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Montag, 19. Februar 2018 5

Polizei

Ein Baum bremste den „Alex“ aus

Unwetter hielt Einsatzkräfte in Burglengenfeld, Teublitz und Maxhütte-Haidhof auf Trab. Bahnstrecke war unterbrochen.
Von André Baumgarten, Roland Thäder und Reinhold Willfurth

  • Die Einsatzkräfte im Städtedreieck hatten am Sonntagabend alle Hände voll zu tun. Zahlreiche Bäume sind auf Straßen gefallen und hatten auch die Bahnstrecke Regensburg – Schwandorf unterbrochen. Foto: Baumgarten
  • Ehrenamtliche Helfer des BRK betreuten und registrierten die Bahnkunden, bis sie weiterbefördert wurden. Foto: ba
  • Rund 100 ehrenamtliche Helfer von Feuerwehren, BRK und Johannitern waren allein bei Leonberg im Einsatz. Foto: ba
  • Bei Leonberg musste einige Fahrgäste im Freien auf die Weiterfahrt warten. Foto: ba
  • Die Ehrenamtlichen mehrerer Unterstützungsgruppen des BRK waren vor Ort. Foto: ba

Burglengenfeld.Während das Unwetter mit Hagel, Sturm und viel Regen im Großteil des Landkreises Schwandorf glimpflich abgelaufen ist, gab es in Burglengenfeld, Teublitz und insbesondere in Maxhütte-Haidhof am späten Sonntagabend einige Einsätze für Polizei, fast alle Feuerwehren im Städtedreieck, das Technische Hilfswerk, zahlreiche BRK-Bereitschaften und die Johanniter. Dies bestätigt Markus Schmitt, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Burglengenfeld, auf Nachfrage unserer Zeitung. Zahlreiche Kräfte waren bei der Absicherung eines schwerbeschädigten Hauses in Deglhof und an der Bahnstrecke bei Leonberg gebunden, wo ein Zug in einen quer über die Schienen liegenden Baum gefahren war.

Los ging es für die Einsatzkräfte um 21.33 Uhr in Koppenlohe: In dem Maxhütter Ortsteil fielen zwei Bäume auf die Fahrbahn und mussten weggeräumt werden. Um 22.10 Uhr fiel in der Regensburger Straße in Burglengenfeld ebenfalls ein Baum auf die Straße. Nur acht Minuten später meldeten einige Teublitzer Bürger die ersten Stromausfälle. Um 22.24 Uhr erreichte die Polizei zudem die Nachricht, dass der Sturm in einer Wohnsiedlung in Maxhütte-Deglhof ein Dach teilweise abgedeckt hat. Auf dem Fußballplatz des FC Maxhütte-Haidhof flog zudem das Blechdach der Zuschauertribüne davon.

Das Unwetter hat in ganz Süddeutschland gewütet und drei Todesopfer gefordert. Eine Zusammenfassung lesen Sie hier!

Auf dem Fußballplatz des FC Maxhütte-Haidhof flogen Teile des Blechdaches der Zuschauertribüne teils Hunderte Meter weit.

Um 23.31 schließlich flog in der Maxhütter Bahnhofstraße ein Gegenstand in ein Schaufenster und hinterließ einen Scherbenhaufen. Verletzte gab es keine zu beklagen. Über einigen Stunden ging außerdem auf der Bahnstrecke Regensburg – Schwandorf nicht mehr – mehrere Bäume waren auf die Gleise gefallen. Mehr als 150 Fahrgäste mussten bei Leonberg von den Feuerwehren Ponholz und Teublitz evakuiert und von eigens alarmierten Hilfskräften des BRK und der Johanniter vor Ort betreut werden. Rund 100 Einsatzkräfte, darunter Leitender Notarzt Dr. Wolfgang Schreiber, Notarzt Phillip Wolf, der Organisationsleiter Rettungsdienst des BRK, Sebastian Horny, sowie ein Notfallmanager der Deutschen Bahn waren bis Montagmorgen, gegen 1 Uhr, im Einsatz.

Ein erstes Video vom Einsatz der Retter in Maxhütte-Leonberg sehen Sie auf der Facebook-Seite der MZ Schwandorf:

Eine fünfköpfige Familie im Maxhütter Ortsteil Deglhof hat es besonders schwer getroffen. Fast die Hälfte des Daches des rund zehn Jahre alten Einfamilienhauses wurde kurz vor 21.30 Uhr weggerissen, während die Familie im Haus war. Wie durch ein Wunder gab es hier keine Verletzten. Die Mutter und zwei der Kinder wurden jedoch zur Behandlung vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Nach ersten Schätzungen entstanden allein an diesem Haus mehrere Hunderttausend Euro Schaden. In der Nacht sicherten zahllose Helfer des THW Schwandorf und der Feuerwehr das Gebäude und beseitigten die riesigen Dachtrümmer, die teils bis zu 25 Meter weit flogen.

Der Sturm hatte am Sonntag im gesamten Landkreis mehrere Bäume gefällt. Foto: ba

Auch das Stadtgebiet von Teublitz blieb vom Unwetter am Sonntagabend nicht verschont. Insbesondere die Anlage des Heimat- und Volkstrachtenverein mit dem Vereinsheim „Alm“ und der Stadtpark wurden hier in Mitleidenschaft gezogen. Glücklicherweise gab es am Dach des Vereinsheim nur einen mittleren Schaden, am Gelände selbst wurden drei überaus starke Bäume durch den Sturm gefällt und die gesamte Anlage durch Äste und Zweige verwüstet. Auch im Stadtpark mussten die Arbeiter des Bauhofes am Montag unzählige Äste und Zweige entfernen. Die Schausteller des am Sonntagabend zu Ende gegangenen Volksfestes mussten den Stadtpark verlassen – eine Vorsichtsmaßnahme, da eventuell umstürzende Bäume Sach- oder Personenschaden hätten verursachen können. Die Schausteller verbrachten die Zeit im Restaurant „Keskins“.

„Der Sturm hat uns zu schaffen gemacht“, sagte Kreisbrandrat Robert Heinfling am Montagmorgen auf eine Nachfrage der MZ. Zu rund 40 Einsätzen seien die Feuerwehrleute aus dem Landkreis am Sonntagabend ausrücken. Brennpunkt war laut Heinfling dabei das Städtedreieck, wo der Gewittersturm nach seinen Worten mindestens zehn Dächer abdeckte.

Baum fällt auf „Alex“-Fernzug

Gefordert seien die Wehren auch auf der Bahnstrecke Regensburg-Hof gewesen. Dort hatte ein umgestürzter Baum den „Alex“-Fernzug München-Hof mit 151 Passagieren an Bord gestoppt. Die Lok habe den aufs Gleis gestürzten Baum ein Stück mitgeschleift. Nach dem Nothalt auf freier Strecke sei ein weiterer Baum auf den Zug gestürzt. Die Passagiere wurden in einem nahe gelegenen Bauernhof untergebracht.

Per Bus wurden die ersten Bahnkunden nach etwas mehr als einer Stunde weiterbefördert. Foto: ba

Die Bahn habe die Fahrgäste dann „zügig“, so Heinfling, mit Bussen weitertransportiert. Personenschäden habe es „Gottseidank“ keine gegeben. Trotz Starkregens sei es auch kaum zu Wasserschäden gekommen. Am Montagmorgen hätten die Wehrleute dann noch einmal ausrücken müssen: Bei Burglengenfeld habe man ein abgehobenes Blechdach sichern müssen.

Auch das Technische Hilfswerk (THW) war am Sonntagabend mit 30 Mann im Landkreissüden im Einsatz. „Hauptaufgabe war die Sicherung des einsturzgefährdeten Hauses in Deglhof bei Maxhütte-Haidhof“, sagte Martin Liebl, Ortsbeauftragter des THW Schwandorf. Die THW-Kameraden hätten den Kamin umlegen und die Reste des herabgefallenen Dachs von der Straße räumen müssen. Die Bewohner, eine fünfköpfige Familie, seien evakuiert worden. Das Urteil der THW-Techniker über das Haus: „Nicht mehr bewohnbar“.

Kreis-Einsatzzentrale entlastet ILS

Um die Integrierte Leitstelle (ILS) in Amberg zu entlasten, wurde im Schwandorfer Landratsamt die Kreis-Einsatzzentrale aktiviert, besetzt mit Feuerwehrleuten. Dort wurden laut ILS-Leiter Armin Buchwald die „zeitunkritischen“, also weniger dringlichen Einsätze, abgearbeitet. In der ILS wurde nach einer Unwetterwwarnung durch den Deutschen Wetterdienstes das Personal aufgestockt. Insgesamt 65 Einsätze koordinierte die Leitstelle am Sonntagabend. Außer im Städtedreieck verzeichnete die Leitstelle „nichts Herausragendes“, so Buchwald. Lediglich im Vilstal seien umgefallene Bäume zu beseitigen gewesen.

Ein Notfallmanager der Deutschen Bahn koordinierte die Hilfe gemeinsam mit der Feuerwehr. Foto: ba

Während die Einsatzkräfte im Städtedreieck gut beschäftigt waren, gingen die Einsätze im restlichen restlichen Landkreis gegen Null. Laut dem Schwandorfer Stadtbrandinspektor Helmut Mösbauer rückten lediglich die Stadtteilfeuerwehren aus Göggelbach, Neukirchen und Bubach aus, um auf Straßen in Richtung Amberg umgestürzte Bäume zu beseitigen. Kein einziger Einsatz sei in der Kreisstadt zu verzeichnen gewesen. Auch im Norden und Osten des Landkreises blieb es ruhig – zum Beispiel in Nittenau und Bruck: „Nicht einmal ein Grashalm“ sei umgeknickt, verlautete von der dortigen Feuerwehr.

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Unwetter wütet im Kreis Schwandorf

Aktuelle Nachrichten aus dem Kreis Schwandorf lesen Sie hier.

Tornado

  • Entstehung:

    Ein Tornado, auch Großtrombe, Wind- oder Wasserhose, ist ein kleinräumiger Luftwirbel in der Erdatmosphäre, der eine annähernd senkrechte Drehachse aufweist. Der Wirbel erstreckt sich vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze. Im Anfangsstadium ist ein Tornado fast unsichtbar. Erst wenn im Inneren durch Druckabfall und Abkühlung Wasserdampf kondensiert oder Staub oder Trümmer aufgewirbelt werden, tritt der Tornado optisch in Erscheinung.

  • Formen:

    Die Gestalt des Luftwirbels ist sehr vielfältig und reicht von dünnen schlauchartigen Formen bis zu einem mehr oder weniger breiten, sich nach oben erweiternden Trichter. Dabei kann der Durchmesser einige Meter bis hin zu 500 Meter und sogar bis über einen Kilometer betragen. Nicht selten treten – besonders bei großen Durchmessern – mehrere Wirbel auf, die um ein gemeinsames Zentrum kreisen, was als Multivortex-Tornado bezeichnet wird.

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