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Montag, 11. Dezember 2017 10

Fußball

Bayernfans hoffen auf Trotzreaktion

Der Rekordmeister reiste unter unguten Vorzeichen nach Barcelona. Anhänger aus der Region Nittenau sind dennoch optimistisch.
Von Thomas Rieke

  • Die „Hirschberg-Bazis“ Taxöldern scheuen keinen Aufwand: 2010 reisten sie nach Madrid, um ihren FC Bayern im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand anzufeuern. Geholfen hat es damals wenig.Foto: Rauch
  • Stefan Hrabak (links), Kopf des FC-Bayern-Fanclubs Nittenau, wäre zu gerne nach Barcelona geflogen, doch die Pflicht hielt ihn zurück. Rechts neben ihm Bürgermeister Meierhofer. Er hofft im Hinspiel des CL-Halbfinales auf ein 1:1. Foto: Birner
  • Nemjamin Boml, Stadtrat der Freien Wähler Nittenau, beim „Finale dahoam“, das die Bayern unglücklich verloren.

Nittenau.„FC Bayern, Stern des Südens, du wirst niemals untergehn....“ Dieser Song, die Hymne des deutschen Fußballrekordmeisters, ertönt jedes Mal und sehr penetrant, wenn man versucht, Stefan Hrabak, den Vorsitzenden des FC-Bayern-Fanclubs Nittenau, am Handy zu erreichen. Am Dienstag war das nahezu unmöglich, denn Hrabak hat einen neuen Job und ist in demselben zu beschäftigt, als dass er sich Ablenkung erlauben wollte. Die Arbeit geht vor. Für sie hat Hrabak sogar den Traum platzen lassen, nach Barcelona zu fliegen, um am Mittwoch zusammen mit Freunden seinem geliebten FCB im „Spiel des Jahres“ persönlich den Rücken zu stärken.

Im Halbfinale der Champions League steht das Team von Pep Guardiola gegen Messi, Iniesta und Neymar vor einer gewaltigen Herausforderung. Hätte man vor einem Vierteljahr vielleicht noch gesagt, die Bayern bräuchten in ihrer damaligen Form niemanden zu fürchten und seien durchaus in der Lage, ihre grandiosen Erfolge gegen „Barca“ von 2013 (4:0 und 3:0) zu wiederholen, so hat eine unheimliche Serie von Verletzungen den Rhythmus der Mannschaft dann doch empfindlich gestört.

Der einst bärenstarke Kader des FCB, mit dem jede Position zweimal gleichwertig besetzt zu sein schien, ist schmerzhaft dezimiert; einige verletzte Leistungsträger haben sich zwar zurückgemeldet, dürften aber weit von ihrer Bestform entfernt sein. Dazu dieser Nackenschlag durch das Elfmeter-Desaster im DFB-Pokal ausgerechnet gegen Dortmund... Das alles lässt Fragen aufkommen: Sind die Bayern angeknockt? Kommt das Aufeinandertreffen mit Barcelona zur Unzeit? Laufen Guardiola und seine Jungs Gefahr, eine an sich meisterliche Saison (immerhin ist es erneut gelungen ist, den Titel in der Bundesliga frühzeitig zu verteidigen) mit einer großen Enttäuschung zu beenden?

Eingefleischte Bayern-Anhänger schütteln angesichts solcher Gedanken den Kopf. Denn sie lassen sich so schnell nicht erschüttern. Stefan Rauch, Vorsitzender des rund 400 Mitglieder zählenden Fanclubs „Hirschberg-Bazis“ Taxöldern, ist überzeugt, dass die Moral der „Roten“ ungebrochen ist. „Jeder, der einmal selbst Fußball gespielt hat, weiß, wie heiß man auf besondere Aufgaben ist“, sagt der 43-Jährige, der einst für die SpVgg Ramspau dem runden Leder hinterhergejagt ist. Und die Partien gegen Barca, die im Erfolgsfall den Einzug ins Finale bedeuten, seien genau die Highlights, auf die ein Topclub wie der FCB das ganze Jahr über hinarbeite.

Auch ohne die Tempodribbler Robben und Ribéry, ohne dessen kongenialen Partner David Alaba, ohne Dauerpechvogel Holger Badstuber und ohne Sebastian Rode kann der FC Bayern im legendären Camp Nou eine Truppe aufs Feld schicken, die zu Außergewöhnlichem fähig ist, sagt Rauch. Schweinsteiger, Thiago, Müller, eventuell auch Martinez wieder von Beginn an...“, das stimmt ihn zuversichtlich. Der Hirschberg-Bazi wünschte sich taktisch eine defensive Ausrichtung mit Extra-Bewachung für Messi – dann sollte mindestens ein Unentschieden möglich sein, eine ideale Basis, um im Rückspiel, am 12. Mai in München, „den Sack zuzumachen“. Dann werden Rauch und seine Kameraden in der Allianz Arena wie ein Mann hinter ihrem Team stehen, um zusammen mit 66000 Zuschauern eine magische Nacht zu erleben, die ein Fußballfan nie vergisst.

So wie vor wenigen Wochen, als die Bayern den FC Porto mit 6:1 deklassierten und damit erstmals in ihrer CL-Historie einen 0:2-Rückstand wettmachten. „Dabei haben auch Ribéry und Robben gefehlt“, erinnert Albert Meierhofer. Nittenaus 2. Bürgermeister ist quasi seit seiner Geburt glühender Bayern-Anhänger und vertraut darauf, dass die „Roten“ gerade aus Misserfolgen vergangener Tage, wie etwa dem 0:4 zu Hause vor genau einem Jahr gegen Real Madrid, zusätzliche Kraft schöpfen und eine Trotzreaktion zeigen. „Die Bayern sind gewappnet und haben sich fest vorgenommen, ein Scheitern wie 2014 zu verhindern.“ Meierhofer tippt nicht gerne, wünscht sich aber in Barcelona ein 1:1. Nächste Woche seien die Köpfe dann wieder freier, ein glorreicher Sieg wäre – mit einem weiter genesenen „Maskenmann“ Lewandowski im Sturm – durchaus realistisch.

Gar kein Ergebnis vorhersagen will Benjamin Boml, „weil meistens liege ich eh daneben“. Der Stadtrat der Freien Wähler gehört zwar nicht dem FC-Bayern-Fanclub Nittenau an, ist aber direkt Mitglied im Verein des Rekordmeisters. Das Verletzungspech der letzten Monate gibt Boml mehr zu denken als ihm lieb ist. Es hat zu einem „unguten“ Bauchgefühl geführt, gegen das es keine Medizin gibt. Fußballfans sind ja häufig etwas abergläubisch. Zur Genesung beitragen könnte freilich ein anständiges Resultat am Mittwoch im Camp Nou.

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