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Donnerstag, 19. Oktober 2017 18° 3

Musik

Furiose Soli auf der Violine gespielt

Das Karlsbader Sinfonieorchester unter der Leitung von Anton Zapf begeisterte das Neunburger Publikum.
Von Ralf Gohlke

  • Den ersten Teil des Frühlingskonzertes gestaltete die junge, herausragende tschechische Violinistin Markéta Janoušková. Foto: ggo
  • Die Rund 60 Musiker des Karlsbader Sinfonieorchesters boten ein eindrucksvolles Klangerlebnis. Foto: ggo

Neunburg.Entsprechend gut gespielt sind so ziemlich alle Musikinstrumente geeignet, beim Zuhörer gezielt bestimmte Stimmungen zu erzeugen. Wenn es darum geht, Gefühle auszudrücken, gibt es nur wenige Klangkörper, die mehr Emotionen transportieren können als die Geige. Sie erfordert allerdings ein hohes Maß an Virtuosität, um nicht „schräg“ zu klingen. Über die herausragende Fähigkeit, ihrer weit über 115 Jahre alten Geige brillante Töne zu entlocken, verfügt die noch junge tschechische Violinistin Markéta Janoušková. Sie spielte nicht nur virtuos, sondern phasenweise auch furios. Zusammen mit den rund 60 Musikern des Karlsbader Sinfonieorchesters unter der Leitung von Anton Zapf stellte sie das im ersten Teil des Frühlingskonzerts in der Schwarzachtalhalle eindrucksvoll unter Beweis.

Bürgermeister Martin Birner stellte in seinen einführenden Worten fest, dass die Zusammensetzung und Entwicklung eines Sinfonieorchesters ein „ebenso komplexes wie bedeutendes Gebilde abendländischer Kultur“ darstelle. Es verkörpere eine besondere Welt des Klangs. In den 500 Jahren seiner Geschichte habe es einen steten Wandel und Krisen durchlebt ebenso wie das Wechselbad an Begeisterung und Gefährdung. Obwohl in Deutschland von der Unesco-Kommission als „immaterielles Kulturerbe“ eingestuft, stehe die Orchester-Kultur unter enormem wirtschaftlichen Druck. Allein in Deutschland seien in den vergangenen Jahren fast 40 professionelle Orchester von den Bühnen verschwunden.

Der Dirigent Anton Zapf Foto: ggo

Birner hob deshalb besonders hervor, dass Neunburg seit Eröffnung der Schwarzachtalhalle einen „nicht gering zu schätzenden Beitrag zur Pflege dieses immateriellen Kulturerbes leistet“. Hier werde der Orchestermusik ein fester Platz angeboten. Dies sei aber auch nur möglich, weil die Kunst- und Musikliebhaber der Region dieses spezielle Konzertangebot auch gerne annehmen. Ein besonderer Hinweis des Stadtoberhaupts erging zudem noch zum Gastdirigenten Anton Zapf, nämlich dass es sich bei ihm nicht nur um einen renommierten, international agierenden Orchesterleiter, sondern auch um einen Komponisten handle. Von einem „Wiedersehen und Wiederhören nach zehn Jahren“ sprach er in Bezug auf Markéta Janoušková, deren musikalisches Talent von der städtischen Musikschule bereits bei einem Konzert im Schlosssaal entdeckt wurde und die seither immer wieder zu Kammerkonzerten angereist war.

Die Bass-Fraktion in vollem Körpereinsatz. Foto: ggo

Den eigentlichen Konzertauftakt bildete im Anschluss die Ouvertüre aus der Oper „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart, der sich drei Sätze aus dem Konzert für Violine in a-Moll, Opus 3 von Antonín Dvorák anschlossen. „Sinfonische Fragmente ‘in Memoriam Antonin’ Opus 4“ standen am Beginn des eindrucksvollen Konzertabend nach der Pause. Bei Letzterem handelt es sich um eine Eigenkomposition des Dirigenten Zapf, der die Ausdrucksformen Dvoráks modern interpretierte. In einem, dem Programmheft beigelegten Begleittext dazu erfuhr das Publikum mehr über die Intentionen des Komponisten Zapf. Demnach sollte das Werk „eine Art Präludium zu Dvoráks 5. Symphonie“ darstellen, das direkt in deren ersten Satz münde. Eingebunden wurden dabei auch Passagen aus der 9. Symphonie „Aus der neuen Welt“. Zapf hatte die symphonischen Fragmente 2004 als Hommage an den großen tschechischen Komponisten zu dessen 100. Todesjahr komponiert und bei den Max-Reger-Tagen in Weiden von der Philharmonie Hradec Králové uraufgeführt.

Der Einsatz einer „elektrischen Geige“ als Stilelement.

Als besonderer Ausdruck der Moderne lässt Zapf dabei sogar eine elektronisch verstärkte Geige zum Einsatz kommen, die den Mundharmonika-Part aus dem Westernklassiker „Spiel mir das Lied von Tod“ einfließen lässt. Trotzdem passt sie harmonisch in das Gesamtgefüge der klassischen Instrumentierung. Als Reminiszenz an die Heimat erklingt auch kurz das Fichtelgebirgslied „Kennst Du die Berge in Deutschlands Herz“. Am Ende dieses, einmal mehr besonderen Konzertabends, zollte das Publikum in der Schwarzachtalhalle dem Orchester, seinem Dirigenten und der Violin Solistin begeisterten Applaus.

Das Programm

  • Wolfgang Amadeus Mozart:

    Ouvertüre zur Oper „Hochzeit des Figaro“

  • Antonin Dvorák:

    Konzert für Violine und Orchester a-Moll Opus 53: Allegro ma non troppo; Adagio ma non troppo; Finale: Allegro giocoso, ma non troppo

  • Solistin:

    Markéta Janoušková

  • Anton Zapf:

    Sinfonische Fragmente „in Memoriam Antonin“ Opus 4

  • Antonin Dvorák:

    Sinfonie Nr. 5 F-Dur Opus 76: Allegro ma non troppo; andante con moto, Allegro scherzando; Finale, allegro molto

  • Dirigent:

    Anton Zapf

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