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Mittwoch, 29. Juni 2016 24° 2

Lesung

Betroffenheit war geradezu spürbar

Autorin Esther Dischereit war mit „Blumen für Otello“ zu Gast in Burglengenfeld. Die Verbrechen des NSU sind ihr Thema.
Von Josef Schaller

Esther Dischereit aus Berlin war am Dienstag im Bürgertreff zu Gast.

Burglengenfeld. Man konnte die persönliche Betroffenheit eines jeden einzelnen Zuhörers geradezu spüren und sehen, als die bekannte Autorin und Lyrikerin Esther Dischereit aus Berlin am Dienstagabend im Burglengenfelder Bürgertreff aus ihrem Buch „Blumen für Otello“ vorlas. In diesem Werk beschreibt die Schriftstellerin in Klageliedern, was die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) bei uns angerichtet haben.

Ein Jahr lang hatte Esther Dischereit als Beobachterin den Untersuchungsausschuss besucht und sich auch die zahlreichen Tatorte angesehen, bevor sie mit dem Schreiben begann. Nach der Fülle an Details, die ihr während dieses einen Jahres zu Ohren gekommen waren sowie deren juristische Bewertung musste sie erst wieder zu ihrer eigenen Sprache zurückkommen, wie sie deutlich anmerkte.

Sie wollte etwas sagen, was Parlamentarier und Journalisten nicht sagen können. Sie wollte sich nicht den Tätern, sondern den Opfern zuwenden. Dabei gibt sie in ihren Darstellungen, die einerseits Dokumentarisches aufzeigen und gleichzeitig Fiktionales zulassen, jeder betroffenen Familie ausreichend Raum, so dass beim Lesen oder Zuhören zwangsläufig ein spontanes Mitgefühl entstehen kann.

Das Buch „Blume für Otello“ ist auch in türkischer Sprache übersetzt und verfasst worden – als Symbol der Wertschätzung der Hinterbliebenen und der türkischen Bevölkerung, wie die Autorin anmerkte. Und jede von den drastischen Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds betroffene Familie habe von ihr ein kostenloses Exemplar des Buches erhalten.

Als NSU-Morde wird eine deutschlandweite Serie von Tötungsdelikten an Personen mit Migrationshintergrund bezeichnet. Elf Jahre nach dem mutmaßlich ersten Mord hatte am 6. Mai 2013 der Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier weiteren Angeklagten begonnen. Es ist ein bis heute andauernder Mammutprozess, dessen Ende bislang nicht absehbar ist.

Zu beklagen sind nicht nur die Taten und das damit verbundene Leid für die Angehörigen, sondern auch offensichtlich zahlreiche Ermittlungspannen. In Summe wurden für das Verfahren 2400 Ordner Aktenmaterial zusammengetragen. Diese wurden von den Ermittlungsbehörden in jahrelanger Arbeit erfasst. Der interessante wie informative Leseabend mit Eshter Dischereit war eine Veranstaltung des Vereins „Kultur und Mehr im Städtedreieck“ in direkter Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung.

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