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Montag, 11. Dezember 2017 3

Advent

Der Nikolaus hat auch ein Auto

In Nittenau entsendet die Kolpingsfamilie Nikolausteams zu den Kindern. Wir sprachen mit einem Vertreter des Heiligen.

In Nittenau entsendet die Kolpingsfamilie traditionell mehrere Nikolausteams zu den Kindern. Fotos: Weindler

Nittenau. 1Vertreter:


Der Nikolaus kann nicht überall sein. Rund um Nittenau vertritt ihn ein örtlicher Bankkaufmann.

Der Nikolaus kann nicht überall auf der Welt gleichzeitig sein, weshalb er einige würdige Vertreter benannt hat, die seinen stressigen Job übernehmen. Einer davon ist Christian Elsinger, der ansonsten als Bankkaufmann in Nittenau arbeitet. Der Nikolaus persönlich bereitete ihn auf seine Einsätze vor. Vor 18 Jahren übernahm Elsinger zum ersten Mal die Vertretung. Für die Kolpingsfamilie besucht er seit zehn Jahren die Kinder und deren Familien.

2Begleiter:


Der Knecht ist eigentlich brav. In Nittenau musste er aber schon einmal einschreiten.

Angst haben die Kinder meist vor dem Begleiter des Nikolauses: Der finster dreinschauende Knecht hält eine Route in der Hand. Gegen Kinder musste er sie noch nie einsetzen. Doch einmal musste der Krampus mit Streicheleinheiten Nittenauer Väter sanktionieren. Sie hatten sich während der Predigt des Nikolauses nicht korrekt verhalten: „Wenn der Nikolaus kommt, hat er die Autorität. Es gehört sich nicht, dass sich Eltern während der Predigt unterhalten“, sagt Elsinger. Die Väter hätten den Vorfall aber überlebt.

3Fahrdienst:


Der Schlitten hat schon so manche Bruchlandung hingelegt. In Nittenau kann das nicht passieren.

Der Nikolaus ist gut gepolstert, falls es mit dem Schlitten doch einmal Turbulenzen gibt. Doch ein Fan vom fliegenden Schlitten ist Christian Elsinger nicht. Auch Autofahren sei mit dem Gewand und der weißen Haarpracht schwierig. „Das Messgewand geht bis zu den Füßen und durch den Bart und die Haare ist das Sichtfeld eingeschränkt.“ In Nittenau genießt der Nikolaus oder dessen Vertreter einen himmlischen Service: Ein Fahrer oder ein Engel als Fahrerin bringt ihn zu den zeitlich streng getakteten Terminen.

4Motivation:


Kein Nachtzuschlag und nicht einmal Gehalt – wer den Nikolaus vertritt, der braucht viel Idealismus.

Christian Elsinger ist ein begeisterter Nikolaus. Der Kolpingsfamilie falle es insgesamt nicht schwer, Helfer für die verschiedenen Aufgaben während des Nikolausdienstes zu finden, betont Elsinger. Ihm mache es einfach Spaß, die Kinder und deren Familien zu besuchen: „Erst einmal erstarren die Kinder vor Ehrfurcht. Wenn es dann die Geschenke gibt, dann sieht man direkt das Strahlen in den Augen der Kinder. Schon alleine das ist es jedes Jahr wert.“

5Geschenke:
Nicht nur die Kinder bekommen Geschenke. Ab und an gibt es auch Gaben für den Nikolaus.

Welche Geschenke der Nikolaus für die braven und weniger braven Kinder dabei hat, ist sehr unterschiedlich: „Das eine Kind bekommt einen ganzen Baukasten, andere wiederum ein kleines Päckchen.“ Häufig überreiche der Nikolaus übrigens einen Beutel, in dem sich kein Schokonikolaus, sondern ein Weihnachtsmann findet. Da müsste der Nikolaus eigentlich die Eltern schimpfen. Manche Kinder schenken Elsinger gemalte Nikolausbilder.

6Goldenes Buch:


Der Nikolaus hat ein sehr großes Gedächtnis, sonst wüsste er nicht alle Details über die Kinder.

Doch sein Vertreter tut sich da etwas schwerer, schließlich kennt er die Kinder nicht so gut wie der „echte“ Nikolaus. Wenn dem Nikolaus einmal etwas entfallen sollte, dann hilft ihm sein Goldenes Buch weiter. „Die Geschichten bekommt man auch von den Eltern aufgeschrieben“, verrät Elsinger. Er habe aber ein festes Eingangsgedicht. Den Ablauf seiner Predigt gestaltet Elsinger selbst. Er ist da schon Profi. „Ich schaue, wie die Kinder reagieren. Dann wechsele ich immer wieder positive und negative Seiten der Kinder ein wenig ab.“

7Erziehung:


Geschimpft wird bei den Kindern nicht, betont der Vertreter des Nikolauses. Das kommt gut an.

Ziel sei es, die Kinder zu bestärken und ihnen auch etwas mitzugeben, betont Elsinger. Die Schandtaten spreche er zwar schon an, aber so, dass es den Kindern nicht unangenehm sei. Meist seien es kleinere Sachen, die er anmahnen müsse: Das unaufgeräumte Zimmer, der immer noch benutzte Schnuller oder das nicht aufgegessene Gemüse. Für den Nikolaus bereiten sich viele Kinder vor: Sie singen dann ein Lied oder sagen ein Gedicht auf. „Ein Jahr später ist man oft wieder da. Dann sieht man, wie die Kinder wachsen.“

8Ernährung:


Es heißt immer, dass der Nikolaus gerne Plätzchen mag. Bei seinem Vertreter ist das nicht der Fall.

Plätzchen bei den Familien seien ein „No go“, erzählt Elsinger. Das liege aber nicht daran, dass ihm die Plätzchen nicht schmecken. Vielmehr sei es schwierig, mit dem Rauschebart irgendetwas zu essen: „Man hat dann die ganzen Haare im Mund.“ Da vergeht einem schon der Appetit. Kolpingchef Werner Weindler kennt dieses Leid. Wenn alle Kinder besucht wurden, tischt er für die Nikoläuse und ihre Vertreter deshalb immer eine Brotzeit auf.

Den Kindern eine Freude bereiten

  • Die Kolpingsfamilie

    übernimmt in Nittenau und Umgebung stellvertretend den Nikolausdienst. Fünf Teams mit einem Nikolaus, einem Knecht und einem Chauffeur waren auch gestern wieder unterwegs.

  • Die Vertreter

    des Nikolauses in Nittenau waren in diesem Jahr Andreas Weigl, Otto Eichinger, Otto Pöschl, Manfred Braun und Christian Elsinger.

  • Die Besuche

    sind zeitlich getaktet. Doch für alle Familien und deren Kinder haben Elsinger und seine Kollegen genügend Zeit. Gestern besuchte er acht Familien. Ein Kind habe ihn noch nie erkannt, sagt Elsinger.

  • Das Vorbild

    des Nikolaus ist der heilige Bischof Nikolaus von Myra. Sein Gedenktag, der 6. Dezember, wird in zahlreichen Kirchen feierlich begangen.

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