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Montag, 20. November 2017 5

Betreuung

„Es ist für uns alle ein Neuanfang“

Die ersten sechs „Eidexln“ sind im Burglengenfelder Waldkindergarten eingezogen. Das Angebot der Stadt ist fast ausgebucht.
Von André Baumgarten

  • Die ersten sechs Kinder beim sogenanntne Morgenkreis – nach der Eingewöhnung in den ersten Tagen starten die Kleinen bald in den Waldkindergarten-Alltag. Foto: Baumgarten
  • Wie im Regelkindergarten lernen die Kleinen auch auf dem Karlsberg, wie wichtig Händewaschen ist. Foto: Baumgarten
  • Auf einer Biotoilette mit stilechtem Holzhäuschen wird im Waldkindergarten die Notdurft verrichtet. Foto: Baumgarten

Burglengenfeld. Mit zwei Betreuern sitzen die sechs Kinder brav im sogenannten Morgenkreis, vor sich einige Zweige, Tannenzapfen und Blätter, die sie auf dem Weg zu ihrem Quartier auf dem Karlsberg gesammelt haben. Die sechs „Eidexln“, so heißt der neue Waldkindergarten in Burglengenfeld, tasten sich spielerisch an die neue Umgebung heran – und lernen zuerst, auf Mama und Papa zu verzichten. Bei den einen funktioniert das ohne Probleme; bei anderen dauert die „Entwöhnung“ etwas länger.

„Wir nehmen da Rücksicht auf die Kinder“, erklärt Julia Heller, „das ist normal – jedes Kind ist eben anders.“ Die 24-Jährige ist die Leiterin des neuen Waldkindergartens, der auf Antrag von Michael Schaller und Christoph Schwarz (CSU) eingerichtet wurde. In den ersten zwei Tagen war Eingewöhnung: Die Eltern blieben die zwei bis drei Stunden immer dabei; an Tag drei ließen sie die Kleinen für eine Stunde allein, am Dienstag verabschiedeten sie sich schon am Hol- und Bringplatz oder spätestens am Basisplatz. Seit Donnerstag lief regulärer Alltag – mit der Betreuung von 7.30 bis 14 Uhr.

Ab Montag sind es zwölf Kinder

Ab Montag sind die nächsten sechs Waldkinder dabei. „So lernen wir uns langsam kennen, sie können Vertrauen fassen und sicher werden“, erläutert Heller. Die gebürtige Burglengenfelderin hat Erziehungswissenschaften studiert und dazu ein Schwerpunktseminar für Naturpädagogik besucht. „Weil ich auch gern draußen bin und es schön ist, Kindern die Natur näher zu bringen.“ Alle Baum- und Käferarten kennt sie zwar auch nicht – „das kann und soll man mit den Kindern entdecken“.

Julia Heller (24) ist die Leiterin des neuen Waldkindergartens und eine gebürtige Burglengenfelderin. Foto: Baumgarten

Natürlich gebe es im Waldkindergarten auch ganz normale Spielsachen wie Bauklötze und ganz viel Lesematerial. Der Tag läuft wie im Regelkindergarten mit festen Strukturen: Vom Hol- und Bringplatz laufen sie zusammen auf den Karlsberg, wo nach dem Morgenkreis eine Brotzeit gemacht wird; danach stehen Spiele und Bildungsangebote – wie im Gesetz geregelt – auf dem Programm. „Wir machen es nur etwas anders, mit Naturmaterialien“, betont die 24-Jährige. Nach dem Mittagessen, das aus dem BRK-Seniorenheim geliefert wird, ist aufräumen angesagt, ehe es wieder nach Hause geht. „Man nimmt die Welt selbst wieder anders wahr, wen man sie durch die Augen unserer Kinder sieht“, sagt Julia Heller überzeugt.

BRK-Kreisgeschäftsführer Alfred Braun (vorn links) hatte frische Äpfel dabei; mit im Bild: Bürgermeister Thomas Gesche, Diplom-Ingenieur Bernhard Gohlke, Stadtbaumeister Franz Haneder und Bauhof-Team (hinten, von rechts). Foto: Baumgarten

„Respekt für diese Leistung, Respekt für Burglengenfeld“, lobte BRK-Kreisgeschäftsführer Alfred Braun bei seinem Besuch am Mittwoch. Die Unterstützung und Begeisterung, mit der vor allem der Bauhof, aber auch die Verwaltung sowie Bürgermeister Thomas Gesche die Einrichtung unterstützt hatten, hob Braun hervor. Das Stadtoberhaupt räumte anfängliche Skepsis ein; die Besuche ähnlicher Einrichtungen aber hätten ihn überzeugt. „Ich bin begeistert, dass es so gut angenommen wird.“ Burglengenfeld habe „den richtigen Akzent gesetzt und das Betreuungsangebot in die richtige Richtung entwickelt“. Mit dem BRK wurde „an einem Strang gezogen und etwas ganz Tolles auf die Beine gestellt“, sagte Gesche. Allergrößtes Lob gelte, das sagten die Vertreter unisono, dem Bauhof, der mit Begeisterung bei der Sache war.

Aktuell ist nur noch ein Platz frei

Die Anmeldezahlen sprechen laut Josef Schmid, Leiter der BRK-Kindertagesstätten im Landkreis, für sich: In drei Monaten seien die 20 Plätze bis auf einen belegt. In den ersten Tagen habe er nur positive Rückmeldungen erhalten. Die Eltern wüssten, dass „das Projekt noch wachsen und sich entwickeln muss“. Die Erhöhung auf 25 Plätze sei dann geplant. „Und das gibt der Platz her.“ Julia Heller sagt: „Es ist für uns alle ein Neuanfang.“

Viel Lob gab es für das Team des städtischen Bauhofs, der „mit Begeisterung bei der Sache war“. Foto: Baumgarten

Wie für Andreas Freundl aus Burglengenfeld. Seine Tochter Laura ist eine der ersten im Waldkindergarten. Er habe sich bewusst für das Angebot entschieden –und weil seine fast drei Jahre alte Tochter „gern draußen ist“, sagt er. „Käfer, Steine, Äste finden bei ihr große Aufmerksamkeit.“ Das sehr schüchterne Mädchen sei hier gut aufgehoben – die Erwartungen zudem weit übertroffen: Seine Tochter habe sich langsam eingewöhnen können. Schon am zweiten Tag blieben Schnuller und Puppe daheim. „Die anderen Kinder hatten das nicht“, erzählt er stolz, „das hat sie gesehen und es gleich umgesetzt.“

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Bauhof leistete ganze arbeit

  • Ausstattung:

    Wie Architekt Bernhard Gohlke erläuterte, „ist das Elementarste vorhanden“ – Biotoilette, Gebäude mit Aufenthalts- und Lagerraum sowie ein Freisitz. Den planten und bauten die Mitarbeiter des Bauhofs in Eigenregie. In Kürze folgen Heizung, ein Tipi und die Nestschaukel. Alles weitere – „denkbar sind Matschplatz, eine Feuerstelle und Erlebnispfade – sollen der Fantasie der Kinder entspringen. „So was muss immer aus Initiative heraus wachsen.“

  • Vorbereitungen:

    Der Weg zum Basisplatz war im Vorfeld nochmals befestigt, am Hol- und Bringplatz hinter dem Gewerbegebiet „Altes Wasserwerk“ in Burglengenfeld eine Holzhütte mit Sitzgelegenheiten für die Kinder und Materiallager gebaut worden. „Das hat alles der Bauhof vorbereitet“, sagte Stadtbaumeister Franz Haneder. Zudem gibt es an dieser Stelle auch Parkplätze für die Eltern. „Den Rest dürfen sich die Kleinen selbst erschließen.“ (ba)

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