Eltern kritisieren Ministerium
An der Grundschule Schwarzenfeld sollen aus vier Klassen drei gebildet werden. Mit ihrem Protest dagegen stehen die Eltern nicht alleine da.
In Schwarzenfeld sollen die vier dritten Klassen in drei vierten Klassen zusammengelegt werden. Die Schülereltern wehren sich.
Schwarzenfeld. 88 Kinder besuchten im vergangenen Schuljahr die dritte Jahrgangsstufe in der Volksschule Schwarzenfeld, verteilt auf vier Klassen. Durch Wegzüge sind es im kommenden Schuljahr noch 84 Kinder. Weil das Kultusministerium eine Höchstschülerzahl von 29 Kindern pro Klasse vorgibt, werden nur noch drei Klassen gebildet. Für sechs Schüler bedeutet dies, dass sie künftig in die Außenstelle Stulln pendeln müssen, auch wenn sie nur wenige hundert Meter von der Schule in Schwarzenfeld entfernt wohnen. Außerdem müssen sich die Kinder in der vierten Jahrgangsstufe, der Übertrittsklasse, an eine neue Klassengemeinschaft gewöhnen und zudem an eine größere Klasse (die Klassenstärke erhöht sich von 21 auf 28 Kinder).
Rechenfehler des Ministeriums?
Die Eltern der Drittklässler wollen sich gegen diese Umstrukturierung wehren und haben eine Plattform im Internet geschaffen. Unter www.eltern-wehren-sich.de üben sie heftig Kritik an der bayerischen Bildungspolitik. Das Kultusministerium habe mit weniger Schülern, als tatsächlich vorhanden, geplant. Diesen Rechenfehler müssten die Kinder jetzt ausbaden, so ihr Vorwurf. Ihr Wunsch: zusätzliche Lehrerbudgetstunden, um die vierte Klasse zu erhalten.
Die Schülerzahlen im Schuljahr 2012/2013 liegen tatsächlich über den Prognosen des Kultusministeriums. Bayerns Grundschulen werden rund 3500 Schüler mehr als erwartet haben. Bei den Mittelschulen sind es 14.000 Schüler mehr als ursprünglich angenommen. Die Prognosen wurden in den Monaten April und Juli erhoben – das übliche Vorgehen, so die Auskunft des Ministeriums; von einem Rechenfehler könne nicht die Rede sein.
Dass die tatsächlichen Schülerzahlen an den Mittelschulen die Erwartungen dermaßen übersteigen, sei eine historische Situation, die dafür stehe, dass sich die Mittelschulen etabliert hätten. Auch bei den Grundschulen sei die höhere Schülerzahl erfreulich. Gleichzeitig bedeute sie aber eine große Kraftanstrengung bei der Unterrichtsversorgung der Schulen. Auf Anfrage der MZ bestätigte das Ministerium eine „angespannte Versorgungssituation“. Sprecher Dr. Ludwig Unger: „Es gibt Schulen, an denen nachgesteuert werden muss.“ Manchen Schulen könne dadurch geholfen werden, anderen aber auch nicht. Wie in Schwarzenfeld gebe es in ganz Bayern vereinzelt Fälle, in denen Klassenumstrukturierungen nicht vermieden werden könnten.

