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Region Schwandorf
Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Kultur

Vom Leben und Sterben anno dazumal

Der „Schaurig, lustige Spaziergang mit dem Nachtwächter“ fand zum fünften Mal statt. 104 Gäste verfolgten das Spektakel.

  • Die Neukirchener Hex kuriert den Nachtwächter Johann Reichl von seinen Kopfschmerzen. Fotos: Helga Probst
  • Schafkopf-Szene
  • Die alte Feuerwehrspritze von 1903 im Einsatz
  • Gespannt verfolgten die Zuschauer die Messerstecherei.

Neukirchen-Balbini.Neben den 104 Teilnehmern begleitete auch ein ungebetener Gast den Nachtwächter Johann Reichl auf seiner fünften Führung durch den Markt. Auf den Regen am Abend hätten die Veranstalter gerne verzichtet. Er erschwerte den „Schaurig, lustigen Spaziergang mit dem Nachtwächter“ kurzzeitig. Trotzdem kam Landrat Thomas Ebeling, passend zur Wahl mit einem schwarzen Schirm, und ließ sich in die gute alte Zeit um 1930 entführen.

Die Vorsitzende des Tourismusvereines, Helga Probst, war begeistert, dass bei dem nass-kalten Wetter ein so großes Publikum nach Neukirchen gekommen war. Stellvertretender Landrat Joachim Hanisch war zum wiederholten Mal dabei, und aus Rötz schauten Dritter Bürgermeister Markus Riederer und Guttensteiner-Darsteller Josef Niebauer zu.

Georg Stubenrauch sang bei seinem Auftritt mit dem Glockenschlag um 20 Uhr das bekannte Nachtwächterlied „Hört ihr Leut und lasst euch sagen…..“ und anschließend ein Loblied auf seinen Heimatort. Der Nachtwächter führte heuer zum ersten Mal mit einem neuen Prolog ins Schauspiel ein. Er nannte Neukirchen-Balbini „eine der schönsten und lebendigsten Gemeinden im Landkreis Schwandorf“ und beschrieb das Leben der Leute und den Kampf ums Überleben vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Auch die neueste Entwicklung des Ortes in der jüngsten Zeit kam nicht zu kurz. „Mir seng’s gern, wenn Besucher und Urlauber zu uns kemma. Wos ma niard gern seng, is wenn die Leit alles umasunst hom woll’n“, kontrollierte der Nachwächter, ob heuer jeder seinen Eintritt bezahlt hatte und ein grünes Armband trug.

Die Laienspielgruppe stemmte wieder den größten Teil der Aufführung, und die Darsteller der einzelnen Szenen beherrschten ihre Rollen perfekt. Die Messerstechergeschichte forderte heuer neben Thomas Eichinger zwei weitere Opfer. In der Hitze des Gefechtes gingen zwei der Theatermesser zu Bruch. Genauso stürmisch „schlugen“ die jungen Burschen um Markus Hinteneder im Pavillon bei der Kartlerszene den „Brucker Karpfen“ in die Flucht und zerdepperten dabei den Attrappen-Maßkrug in mehrere Trümmer. Viele Gedanken machte sich Michael Reichl über seinen Text. Heuer schrie er verzweifelt: „I bin’s, da Urlbauer. Eitz hat’s an Gendarm g’schossen“. Helmut Käsbauer dagegen blieb bei seinem „Obacht“ und leerte wieder sein Nachthaferl mehrere Male auf die Straße aus.

Neu gestaltet wurde auch die Geschichte von der toten Magd, die sich im Burgerweiher ertränkt hat. Sie wurde zum ersten Mal von Patricia Dirscherl gespielt, die der Darstellung einen gruseligen Touch gab. Sie wandelte auf der Schulwiese zwischen Nebelschwaden umher und weinte herzerweichend, bevor sie geborgen und für die Zuschauer aufgebahrt wurde. Die Neukirchener Hex sorgte wieder mit ihren Trankerln für allgemeines Wohlbefinden und kurierte Kopfweh, und die Feuerwehr bewahrte Neukirchen mit der alten Spritze von 1903 vor einer Feuersbrunst. (ghp)

Schlussakkord

  • Bei der abschließenden Brotzeit

    im Gasthaus „Zur Sonne“ feierten Gäste und Organisatoren den gelungenen Verlauf der verregneten Veranstaltung.

  • Landrat Thomas Ebeling

    erwies sich dabei von der spendablen Seite. Da er der Grund für eine verlorene Wette war, sagte er einen weiteren Besuch mit einer Brotzeit im Gepäck zu, wenn Thomas Eichinger die fünf Kasten Bier ausgibt, weil er nicht damit gerechnet hat, dass der Landrat zum Spaziergang mit dem Nachtwächter kommt. (ghp)

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