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Region Schwandorf
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Bilanz

Weniger Neue, mehr Dableiber

Die Integration der Flüchtlinge im Raum Schwandorf kommt allmählich in Gang. Auf die Helfer wartet aber noch viel Arbeit.
Von Reinhold Willfurth

Flüchtlingsfamilien haben es schwer auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt der Region. Foto: Uwe Anspach/dpa

Schwandorf.Die Zahl der neu im Land eingetroffenen Flüchtlinge ging im vergangenen Jahr ein zweites Mal drastisch zurück. Die genauen Zahlen für den Landkreis Schwandorf stehen noch nicht fest, die Tendenz ist aber dieselbe. Die im Vergleich zu 2015 (fast 900 000 Personen) um 80 Prozent geschrumpfte Zahl der Neuankömmlinge gilt auch für die Region, die nach einem genauen Schlüssel Flüchtlinge aufnehmen muss. Während sich die Gemeinschaftsunterkünfte allmählich von Neuaufnahmen leeren, herrscht in den mit der Integration beauftragten Ämtern und bei den ehrenamtlichen Helfern Hochbetrieb.

„Ein schwieriges Unterfangen“

Die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen mit teilweise traumatischen Erfahrungen in den deutschen (Arbeits-)Alltag sei nichts für Ungeduldige, sagt Günter Burgerspfleger, Leiter des Jobcenters in der Arbeitsagentur Schwandorf. „Wenn man sich in die Leute hineinversetzt, sieht man, dass sie im Grunde aus einer anderen Welt kommen“, sagt Burgerspfleger. Bei allen herausragenden Einzelfällen, die sich rasch und lautlos in die Arbeitswelt eingliederten – „für das Gros unserer Kunden ist das ein ganz schwieriges Unterfangen“.

Wie viele Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis Schwandorf? Wir haben die Zahlen in einem Video zusammengefasst:

Video: Ascherl

„Zeit, Geduld und sehr viel Arbeit“ liegt Burgerspfleger zufolge vor den Mitarbeitern des Jobcenters. „Die Leute lösen sich ja nicht in Luft auf“, sagt auch Franz Pfeffer, stellvertretender Pressesprecher des Landkreises. 825 erwerbsfähige Menschen mit Fluchthintergrund versucht das Jobcenter derzeit im Arbeitsmarkt unterzubekommen. Immerhin: 199 Männer und Frauen aus dieser Gruppe fanden 2017 mit der Hilfe vom Amt einen Vollzeit-Job. Das ist eine wesentlich bessere Quote als noch im Vorjahr – ein Zeichen dafür, dass die Integration allmählich in Gang komme, findet Jobcenter-Teamleiter Gerhard Baumer. Trotzdem: Die Eingliederung in die Gesellschaft mit Job und Wohnung ist ein langwieriger Prozess. Fünf Jahr sind eine Zeitspanne, mit der Arbeitsmarktexperten kalkulieren.

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Dazu kommt das Problem mit der Wohnungssuche. Eine bezahlbare Bleibe zu finden ist schon für eine deutsche Normalverdiener-Familie eine anspruchsvolle Aufgabe, für Familien mit Migrationshintergrund, deren Miete das Jobcenter übernimmt, derzeit ein schier aussichtsloses Unterfangen. Rund 70 Anfragen von Jobcenter-Kunden – deutsche wie nicht-deutsche – lägen dem hauseigenen Wohnungs-Kümmerer vor, sagt Günter Burgerspfleger. „Davon können wir nur gut zehn Prozent bedienen“.

Die Alternative wäre die Straße

Das ist der Grund, warum anerkannte Flüchtlinge weiter in einer der vom Staat gestellten Unterkünfte ausharren, nun gegen eine Mietzahlung. 517 solche „Fehlbeleger“ wurden Ende 2017 im Landkreis registriert. „Wir können ja die Leute nicht auf die Straße schicken“, sagt Landkreis-Sprecher Franz Pfeffer.

Für Elke Reinhart, Flüchtlingsbeauftrage aus Neunburg, geht die Arbeit erst los (hier mit Bürgermeister Martin Birner).Foto: ggo

1138 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis. Die Kurve jener, die nach Abschluss des Verfahrens die Region verlassen, flacht ab. Elke Reinhart, Flüchtlingsbeauftragte in Neunburg, erlebt immer wieder Fälle, bei denen Flüchtlinge nach einem Ausflug in die Großstadt gerne in den Landkreis zurückkehren, weil sie die Sicherheit und die Ruhe auf dem Land den sozialen Problemen in der Stadt vorzögen.

„Die [Flüchtlinge] kommen gerne wieder ins Dorf zurück.“

Elke Reinhart, Flüchtlingsbeauftragte in Neunburg

„Die kommen gerne wieder ins Dorf zurück“, hat Reinhart festgestellt. Auf die ehrenamtlichen Helfer – „ohne die ging’s gar nicht“ wartet Reinhart zufolge noch viel Arbeit. Obwohl diese Arbeit sehr anstrengend sein könne, aber gleichzeitig für die Helfer erfüllend und Spaß bringend, würde sie gerne mehr Menschen vermitteln als bislang. Unter der Homepage www.integration-schwandorf.de finden sich Hinweise, wie das gelingen kann.

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