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Leidenschaft

Jagdsignale und höfische Musik

Die „Oberpfälzer Parforcehornbläser“ aus Burglengenfeld sind erfolgreich. Seit 1989 sind sie ein eigenständiger Musikverein.
Von Josef Schaller

  • Die „Oberpfälzer Parforcehornbläser“ in ihrer aktuellen Besetzung Foto: Archiv Parforcehornbläser
  • Die Parforcehornbläser bei einem gemeinsamen Konzert mit Prof. Josef Zilch (Mitte), Komponist, Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Bayerischen Verdienstkreuzes, in Ensdorf im Jahr 2011 Foto: Archiv Parforcehornbläser
  • Der Burglengenfelder Hubert Bäuml ist Vorsitzender und musikalischer Leiter der Oberpfälzer Parforcehornbläser Foto: bjs
  • 2004 veranstalteten die Oberpfälzer Parforcehornbläser ein Konzert im Schloss Nymphenburg Foto: Archiv Parforcehornbläser
  • Die Besetzung im Jahre 1991 Foto: Archiv Parforcehornbläser

Burglengenfeld.Die „Oberpfälzer Parforcehornbläser“ aus Burglengenfeld sind zehnfacher bayerischer Meister beim Bläserwettbewerb des Bayerischen Jagdverbandes. Ihre Konzerte führen sie durch ganz Bayern, Deutschland und auch ins europäische Ausland. Am 22. Oktober um 17 Uhr gestalten sie einen Fest- und Dankgottesdienst in der Pfarrkirche St. Vitus.

Ihre Intention ist die konzertante Interpretation historischer und zeitgenössischer Jagdmusik und jagdlicher Sakralmusik (unter anderem die Hubertusmesse), wie sie früher an den großen kaiserlichen, königlichen und fürstlichen Höfen von speziellen „ralleys trompes des chasse“ gepflegt worden waren. Ihr Repertoire umfasst Werke aus Frankreich, Deutschland, Böhmen und Österreich. Vorsitzender dieses Musikvereins ist der Burglengenfelder Hubert Bäuml. Die Mittel-bayerische Zeitung hat sich mit ihm und einem weiteren Mitglied der Gruppe, Dr. Reinhard Proske aus Wackersdorf, unterhalten.

Von der Musik ergriffen

Die „Oberpfälzer Parforcehornbläser“ gibt es bereits seit 1989. Vier Gründungsmitglieder von damals sind auch heute noch dabei. Das Ensemble ist mit hervorragenden Musikern besetzt, die vorher schon sehr erfolgreich in anderen Musikvereinen gewirkt haben. „Die Liebe und Leidenschaft zu dieser besonderen, rührigen, wohlig klingenden Musik“, wie Hubert Bäuml es ausdrückte, sei ihre Motivation. „Wenn man diese Musik hört, wird man ergriffen“, sagt Dr. Reinhard Proske, der seit 1993 für dieses kleine Orchester ins Horn bläst. Die Kontinuität, die gute Kameradschaft und Freundschaft habe sie über die Jahre so erfolgreich werden lassen, so der Vorsitzende.

Eigentlich hat alles schon in den 70er Jahren angefangen. Unter der Führung des damaligen Försters Michael Schultes aus Eichelhof hatten sich Jäger und Förster in Höchensee in der Gaststätte zusammengefunden, um Musik mit Jagdhörnern zu machen. Einige Jahre später hatte schließlich ein Burglengenfelder Lehrer namens Johann Teufel die Leitung dieser Bläsergruppe übernommen und Parforcehörner angeschafft. 1989 hat sich daraus ein eigenständiger Musikverein, die „Oberpfälzer Parforcehornbläser Burglengenfeld“, entwickelt.

Heute sind sie weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Konzertreisen nach Kalabrien (Cetrao), in die Toskana (Florenz, Livorno) und Einladungen von der bayerischen Landesvertretung nach Berlin und nach Brüssel sind unter anderem Ausdruck ihrer Beliebtheit und Beweis ihres Könnens.

Das Parforcehorn ist der Vorläufer des Waldhorns. Es wurde im späten 17. Jahrhundert in Frankreich entwickelt. Sein Einsatz diente ursprünglich vorrangig zum Blasen von Jagdsignalen. Im Zeitalter des Barock am Hofe Ludwig XV. in Versailles erreichte die Entwicklung des Horns seinen Höhepunkt. Es war Marquis de Dempierre als „Chevalier de Chasse et de Plaisiers“, der den Gebrauch des Musikinstruments bei den höfischen Hetzjagden vervollkommnete. Zugleich wurde das Parforcehorn unter anderem von Jean-Philippe Rameau, einem französischen Komponisten, bereits in der Orchestermusik eingesetzt.

Franz Anton Reichsgraf von Sporck (Verleger, Jäger) hatte schließlich das Jagdhorn à la Dampierre (und auch die Parforcejagd) aus Frankreich mit nach Böhmen gebracht. Durch seine Freundschaft mit dem Reichsgrafen hatte schließlich auch Johann Sebastian Bach das Parforcehorn kennen und schätzen gelernt und es in die deutsch-österreichisch-böhmische Musikszene eingeführt. Auch die berühmten Hornkonzerte von Mozart wurden unter anderem für dieses Naturhorn geschrieben.

Alle 16 Töne sind Naturtöne

Das Spielen dieses Naturhorns sei für jeden Bläser eine große Herausforderung, so der Burglengenfelder Hubert Bäuml. „Im Gegensatz zum Waldhorn besitzt das Parforcehorn keine Ventile. Alle 16 Töne sind Naturtöne und müssen durch entsprechenden Lippenansatz geformt werden.“

Seit Anfang 2015 treffen sich die „Oberpfälzer Parforcehornbläser“ jeden Dienstagabend im Bürgertreff zum Proben. Vorher war viele Jahre lang die ehemalige Gaststätte Rauch in Teublitz ihre musikalische Heimat.

Mit dem Fest- und Dankgottesdienst in der Pfarrkirche St. Vitus wollen sich die „Oberpfälzer Parforcehornbläser“ bei all ihren Fördermitgliedern, die sie seit Jahren treu unterstützen, bedanken und mit ihnen feiern. Nach dem Gottesdienst treffen sich Musiker und Freunde im Gasthof „Drei Kronen“ zu einem gemütlichen Beisammensein. Auch hier werden die Hörner noch einmal erklingen.

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Erfolge der Parforcehornbläser

  • Die Oberpfälzer Parforcehornbläser und ihre Erfolge:

    Bayerischer Meistertitel beim Bläserwettbewerb des bayerischen Jagdverbandes, der im zweijährigen Turnus stattfindet: 1990, 1992, 1996, 1998, 2004, 2006, 2008, 2012, 2014, 2016

  • Weitere Veranstaltungen:

    29. Oktober: Benefizkonzert in der Alten Kapelle, Regensburg; 22. November: Konzert für den „Münchner Kreis“, Residenz München; 27. November: Benefizkonzert für den Oberpfälzer Waldverein, Niedermünster Regensburg

  • Parforcehorn:

    Das Parforcehorn ist ein Naturhorn aus Messing und hat keine Ventile. In Frankreich finden fast ausschließlich solche „Trompe de Chasse“ genannten Hörner in der Tonart D-Dur Verwendung. Im deutschsprachigen Raum setzte sich die Tonart Es-Dur durch. (bjs)

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