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Hobby

Wein, der Spötter zum Schweigen bringt

In Windpaißing gedeihen Trauben, die Max Meier zu einem Wein verarbeitet, der nach Himbeere und einem Hauch Banane schmeckt.
Von Elisabeth Hirzinger

Süß schmecken die weißen Trauben, die heuer besonders viel Sonne abbekommen haben. Foto: Hirzinger

Nabburg. Windpaißing, den Ort müssten wohl die meisten Bürger im Landkreis Schwandorf erst mal googeln. Das Dorf hat 49 Einwohner, gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Nabburg und könnte eigentlich berühmt sein für den Wein, der dort angebaut wird, wenn der edle Tropfen nicht immer gleich ausgeschenkt werden würde, kaum, dass er auf Flaschen abgefüllt wurde. Mal ganz abgesehen davon, dass der kleine Weinberg auch nicht viel hergibt. Die 98 Weinstöcke auf dem 900 Quadratmeter großen Grundstück reichen gerade mal für 150 Liter Weißwein und 30 Liter „Roten“.

„Wir sitzen auf 542 Meter“, sagt Max Meier, der Wirt vom Gasthaus „Zum Kulm“ in Windpaißing, ohne eine Miene zu verziehen. Das Thema ist bierernst, auch wenn es eigentlich um Wein geht, den einzigen übrigens, der im Landkreis Schwandorf angebaut wird. Angefangen hat die Geschichte vor 17 Jahren, als der Wirt, sein Bruder, der Rudi, sein Freund Günther und der Lenz, der leider schon verstorben ist, auf Kulturreise in Island waren und dort in Reykjavik Wein aus Chile getrunken haben.

„Ja wenn de des macha, kinna mir des a“, haben sich die vier Freunde gedacht und haben, kaum, dass sie wieder Zuhause waren, die Idee weitergesponnen. Spinnen, das Wort findet Max Meier passend. Da muss er dann doch lachen, weil nämlich damals, 1999, als sie angefangen haben auf der „Kulmleitn“ Weinreben zu pflanzen, viele gedacht haben, „eitz spinnas“.

Von wegen die spinnen, die Nabburger. Die „Weinfreunde Kulm“ sind vielleicht Exoten, aber keine Träumer. Mit ihrer Idee, in der nördlichen Oberpfalz Wein anzubauen, haben sie lediglich eine uralte Tradition weder belebt, so erklärt es der Wirt. Denn: In der Oberpfalz, „und zwar nicht nur im Raum Regensburg“, wurde einst im großen Stil Wein angebaut. Max Meier hat das alles recherchiert.

Etwas oberhalb des Gasthauses „Zum Kulm“ befindet sich der Weinberg in Windpaißing. Grafik: MZ-Infografik

„Dort, wo Klöster waren und die Obrigkeit“, fand der Hobbyweinbauer heraus, gab es schon immer Weinberge. Max Meier greift in das Bücherregal neben dem Tresen und legt das Buch „Der Baierwein“ auf den Wirtshaustisch. Die Aufzeichnungen gehen weit zurück. Und offenbar wurde „auch bei uns“ viel Wein angebaut. Von einem Weinanbaugebiet Windpaißing steht in dem Buch zwar nichts, aber allein schon die Flurnamen in der Umgebung deuteten auf Weinberge hin, erklärt der Freizeit-Winzer.

Weinbau wurde wegen des Klimas eingestellt

Warum der Weinbau in der nördlichen Oberpfalz damals eingestellt wurde? Weil sich die klimatischen Verhältnisse geändert haben, davon ist Max Meier überzeugt. Und den Rest habe die Reblaus vernichtet. Der Wirt vom Kulm lässt den Blick durch das Wirthausfenster ins Tal schweifen, über dem dichter Nebel liegt. Auf 542 Meter aber scheint die Sonne. Und auch auf 560 Meter, dort wo der Max Meier und seine Freunde von 16 Jahren wild entschlossen den Hang hinterm Wirtshaus in einen Weinberg verwandelt haben und sich damit viel Spott zugezogen haben. „Ihr sads doch nasch, des wird doch nie wos“, von solch destruktiven Kommentaren haben sich die Weinfreunde vom Kulm nicht entmutigen lassen. Und der Erfolg hat ihnen recht gegeben.

Süß schmecken die weißen Trauben, die heuer besonders viel Sonne abbekommen haben. Foto: Hirzinger

Zufrieden lehnt sich Max Meier zurück. Er hat es gewusst. Der Wein von der Kulmleitn ist, dem jüngsten Klimawandel sei Dank, ein edler Tropfen. Nein er ist nicht sauer, auch wenn das jeder vermutet. Max Meier kann es schon nicht mehr hören. „Der wird recht trocken sein“, der Wirt verzieht das Gesicht und imitiert die Gäste, die sich misstrauisch nach der Trinkbarkeit des oberpfälzer Weins erkundigen. Aber da erwischen sie Max Meier am falschen Fuß. „Also, wenn trocken als Qualitätsmerkmal gilt, dann sind wir sehr stolz drauf“, kontert er solche Fragen gewöhnlich mit typischem oberpfälzer Charme. Nein, der Wein von der Kulmleitn ist kein Wein, für den man drei Männer braucht, „einen der trinkt und zwei, die ihn halten, weils ihn so schüttelt“.

Und wenn einer der Spötter von damals sich heute in sein Wirtshaus setzt, einen Hauswein bestellt, ihn trinkt und keinen Kommentar dazu abgibt, dann weiß Max Meier, „wos laos is“ – dass der Wein passt.

Süß schmecken die weißen Trauben, die heuer besonders viel Sonne abbekommen haben. Foto: Hirzinger

Der Weinbauer von Windpaißing ist im Wirtshaus groß geworden. Und im Gasthaus „Zum Kulm“ trinkt man seit 110 Jahren Bier, eher selten Wein, und wenn, dann hams an pappsüßen Wein trunken“, erinnert sich Max Meier. Schon bei dem Gedanken an die Spätlesen und Auslesen schaudert es den gelernten Küchenmeister, der „allein wegen meiner Ausbildung“ was versteht von Weinen.

Gekocht wird im Wirtshaus „Zum Kulm“ zum Beispiel „nur mit guten Weinen“, sagt Max Meier. Und wenn er ein „schönes Essen macht“, trinkt er selber auch gerne a Flascherl Wein dazu. Der Kulm-Wirt mag den ehrlichen Wein, einen Wein, der nicht „mit technischen Mitteln verbraucherkonform gemacht wurde“.

Ohne Zusätze oder Spezialbehandlung

Das gilt im Übrigen auch für den Wein von der Kulmleitn. Auch er kommt ohne Zusätze und Spezialbehandlung in die Flaschen. Bio-Wein ist es trotzdem nicht, auch wenn der Windpaißinger Winzer den Boden des Weinbergs satt mit Eselsmist düngt. Gegen die Pilze muss er spritzen, sagt Max Meier, weil er sonst auf keinen grünen Zweig käme.

Aber ansonsten nehmen die Weinfreunde keinen Einfluss. Die Trauben sind mal süß, mal weniger süß, je nachdem wie das Wetter ist. Die Ausbeute bei 98 Rebstöcken ist bescheiden. Die weißen Trauben der Sorte „Hecker“ und „Ortega“ ergeben im Durchschnitt 140 bis 150 Liter Wein, die roten Trauben der Sorte „Domina“ und „Regent“ maximal 30 Liter, was laut Max Meier am Standort liegt. Die Roten bräuchten mehr Sonne, glaubt der Freizeit-Winzer. Aber egal. „Wenn wir nicht viel haben, dann haben wir eben nicht viel“, sagt Max Meier und zuckt mit den Schultern.

Hobbywinzer Max Meier ist stolz auf den edlen Tropfen aus Windpaißing. Foto: Hirzinger

Zwei, drei Wochenenden dauert es, bis Max Meier mit vier Helfern die Weintrauben geerntet sind. Der Rest ist keine große Wissenschaft, behauptet Max Meier, der sich bei diversen Aufenthalten in Ungarn von den dortigen privaten Weinbauern „a bissl was“ abgeschaut hat. Zum Beispiel, wie man die Rebstöcke schneidet, und was man zum Keltern baucht. Aber das ist nicht viel und hat locker Platz in der alten Wurstkuchel zwischen dem Wirtshaus und dem Eselgehege.

Vor zwei Wochen hat die Weinlese begonnen. Die Trauben werden abgeschnitten, von den Stielen gelöst und anschließend gequetscht, aber, bei aller Ursprünglichkeit, „nicht mit den Füßen“, versichert Max Meier mit einem breiten Grinsen. Für diesen Vorgang hat er aus Ungarn eine kleine Quetsche mit Kurbel mitgebracht. Nach dem Pressen kommt die Hefe dazu, dann kommt der Extrakt zum Gären ins Fassl, doziert Max Beer.

Das Gären allein dauert sechs bis acht Wochen

Fürs Weinmachen braucht man Geduld. Allein das Gären dauert sechs bis acht Wochen. Dafür haben die Freunde extra Heizboxen gebaut. Bis der Wein klar ist, vergehen noch einmal Monate. Immer wieder wird die „Trübe“, die nach unten sinkt, „abgezogen“. Zum Schluss kommt der Wein noch in ein Holzfass, damit er „die Kantigkeit abbaut“, erklärt Max Meier. Erst wenn er ein ganz klar ist, wird er in Flaschen abgefüllt und verschlossen. Ein Jahr dauert das Ganze. „Frühestens im Herbst 2016“ kann man den Nabburger Wein probieren.

Süß schmecken die weißen Trauben, die heuer besonders viel Sonne abbekommen haben. Foto: Hirzinger

Wie der schmeckt? Max Meier rutscht auf seinem Stuhl hin und her. Also, des is ganz schwer zu beschreiben“, sagt er und sucht nach den passenden Worten. Auf jeden Fall hat der Wein von der Kulmleitn einen „ganz eigenen Charakter“. Das hängt mit dem mineralischen Boden zusammen und natürlich spielt auch die Düngung mit Eselsmist eine Rolle, davon ist der Weinbauer und Wirt überzeugt.

Ein Gast aus einem Weinbaugebiet habe mal nach einer Weinverkostung im Wirtshaus von Windpaißing zu ihm gesagt: „Jetzt weiß ich, wie die Oberpfalz als Wein schmeckt“. Aber wie erklärt man das? Max Meier gerät ins Grübeln. „Unser Wein wird halt so wie er ist“. Der Hobby-Weinbauer seufzt. Es gibt 84 Geruchs- und Geschmacksnuancen, hat er mal gelesen, „da sagt doch jeder was anderes“.

Hobbywinzer Max Meier ist stolz auf den edlen Tropfen aus Windpaißing. Foto: Hirzinger

Und er? Wie beschreibt Max Meier seinen Wein? Sichtlich genervt geht er noch einmal in sich. „Also, das Bouquet“, sagt er, das ist nicht kantig und eckig“, das hat man dem Wein ja schon im Holzfass ausgetrieben, sondern „einfach rund“. Zurück zum Geschmack. Der geht in die Beerenfruchtrichtung, da ist sich Max Meier sicher. „A bissl Himbeere“, wenn der Wein hinten über den Gaumen läuft, und „ab bissl Banane“. Ja, so schmeckt er.

Im Herbst 2016 wird man wissen, ob das stimmt, was Max Meier gesagt hat. Natürlich würde sich der Geschmack noch verändern, würde man die Flaschen ein paar Jahre lagern. Die Betonung liegt auf dem Konjunktiv. Max Meier lacht herzlich. „Aber soweit kumma mir goa niat.“

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