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Mittwoch, 21. Februar 2018 2

Musikerziehung

Vom „Elefanten“ bis zum Feinschliff

Die Musikkapelle St. Vitus in Burglengenfeld bildet junge Leute bis zur Konzertreife aus. Die harte Arbeit zahlt sich aus.
Von Josef Schaller

In der Gruppe 1 wird in den Proben am letzten Feinschliff gearbeitet. Foto: bjs

Burglengenfeld.„Wir fangen mit dem Elefanten an! Stopp! Nochmal – jetzt ab Hase!“ Es ist kindgerechtes Lernen, was Musiklehrerin Sabine Scherer mit den Kleinsten der Musikkapelle St. Vitus, den „Vitus-Strolchen“, praktiziert. Für die Noten hat sie Tiernamen vergeben. „Die ,Bambini‘ tun sich so mit dem Notenlernen leichter“, sagt sie.

Im Vordergrund der rhythmisch-musikalischen Früherziehung steht die Förderung der musikalischen Begabung durch Bewegung, Musik und Sprache. In Kleingruppen werden spielerisch die Grundelemente der Musik vermittelt. Durch den Umgang mit dem gesamten Orff-Instrumentarium im ersten Jahr entwickeln die Kinder ein Gespür für die Musik. Im zweiten Jahr folgt dann der Unterricht an einer Blockflöte. Nach drei Jahren dürfen die Kinder in der Gruppe vier mitspielen. Dann werden sie von Marianne Zaindl an einem Blasinstrument ausgebildet, das sie frei wählen können.

„Früh übt sich ...“

„Früh übt sich, wer Meister werden will“, heißt ein bekanntes Sprichwort. Viele Mitglieder der Musikkapelle St. Vitus haben so angefangen und sind durch regelmäßiges, fleißiges und jahrelanges Üben zu echten Könnern geworden. Die hervorragende Ausbildung bei der Musikkapelle St. Vitus lässt sich auch an den vielen Erfolgen ablesen, die sie stolz auf ihrer Webseite präsentiert.

Marianne Zaindl leitet die Gruppen vier und drei. Sie hat es mit Kindern und Jugendlichen zu tun und braucht viel Fingerspitzengefühl. Foto: bjs

Als erste Blaskapelle durfte sie 1976 den Musikförderpreis der Oberpfalz in Empfang nehmen. Im selben Jahr standen die Musiker beim International-Youth-Festival in Harrogate (England) auf dem Siegertreppchen und aus dem Blasmusikwettbewerb der Mittelbayerischen Zeitung sind sie von 1977 bis 2010 ununterbrochen als Sieger hervorgegangen. 2006 wurde die Musikkapelle St. Vitus mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet. Viele weitere Auszeichnungen könnte man noch nennen. Auch zahlreiche Live-Mittschnitte des Bayerischen Rundfunks bei diversen Konzerten zeugen von der gehobenen Qualität.

„Die Gemeinschaft spielt eine große Rolle und ist sehr wichtig. Sie fördert die Motivation.“

Musiklehrerin Marianne Zaindl

Der Weg von der Gruppe vier bis in die Gruppe eins, in der nur die Besten mitspielen dürfen, ist lang und steinig. Dort ist Adolf Huttner, musikalischer Gesamtleiter der Musikkapelle, Dirigent des Symphonischen Blasorchesters und stellvertretender Kreisdirigent beim Nordbayerischen Musikbund, für die Ausbildung verantwortlich. Hier wird vor allem am Feinschliff gearbeitet. Genau diese kleinen Nuancen sind es, die eine gute Musikformation zu einer hervorragenden machen. Die Mittelbayerische Zeitung durfte bei einer zweistündigen Probe dabei sein.

Adolf Huttner leitet die Gruppe eins. Foto: bjs

62 Musiker gehören der Gruppe eins an. Der Übungsraum ist proppenvoll. Jeder hat seinen festen Platz. Das Festkonzert, der alljährliche Höhepunkt, ist noch nicht lange her. „Danach ist erst mal der Druck etwas weg“, sagt Adolf Huttner. „In dieser Zeit probieren wir gerne etwas Neues aus. Es wird viel improvisiert.“ Bevor neue Noten ausgeteilt werden, wird die A-Dur-Tonleiter intensiv rauf und runter geübt – in verschiedenen Geschwindigkeiten. Jede Instrumentengruppe kommt nacheinander an die Reihe. Der Dirigent hört genau hin und achtet auf die Gleichmäßigkeit der Töne. Dann werden vier neue Stücke eingeübt, die ins Repertoire aufgenommen werden sollen, unter anderem „Träumerei“ von Schumann. Der Dirigent gibt den Einsatz. Für den Zuhörer klingt es beim ersten Versuch eigentlich schon ziemlich perfekt. Aber Adolf Huttner hat ein sehr feines Gehör. Jede kleine Unstimmigkeit fällt ihm auf. Die Flöten lässt er nach-stimmen – eine Idee nur. Die Saxofone sind zu laut, so dass die Trompeten zu wenig zur Geltung kommen. Für Laien sind die kleinen Änderungen nicht wahrnehmbar. Nach einer Stunde gestattet er seinen Musikern eine kurze Pause. „In fünf Minuten geht’s weiter!“, ist seine Ansage.

Mischung aus streng und locker

Alle drei Jahre findet ein Wechsel statt, in der Musiker in die nächst höhere Gruppe aufsteigen können. Die Gruppen vier und drei werden von Marianne Zaindl geleitet. „Gerade das erste halbe Jahr in der Gruppe 4 ist sehr hart – für die Schüler und auch für mich“, sagt sie. „Die Gemeinschaft spielt eine große Rolle und ist sehr wichtig. Sie fördert die Motivation.“ In ihren Gruppen hat sie es mit Kindern und Jugendlichen zu tun. „Man muss eine gute Mischung finden zwischen streng sein und locker bleiben“, sagt sie und ergänzt: „Das hier ist für die jungen Musiker keine Pflichtveranstaltung. Man muss immer berücksichtigen, dass sie freiwillig hierherkommen.“

Die Musikkapelle St. Vitus in Aktion:

Wenn alles gut läuft, dürfen die Jugendlichen nach weiteren sechs Jahren harter Arbeit in den Gruppen vier und drei und nach Ablegen von Leistungsabzeichen und Prüfungen beim Nordbayerischen Musikbund in die Gruppe zwei aufsteigen – zu Günter Moser, der das Jugendblasorchester leitet. Hier werden sie fit gemacht und bekommen den „letzten Schliff“. Nach weiteren drei Jahren sind die meisten geeignet für die Gruppe eins von Adolf Huttner.

Aktuelle Nachrichten aus Burglengenfeld lesen Sie hier.

Die Musikkapelle St. ViTus

  • Gruppenstärke (Mitglieder):

    Vitus-Strolche: 14, Gruppe 4: 22, Gruppe 3: 11, Gruppe 2: 24, Gruppe 1: 62

  • Geschichte:

    1967 betraute der damalige Stadtpfarrer der Pfarrei St. Vitus, Josef Bock, den damaligen Kaplan Martin Särve mit dem Aufbau einer Knabenkapelle. 1975 wurde aus der Knabenkapelle eine Musikkapelle. Die Knaben waren erwachsen geworden.

  • Mädchen:

    Seit 1990 werden auch Mädchen in das Orchester aufgenommen.

  • Jubiläum:

    Vom 11. bis 13. August 2017 feiert die Musikkapelle St. Vitus ihr 50-jähriges Jubiläum. Auf der Piazza zwischen Stadthalle und Mittelschule soll in diesen Tagen ein Festbetrieb stattfinden. Hierzu wird auch wieder eine 100-köpfige Delegation mit Musikern und Anhang aus Kyoto (Japan) erwartet. (bjs)

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