerbsminderung sowie der Geringverdiener annehmen. Dabei seien die Mittel vorhanden: Fast 24 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss wurden 2016 erzielt. Auch gute Pflege müsse gewährleistet werden und Gesundheit müsse bezahlbar sein.

Der VdK werde sich dafür einsetzen, dass seine Forderungen auch in die Koalitionsverhandlungen Eingang finden. Eisenried stellte abschließend fest, dass der VdK in seiner Geschichte viel erreicht habe, es bleibe aber noch viel zu tun. Das Leitmotiv „Zukunft braucht Menschlichkeit“ bleibe die Grundlage des Handelns.

Verdiente Mitarbeiter geehrt

Eisenried nahm dann zusammen mit dem Kreisvorsitzenden Alfred Kerschner und Kreisgeschäftsführer Bernd Steinkirchner die Ehrung langjähriger Mitglieder und Mitarbeiter vor. Zuerst wurde das Gründungsmitglied Johann Süß gebührend gewürdigt und ausgezeichnet.

Georg Demleitner, Engelbert Ehbauer, Peter Fugmann, Herbert Hasenkopf, Erika Dorner, Johann Schwendner, Barbara Bäumler und Richard Rötzer wurden als verdiente Mitarbeiter mit der Ehrennadel in Silber ausgezeichnet. Alfred Kerschner und Reinhard Rädel erhielten die Ehrennadel in Gold. Eine besondere Auszeichnung wurde Siegfried Pöll zuteil, denn er wurde zum Ehrenkreisvorsitzenden ernannt. (gma)

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