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Montag, 18. Dezember 2017 5

Einzelhandel

Gedränge bei den Vollsortimentern

Der Stadt liegen drei Anfragen oder Anträge für große Lebensmittler vor. Die Standorte im Stadtsüden werden favorisiert.
Von Hubert Heinzl

Eine Wiederbelebung des alten Kaufland-Standorts ist zurzeit nur eine von drei Varianten, wie sich ein weiterer großer Lebensmittler im Stadtgebiet ansiedeln könnte. Foto: Archiv

Schwandorf.Entscheiden konnte der städtische Planungsausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag noch nicht. Doch die Diskussion in dem Gremium sandte ein klares Signal: Von den drei Vollsortimentern, die sich in Schwandorf ansiedeln wollen, machen nach Einschätzung der Stadträte die beiden Projekte im Stadtsüden am meisten Sinn. Das mögliche Vorhaben im Stadtosten beurteilten sie dagegen eindeutig als negativ.

Der „Favorit des Volkes“

Der Sachstandsbericht zur Einzelhandelsentwicklung, der am Donnerstag auf der Tagesordnung stand, diente lediglich der Kenntnisnahme. Aber er betrifft und interessiert viele Schwandorferinnen und Schwandorfer. Gerade das seit Jahren leerstehende „Kaufland“ ist ein Dauerbrenner. 3000 Unterschriften für den Erhalt des Vollsortimenters gab es bei der Schließung, erinnerte SPD-Stadtrat Manfred Schüller; und auch CSU-Sprecher Andreas Wopperer nannte den Vollsortimenter den eindeutigen „Favoriten des Volkes“. Auch in den sozialen Netzwerken wird immer wieder die Forderung nach einer Wiederansiedlung laut.

Reinhard Schade, der Leiter des Stadtplanungsamts, ging aber zunächst nur auf die beiden Projekte ein, bei denen die potenziellen Investoren inzwischen einen Antrag auf ein förmliches Bau- und Genehmigungsverfahren gestellt haben. Das eine betrifft den Standort des Autohauses Maschek an der Regensburger Straße, der wegen des geplanten Umzugs nach Alberndorf in absehbarer Zeit frei wird. Hier will die Ratisbona Projektentwicklung aus Maxhütte-Haidhof einen Vollsortimenter ansiedeln; als prominenter Name wird der Edeka-Konzern genannt. Wie Stadtplaner Schade erläuterte, wurden als vorgesehene Verkaufsfläche für Lebensmittel zuletzt 3400 Quadratmeter angegeben. Dazu soll laut Konzept noch ein Backshop kommen. Die Bauvoranfrage wurde inzwischen in einen Antrag umgewandelt.

Gutachter haben das Wort

Das gilt nach den Worten Schades auch für Vorhaben Nummer zwei an der Hoher-Bogen-Straße, südlich der Polizeiinspektion Schwandorf. Hier will die KIST Projekt GmbH ebenfalls einen Vollsortimenter ansiedeln. Die Verkaufsfläche von 2800 Quadratmetern soll durch ein Hotel mit 120 Zimmern plus ein Verwaltungsgebäude vervollständigt werden. Auch hier habe der Investor den Antrag auf Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes gestellt. Planungsrechtlich ist Bewerber Nummer drei schon weiter. Wo jetzt noch das alte Kaufland-Gebäude steht, liegt nach Angaben Schades bereits ein rechtskräftiger Bebauungsplan und ein „Sondergebiet SB-Warenhaus“ vor.

Bevor der Stadtrat entscheiden kann, haben laut Schade aber erst die Fachleute das Wort. Für den Standort Regensburger Straße wurde ein Gutachten der GMA vorgelegt, das die Auswirkungen positiv darstellt. Doch sei dieses Ergebnis unter anderem auf Übereinstimmung mit dem Einzelhandelsentwicklungskonzept der Stadt sowie mit den landes- und regionalplanerischen Vorgaben zu überprüfen. Das gilt auch für die anderen beiden Projekte. Die Beratungsfirma CIMA wurde von der Stadt bereits mit einem Gutachten beauftragt.

CSU-Fraktionschef Andreas Wopperer nahm die Entwicklung positiv zur Kenntnis, warnte aber vor zuviel „Gutachterei“. Die Fachleute sollten berücksichtigen, forderte er, „dass Vollsortimenter nicht der Nahversorgung, sondern der Zentralitätsfunktion der Stadt“ zugutekämen. Unter den drei im Raum stehenden Vorschlägen sei allerdings der Standort Hoher-Bogen-Straße „eigentlich indiskutabel“, wie Wopperer es ausdrückte. Der CSU-Sprecher: „Wir brauchen keinen Vollsortimenter mehr im Stadtosten. Das ist sogar kontraproduktiv“. Zum „Luxusproblem“ zweier konkurrierender Anbieter im Stadtsüden merkte Wopperer an, dass Kaufland auch vom Stadtrat favorisiert werde. Hier spiele aber auch das Tempo der Investoren eine Rolle.

Auch Stadträtin Marion Juniec-Möller (Grüne) erteilte dem Standort im Stadtosten für einen weiteren Vollsortimenter eine Absage. „Das ist nur eine weitere riesige Flächenversieglung da, wo es niemand braucht“, sagte sie. Im Stadtsüden dagegen würden neue Vollsortimenter einen Leerstand beseitigen oder erst nicht zulassen.

Ähnlich plädierte auch SPD-Stadtrat Manfred Schüller für zwei Lebensmittler im Stadtsüden, wenn dies nicht zu einem kompletten Verdrängungswettbewerb führe. Die drei Interessenten seien auf jeden Fall „ein Zeichen, dass der Standort Schwandorf attraktiv ist“, sagte er. So sah es am Ende auch Oberbürgermeister Andreas Feller: „Es freut mich durchaus, dass unsere Stadt so umworben wird, wie es zurzeit den Anschein hat“.

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