Schwandorf 13.07.2012, 16:46 Uhr

Der Wettkampf um Lebenschancen

Mit Nachhilfe und Pauken schaffen mehr Schüler den Übertritt an weiterführende Schulen. An der passenden Schule landen sie aber nicht immer.

„Abgerechnet wird viel später“, sagt Helmut Schuster.

„Abgerechnet wird viel später“, sagt Helmut Schuster.

Von Elisabeth Hirzinger

Schwandorf. Bayernweit brechen die Schülerzahlen, nicht nur an den Gymnasien, ein. Die MZ hat dies im Juni zum Anlass genommen, nach den Ursachen für den Schülerrückgang zu forschen, von dem auch der Landkreis Schwandorf nicht verschont blieb. Dabei sind noch Fragen offen geblieben, die wir jetzt dem Leiter der Haupt- und Mittelschule Schwarzenfeld gestellt haben. Helmut Schuster ist Vorsitzender des Bayerischen Schulleitungsverbandes im Bezirk Oberpfalz und betrachtet die aktuelle Entwicklung „mit Sorge bezüglich des Übertrittsverhaltens, aber auch mit Zuversicht, was die Zukunftschancen der Mittelschüler als der ’dritten Säule’ des bayerischen Schulsystems anbetrifft“.

Herr Schuster, als Sie vor zehn Jahren die Leitung der Volks- und mittlerweile Mittelschule in Schwarzenfeld übernommen haben, war die Welt noch in Ordnung. Damals gab es an Ihrer Schule vier fünfte Klassen mit über 120 Schülern. Im nächsten Schuljahr werden nur noch 15 Schüler in Ihrer einzigen fünften Klasse sitzen. Diese Zahlen lassen sich mit dem demografischen Wandel allein wohl nicht erklären?

Sicher nicht. Die Geburtenzahlen für diesen Jahrgang sind in den letzten zehn Jahren um etwa 40 Prozent zurückgegangen. Natürlich fehlen hier bei uns die Schüler, die seit der Einführung der „R 6“ nun schon nach der 4. Klasse an die Realschule gehen. Aber darüber hinaus sind die Übertrittszahlen seit Jahren stetig und stark angestiegen. Noch vor sechs Jahren wechselten fast 50 Prozent der Schüler an die Hauptschule, zuletzt waren es bei uns nur noch 22,7 Prozent.

Hat die Hauptschule bei uns noch eine Zukunft?

Die ganz auf die Berufsorientierung ausgerichtete Mittelschule hat in jedem Falle eine gute Zukunft, denn sie hält für eine bestimmte Schülerschaft ein optimales Lernangebot bereit. Sie bereitet die Schüler für die meisten Berufe der dualen Berufsausbildung ganz gezielt vor und kann mit dem Klassenleiterprinzip, kleinen Klassen, mehr Praxisfächern, betreuten Betriebspraktika, Praxisprojekten und Teamprojekten und dafür weniger Theorie vielen Schüler besser gerecht werden. Auch Fördermaßnahmen und Jugendsozialarbeit gibt es an den meisten Mittelschulen, ebenso Ganztagsbetreuung in allen Verbünden. Leider streben heute aber viele Schüler und Eltern, die bei uns mehr Lernerfolg haben könnten als anderswo, mit aller Macht einen anderen Übertritt an und landen dann oft in einer Schulart, in der sie es sehr schwer haben, gut mitzukommen. Von diesen Schulen hören wir Klagen, dass es immer schwieriger wird, das gewünschte Lernniveau zu halten.

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