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Region Schwandorf
Montag, 11. Dezember 2017 5

Theater

Vom Werde- und Abgang des Reformators

Premiere für die Nabburger Spitalkirche als Spielort: „Martinus Luther“ zeigt auch die Schattenseiten der Lichtgestalt.
Von Reinhold Willfurth

Christian Hofmann spielt den alten Luther. Foto: LTO

Nabburg.Eigentlich sollte „Martinus Luther“ pünktlich zum Reformationstag am 31. Oktober die Bühne betreten. Doch ein Krankheitsfall im Ensemble machte dem Landestheater Oberpfalz (LTO) einen Strich durch die Rechnung. Die Premiere in der Weidener Regionabibliothek am vergangenen Samstag ließ aber erahnen, dass der große Reformator auch nach dem offiziellen Ende des Jubiläumsjahrs seinem Publikum noch viel zu erzählen hat – am 25. November erstmals auch in der perfekten Umgebung der frisch sanierten Spitalkirche in Nabburg. Und mit Claudia Lohmann spielt eine Nabburgerin eine der drei Hauptrollen.

Antisemit und Fremdenhasser

Erzählt wird zum Beispiel auch über des Reformators dunkelste Seiten. Man mag sich gar nicht ausmalen, mit welcher Partei der alte Luther heute sympathisiert hätte, liest man seine antisemitischen Hetzschriften und seine Tiraden gegen Bauern und Andersgläubige. Die Abgründe des späten Luther spart das Schauspiel von John von Düffel ebenso wenig aus wie seine idealistischen Anfänge.

Der junge Bettelmönch wird von Julian Struck gespielt. Foto: LTO

Gleich zu Beginn entladen sich Blitz und Donner auf der Bühne: Der junge Luther, gespielt von Julian Struck, gelobt, ein Bettelmönch zu werden und seinem sündigen Lebenswandel zu entsagen, wenn er das Gewitter über ihm überleben sollte. Aus dem weltlichen Studenten wird ein gewiefter Theologe, der fanatisch gegen die allgegenwärtige Korruption in der heiligen katholischen Kirche kämpft.

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Luthers Fanatismus steht später aber auch für seinen Hass auf Andersdenkende. Die Ausfälle des verbitterten Alten gegen die Juden sind leider ebenso gut belegt wie sein aufrechter Kampf für den christlichen Glauben jenseits der verdorbenen Amtskirche. Christian Hofmann, der unter anderem in der Rolle des letzten bayerischen Scharfrichters auf der LTO-Bühne überzeugte, gibt den Reformator in dessen letzten Lebensjahren.

Das Stück

  • Die Idee

    „Wie Luther wurde, was er war – und wie Luther aufhörte, Luther zu sein“ umschreibt Autor John von Düffel die Idee für sein Stück.

  • Die Schauspieler

    Julian Struck spielt in der Aufführung des LTO den jungen Luther. Der Luther in seinen letzten Lebensmonaten wird von Christian Hofmann dargestellt. In einer Dreifachrolle als Verführerin, Luthers Ehefrau und dem Ablassprediger Tetzel tritt Claudia Lohmann auf.

  • Die Aufführung

    Aufgeführt wird das Stück mit dem Untertitel „Anfang und Ende eines Mythos“ am 25. 11. in der Spitalkirche in Nabburg. Karten: Tel. (0 96 59) 9 31 00

Claudia Lohmann lässt den jungen Luther als Verführerin in Gewissensnöten schwitzen – und managt als Ehefrau Katharina von Bora das Wirken ihres Mannes Martin. Lohmann freut sich besonders auf die Premiere des LTO in der fesch sanierten Spitalkirche. Die besondere Atmosphäre dort hat es der Nabburgerin angetan. Und für ein Stück über Martin Luther gebe es keinen schöneren Ort als eine säkularisierte Kirche.

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Lampenfieber gehört zum Schauspielen dazu – noch dazu, wenn es ein Heimspiel ist. „Man hat schon mehr Druck, wenn man weiß, die Leute kennen einen“, sagt Lohmann. „Aber das ist auch etwas Schönes“. Der Wechsel vom eher intimen Raum in der Weidener Regionalbibliothek in den großzügig bemessenen Kirchenraum mit seiner speziellen Akustik macht der ausgebildeten Schauspielerin keine Sorgen: „Dann gibt man halt ein bisschen mehr Stimme, dann passt das wieder“.

Fuß fassen im Landkreis

Auch das karge Bühnenbild – das Stück lebt von der Ausstrahlung der Schauspieler und vom Text – bereitet dem LTO kein Kopfzerbrechen – im Gegenteil: „Die Kulissen sind für den Transport gut geeignet“, sagt Dramaturgin Tina Lorenz. Gut möglich, dass dem Gastspiel des LTO in Nabburg weitere folgen werden. Die Theatertruppe aus dem Landkreis Neustadt hat sich auf die schwierige Suche nach einem geeigneten Spielort im Landkreis Schwandorf aufgemacht. Die Nabburger Kirche ist jedenfalls ein schöner Anfang.

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