mz_logo

Gemeinden
Mittwoch, 22. November 2017 3

Heimatkunde

Im „Steigerhaus“ war auch eine Schänke

Das Gebäude ist heute das älteste in ganz Erzhäuser. Wilhelm Reinstein besorgte dort zwischen 1776 und 1780 den Ausschank.
Von Randolf Alesch

Das „Steigerhaus“ in Erzhäuser, bereits im Jahre 1700 errichtet und 1764 mit einer Bergschänke neu gebaut, steht immer noch und dient nach mehreren Renovierungen nun als Mietshaus. Fotos: Alesch

Bodenwöhr.In unserem heutigen Rückblick auf die Dorfgeschichte von Erzhäuser/Windmais geht es um das sogenannte Steigerhaus, das erstmalig um 1700 für den „Steiger“ (Oberaufseher und Fachkundiger im Bergbau mit Kenntnissen der Geologie und Mineralogie) errichtet wurde.

Eisenerz spielte bei der Entstehung von Erzhäuser bekanntlich eine enorm wichtige Rolle. 1685 fand man in der Umgebung von Windmais und Buch Eisenerz. Hammermeister Johann Schreyer erhielt damals die Schürfrechte. Daraufhin kaufte das Kurfürstliche Baudirektorium das Bodenwöhrer Hammerwerk und baute es zu einem Schmelzwerk aus.

180: 17 Häuser, 188 Einwohner

Ende des 17. Jahrhunderts eröffnete das Bergamt Bodenwöhr bei Buch ein Eisenbergwerk. Von den ersten Bergleuten, die zum Teil aus Böhmen und Tirol zuwanderten, hatten einige eigene Häuschen im damaligen Weiler „Puch“ (Buch), andere wohnten in den umliegenden Dörfern. Damit sie nicht so viele Unbequemlichkeiten mit dem weiten Weg zur Arbeitsstätte und durch Trennung von ihren Familien hatten, wurde ihnen Anfang des 18. Jahrhunderts höchsten Orts bewilligt, dass sie sich mit Zustimmung der Grundherrschaft, nämlich des Klosters Walderbach, unmittelbar bei den Bergschächten, im sogenannten „Schöppl“ nach und nach „Trüpff“- oder „Tagwerkhäuslein“ bauen durften. Die daraufhin errichteten Häuser wurden erstmalig 1705 in den Pentinger Pfarrbüchern als „Aerzthäuser“, aus denen später die heutige Ortschaft Erzhäuser entstand, bezeichnet.

1720 waren es schon sechs „Erzgraberhäuser“. 1767 war die Zahl auf 16 Tagwerker-Häuser angewachsen und 1830 bestand die Siedlung aus 17 Häuser mit 188 Einwohnern. Für den notwendigen Lebensunterhalt waren den Bergleuten auch kleine Grundstücke zur Viehhaltung zugewiesen worden, die von den Bergleuten jedoch im Laufe der Zeit zu stark erweitert wurden, weshalb es wiederholt zu Streitigkeiten wegen widerrechtlicher Ausdehnung ihrer Viehweiden auf Gründe der Gemeinde Pingarten und anderer Grundeigentümer kam.

Das Landgericht schaffte deshalb 1767 diese Hutweide und die zu große Viehhaltung der Bergleute ab, damit sie sich wieder mehr dem Bergbau als der Viehzucht widmeten. Sie durften nur noch eine Kuh halten. Der Einspruch der Erzhäuserer beim Appellationsgericht wurde abgewiesen.

Das älteste, heute noch existierende Gebäude ist das „Steigerhaus“ oder „Zechenhaus“, das, wie bereits erwähnt, um 1700 für den „Steiger“ gebaut, später abgerissen und 1764 anstelle des Vorgängerbaus neu errichtet wurde, wobei dann auch die Bergschänke mit untergebracht wurde, die zur damaligen Zeit in den Anfangsjahren regelmäßig vom zuständigen Steiger mitbetrieben wurde.

Den Geschichtsbüchern ist zu entnehmen, dass von 1776 bis 1780 der Steiger Wilhelm Reinstein den Bierausschank im Zechenhaus besorgte. Nach dem Tode des Grubenvorstehers (Steiger) Georg Hautmann im Jahre 1857 wurde die Bergschänke dann aber infolge hoher Entschließung, also durch obersten Beschluss oder Bescheid der kurfürstlichen Kammer, ab dem 18.12.1857 auf die Dauer von zwei Jahren an dessen Witwe Ursula Hautmann für einen jährlichen Zins von 5 Gulden in Pacht gegeben.

Schänke wurde 1876 aufgegeben

Von 1861 bis 1865 war die Bergschänke dann an Wolfgang Löbler, bei dem es sich um den Stiefvater von Josef Pöll gehandelt hat, verpachtet. Die Bergschänke wurde im Jahr 1876 dann aber aufgegeben, da ab diesem Zeitpunkt der bereits erwähnte Josef Pöll aus Erzhäuser ein öffentliches Wirtshaus im Haus Nr. 2 betrieb und der Erzabbau deutlich rückläufig war. Nachdem beim Hochofenbetrieb in Bodenwöhr ab dem Jahre 1876 fast nur noch Amberger Erze zur Verwendung kamen und die Erzvorräte in der Umgebung zu Neige gingen, hatte der Bergbau in der näheren Umgebung an Bedeutung verloren. Am 31.12.1877 erfolgte die offizielle Einstellung des Grubenbetriebs.

Zum Hintergrund der Serie: Im Rahmen der Dorferneuerung und Flurneuordnung in Windmais wurde angeregt, ein historisches Heimatbuch über die ehemalige Gemeinde Erzhäuser zu erstellen. Vor über zwei Jahren wurden Franz Rösch aus Erzhäuser, Johann Rösch und Altbürgermeister Albert Bauer, beide aus Windmais, als Verantwortliche zur Erstellung der Dorfchronik gewählt.

Seitdem sind die Genannten emsig auf der Suche und haben bereits zahlreiche neue „alte“ Fotos und Geschichten aus der Vergangenheit sammeln und niederschreiben können. Zwischenzeitlich sind mit MZ-Mitarbeiter Randolf Alesch aus Erzhäuser und Harald Bauer aus Windmais zwei weitere Geschichtsschreiber hinzugekommen. (tal)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht