Gastwirt macht weiß-blaue Politik
Der Gastronom Reinhard Grabinger ist Schwandorfer Direktkandidat der Bayernpartei. Ein erster Ortsverband soll in diesem Quartal gegründet werden.
Direktkandidat der Bayernpartei: Reinhard Grabinger (43)
Schwandorf. Reinhard Grabinger (43) ist eigentlich schon ausgelastet: als Gastwirt und Hotelier mit 30 Zimmern und 25 Angestellten; als Vater von vier Kindern im Alter von neun bis 15 Jahren, als Mehr-als-nur-Hobby-Musiker. Jetzt kommt noch eine Tätigkeit hinzu. Der Mann, der an diesem Freitag für eine Hochzeit bis drei Uhr aufbleiben muss, geht in die Politik.
Am vergangenen Freitag ist Reinhard Grabinger im Hotel-Gasthof Grabinger zum Direktkandidaten der Bayernpartei für die Landtagswahl 2013 nominiert worden. Seit „fünf, sechs Wochen“ erst hat er das Mitgliedsbuch und ist damit im Freistaat so etwas wie ein Exot. Gerade mal 1,1 Prozent der Wähler machten bei der Landtagswahl 2008 ihr Kreuzchen bei den Weiß-Blauen.
200.000 Euro für die Raucherbar
20 Jahre lang war der 43-Jährige, dem Familienbrauch folgend, bei der CSU – „als passives Mitglied“, wie er betont. Dann haben sie ihm das Kraut ausgeschüttet, wie man auf Bairisch sagt. Bei der Nichtraucher-Debatte fand der Gastwirt das Verhalten der Bayerischen Staatsregierung wenig überzeugend. Zuerst legte sie ein strenges Gesetz gegen die Raucher auf, dann schuf sie Ausnahmen für Raucherräume und dergleichen, dann stand sie vor dem Volksbegehren wie das Kaninchen vor der Schlange. So sieht es Reinhard Grabinger, der in dieser Zeit 200.000 Euro für eine separate Raucherbar in den Sand setzte.
Aber es geht ihm nicht ums Geld, um Umsetzeinbußen oder Draufzahlgeschäfte, es geht ihm ums Prinzip. „Die Stammtische sind kaputtgegangen, die haben sich zurückgezogen. Die ganze Wirtshauskultur ist weniger geworden“, klagt der Gastronom. „Verbote, Bürokratie und Zettel-Ausfüllen“ hätten die bayerische Lebensart kaputt gemacht. Und dabei geht es laut Grabinger nicht nur um die Raucher allein. Rigide Eingriffe in die Sperrstunde sind ihm ein Gräuel, und er hadert damit, dass es jetzt vielleicht auch noch den Schnupfern an den Kragen geht. Mit Leben und leben lassen, mit Freiheit gar, habe das alles für den Gastwirt nichts zu tun.

