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Dienstag, 16. Januar 2018 6

Kultur

Aus der Show wird bissiger Ernst

Zum Auftakt der Konrad-Max-Kunz-Tage zeigte das SADTheater die Komödie „Vorhang! Bitte verlassen Sie die Bühne!“
Von Renate Ahrens

  • Charles (Sebastian Wagner) und Rupert (Michael Sandner) geraten in Streit, ihre Frauen beobachten die Szene aus dem Hintergrund. Fotos: tre
  • Großes Lob und Blumen erhielt das gesamte Ensemble von Bürgermeisterin Martina Englhard-Kopf.
  • Charles versteckt sich vor Rupert im Koffer. Foto: tre
  • Ob Rupert und Sarah wohl zueinanderfinden? Foto: tre
  • Schwiegermutter Dorothy (Margit Berkmann) diskutiert mit Madge (Ilona Glück). Foto: tre
  • Regisseurin Christina Fink-Rester Foto: tre
Souffleur Jeffrey (Andreas Karl) versucht noch die Aufführung zu retten, doch vergeblich. Foto: tre

Schwandorf.Mitten in der Vorstellung, mitten auf offener Bühne passiert es: Einer der Schauspieler fällt aus der Rolle, vor dem Publikum im ausverkauften Sperlstadel in Fronberg. Das gesamte Theaterensemble gerät an den Rand der Verzweiflung. Was sollen sie tun – das Stück abbrechen? Weiterspielen? Hektisch versucht der Souffleur noch zu retten, was zu retten ist – vergeblich.

Sogar eine Krankenschwester muss gerufen werden. Der Rachefeldzug eines gehörnten Gatten ist nicht mehr aufzuhalten, dabei hat er sich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht. Dieser Alptraum eines jeden Regisseurs ist bei der Theaterpremiere von „Vorhang! Bitte verlassen Sie die Bühne!“ von John Chapman tatsächlich passiert – doch zum Glück nur gespielt. Ein „Stück im Stück“ führte das achtköpfige Ensemble des SADTheaters der Konrad-Max-Kunz-Fördervereinigung unter der künstlerischen Leitung von Christina Fink-Rester dieses Mal auf.

Von Anfang an mitgerissen

Gar mit Mord droht Rupert – aus Liebe, Hass oder Eifersucht? Foto: tre

Die Premiere am Freitag war der gelungene Auftakt der Konrad-Max Kunz-Tage 2017. Das Publikum war von Anfang an mitgerissen und begeistert, schließlich ging es während der gesamten Aufführung spritzig und temporeich zu. Die Taktik der Regisseurin, nämlich das Stück passend zu den jeweiligen Schauspielern auszusuchen, ist aufgegangen. Präsenz und große Spielfreude zeigten alle acht Darsteller. Schließlich war das Stück alles andere als einfach zu spielen. „Diese Komödie ist sehr komplex und auch schwer zu inszenieren“, betonte Fink-Rester vor der Vorstellung. „Mit einem anderen Ensemble wäre das nicht möglich. Doch hier haben alle einen großen Anspruch an sich selbst und sind ehrgeizig.“

Der alkoholkranke, alternde Mime Edward (Dirk Dürholz) betritt die Bühne. Foto: tre

Das Lampenfieber war ihnen davor anzusehen, doch nach der langen Probenzeit auch große Vorfreude. Natürlich sei bei der Generalprobe einiges schiefgegangen, aber das sei jedes Mal so und bringe sogar Glück – sagt Ilona Glück, die Darstellerin der Madge, und lacht. Und tatsächlich war es dann so. Das Stück des englischen Autors handelt von professionellen Schauspielern, die eine harmlose Boulevardkomödie aufführen. Diese spielt im Garten eines englischen Landhauses. Rupert (Michael Sandner) und Sarah (Christina Kostka) haben Gäste, das Anwaltspaar Charles (Sebastian Wagner) und Madge (Ilona Glück). Doch Rupert und Sarah wollen sich scheiden lassen und sich dabei von ihren Freunden vertreten lassen. Mitten hinein platzt auch noch Schwiegermutter Dorothy (Margit Berkmann) und gibt ihren Senf dazu.

Plötzlich geschieht es: Die Szene bricht, die Schauspieler zetteln mitten in der Vorstellung einen Privatkrieg an. Aus Show wird bissiger Ernst. Rupert ist nämlich im richtigen Leben mit der Darstellerin der Madge verheiratet – und die betrügt ihn mit Charles. Mehrmals beschwören die Schauspieler ihre Kollegen, doch weiterzuspielen. „Wir brauchen die Gage!“, Sohn Kevin müsste sonst gar von der Privatschule genommen werden, sagen sie. Doch Rupert schreit mit Blick aufs Publikum als Rechtfertigung: „Das Theater ist doch selbst vollgestopft von oben bis unten mit abgestandenen Ehen.“

Souffleur Jeffrey (erstmals dabei: Andreas Karl) nutzt seine Chance auf eine kurze Präsentation seiner Schauspielkunst, denn auch er möchte gerne auf der Bühne stehen. „Die Darsteller passten wunderbar in ihre Rollen“, erklärte Susanne Lehnfeld, Leiterin des Kulturamtes am Ende. Denn dieses war nicht mehr aufzuhalten, ein Rosenkrieg bricht aus. Die Schauspieler meisterten grandios ihre Aufgabe, immer wieder zwischen ihren Rollen zu wechseln. „Der zweite Akt wird noch rasanter“, versprach Fink-Rester während der Pause. Tatsächlich: Die Lage spitzt sich zu, als der alternde Shakespeare-Mime Edward (Dirk Dürholz) auftaucht.

Kartenhaus bricht zusammen

Da muss sogar Krankenschwester Brown (Karin Mager, ebenfalls ein Neuzugang) kommen und den Puls messen. Ständig taucht sie auf, bis Rupert sie resolut von der Bühne weist. Federn von Dorothys Boa wirbeln herum, Schuhe fliegen und Tassen werden geworfen. Das Kartenhaus der Lebenslügen bricht zusammen. Viel zu lachen gab es aber auch – von Wortwitz, britisch-trockenem Humor, komischen Eifersuchtsszenen und sogar Liebeserklärungen war alles dabei. Die Schauspieler mussten tatsächlich alle Register ziehen. Jeder Charakter der gespielten Rolle war deutlich erkennbar. Der Anspruch des SAD-Theaters an sich selbst, nämlich das Publikum gut zu unterhalten, ist mehr als erfüllt worden. Für die gebeutelte Schauspieltruppe war das Stück allerdings ein Debakel – doch eben nur im „Stück im Stück“. Weitere Aufführungen am 5. und 6. Mai.

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