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Berufswahl

Mode ist ihre „große, weite Welt“

Saskia Reggel aus Burglengenfeld besucht nach erfolgreicher Lehre als Kürschnerin nun eine Modeschule in Stuttgart.
Von André Baumgarten

In Stuttgart besucht Saskia Reggel seit September 2015 den Kolping-Berufskolleg für Design. Foto: privat

Burglengenfeld.Ihre große Begeisterung ist bei Saskia Reggel geradezu greifbar, wenn sie erzählt. „Ich finde es megainteressant, was die Leute tragen.“ Von „Looks der Leute auf der Straße“, auf Modezeitschriften oder im Internet sowie Blogs holt sich die 21-Jährige ihre Anregungen – „abgewandelt mit meinem eigenen Style“. Die angehende Modedesignerin legt viel Wert auf eigene Kreationen, die von Burglengenfeld aus vielleicht irgendwann auch die weite Welt erobern.

Die Zielstrebigkeit, mit der die junge Frau auf der Kolping-Modeschule in Stuttgart ans Werk geht, ist beeindruckend. Wenngleich die Trennung von der Familie in Burglengenfeld nicht leicht fällt. Vor drei Jahren erst sind sie nach Burglengenfeld gezogen. Schon während ihrer Lehre lebte die 21-Jährige weit weg von Mutter und Vater – damals in Rötz. Nach Quali und Mittlerer Reife an der Bischof-Manfred-Müller-Mittelschule in Regensburg hatte sich Saskia Reggel für Kürschnerin als Beruf entschieden.

Großes Ziel: „Irgendwas mit Mode“

Meist weniger als 20 junge Menschen deutschlandweit lernen die Verarbeitung von Pelz zu Bekleidung und Accessoires heute pro Jahr. Ein Grund, warum nur noch eine einzige Berufsschule in Fürth bei Nürnberg dieser Ausbildung in Blockunterricht anbietet. Auf den nicht alltäglichen Beruf kam Saskia Reggel durch ein Praktikum in der Schule. „Ich konnte da ganze eine Woche reinschnuppern und fand das richtig toll“, erinnert sie sich. Großes Ziel aber war „unbedingt irgendwas mit Mode zu machen“.

Schon als kleines Mädchen arbeitet sie begeistert mit der Nähmaschine; mit elf Jahren gab es die erste eigenen geschenkt. Taschen und kleine Stofftiere hat Reggel für sich selbst genäht. Später belegte sie Kurse, wie „ich nähe meine eigene Jeans“ und absolvierte zahllose Praktika in Schneidereien. Ihr großes Faible war: „Ich möchte Modedesignerin werden.“ Einen starken Bezug zur Praxis hatte die heute 21-Jährige aber schon immer.

Zwei große Auszeichnungen holte sich die junge Gesellin als Deutschlands Beste Kürschnerin. Foto: Rittelmann

Deshalb auch die Lehre als Kürschnerin, wie sie verrät. Der Familienbetrieb Leonhard Hofstetter Pelz & Design in Rötz stellte ihr sogar eine Wohnung vor Ort – Saskia Reggel war fünf Tage in Rötz und an den Wochenende in Burglengenfeld. Ohne die Unterstützung ihrer Familie wäre das niemals gegangen: „Meine Eltern haben mich da immer sehr unterstützt.“ Nicht zuletzt, weil Bezahlung wie in vielen Handwerksberufen nicht so gut ist. Doch davon hat sich die 21-Jährige nie abhalten lassen.

Fleischindustrie „viel grausamer“

Noch weniger von Kritikern: Mit Pelzen arbeiten, stieß nicht selten auf Widerstand. „Das muss nicht jeder mögen“, sagt die 21-Jährige, „das ist Geschmackssache.“ Und dennoch alles andere als Tierquälerei, wie sie immer mal wieder erklären musste. Die Fleischindustrie sei da ein weitaus grausameres Metier, findet sie. Ihr Gesellenstück aus Rotfuchs stamme von Tieren, die „wegen der Überpopulation und Tollwutgefahr“ in Deutschland geschossen werden. „Nur zehn Prozent davon werden verarbeitet.“ Kunstpelz werde dagegen aus Erdöl hergestellt, wofür Fische sterben.

Dafür arbeitet sie viel – die Erfahrungen aus der Kürschner-Lehre in Rötz helfen ihr nach eigenen Worten dabei. Foto: privat

Trotz der ¸Chance hat die junge Frau nicht von drei auf zwei Lehrjahre verkürzt – „sonst fehlt es einem an Praxiserfahrung“, erklärt sie. Und sie blieb nach der Lehre ein Jahr weiter im Betrieb. Der Lohn war eine Auszeichnung als Deutschlands beste Gesellin ihres Handwerks. Beim „Profis leisten was“-Wettbewerb siegte sie in einer vielseitigen Fertigungsprüfung. Und auch den Gestaltungswettbewerbs „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“ entschied Saskia Reggel für sich.

Nebenher die Fachhochschulreife

In zwei Jahren will die 21-Jährige ihren Abschluss als staatlich geprüfte Modedesignerin in der Tasche haben. Foto: Privat

Auf der Suche nach „der richtigen Modeschule“ suchte die 21-Jährige deutschlandweit und wurde in Stuttgart fündig – am Berufskolleg für Design. Bei ihrer Annahme dort spielten die bisherigen Erfolge ein nicht unwichtige Rolle. Im September hat Reggel das erste von drei Jahren absolviert, ehe sie als staatlich geprüfte Modedesignerin den Abschluss macht. Die Fachhochschulreife hat die zielstrebige junge Frau für nächstes Jahr als zusätzliches Ziel eingeplant.

Die Halbamerikanerin hofft in den USA auf einen Job – „das ist eine größere Plattform und ein Markt“ – und würde gern Pelz in ihrer Arbeit kombinieren.

„Weil deutsche Handwerker gefragt sind und das etwas Außergewöhnliches ist.“ Und ein ganz spezieles Segment schwebt ihr vor: Plus-Size, da ist viel Potenzial „und auch Bedarf bei Labels“. Ob als Angestellte oder selbstständig? „Da bin ich offen, erstmal zählt vor allem die Praxis.“

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Ausbildung und Erfolge

  • Ausbildung:

    Drei Jahre absolvierte Saskia Reggel nach der Schule ihre Ausbildung als Kürschnerin bei der Firma Leonhard Hofstetter Pelz & Design in Rötz. Sie arbeitete im Anschluss daran noch ein weiteres Jahr als Gesellin in dem Familienbetrieb.

  • Erfolge:

    Beim jährlichen Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks der deutschlandweit besten Gesellen wurde sie Bundessieger als Kürschnerin und holte ein Auszeichnung im Gestaltungswettbewerb „Die gute Form im Handwerk“.

  • Modeschule:

    Nach langer Suche entschied sich Reggel im September vergangenen Jahres für die Kolping-Modeschule in Stuttgart. Hier lernt sie viele Grundlagen – vom Rock über die Hosen bis zu Blus und Kleid. „Wir sind aber noch bei den Basics.“

  • Zukunft:

    Mode für junge, moderne Mädchen gibt es genügend – aber ein Konzept speziell für kleine und große Größen fehlt, meint Saskia Reggel. Das soll ein Wunschziel ihrer Arbeit werden – und „für Chanel zu arbeiten, wäre sehr cool.“ (ba)

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