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Dienstag, 26. September 2017 17° 5

Wissenschaft

Geschichte des Granit-Abbaus beleuchtet

Das Jahresthema „Stein“ der Akademie für Natur und Industriekultur führte Teilnehmer einer Exkursion nach Flossenbürg.

Die Teilnehmer der Exkursion besuchten auch das KZ Flossenbürg.

Neunburg. Der weithin bekannte Flossenbürger Granit, die herrschaftliche Burg auf dem Schlossberg, das Steinhauermuseum und das Konzentrationslager, das zur Ausbeutung der hiesigen Granitvorkommen errichtet wurde, standen im Mittelpunkt einer Exkursion der Akademie Neunburg.

Die Kombination Flossenbürger Granit, der während des Zweiten Weltkriegs von der SS im KZ-Steinbruch abgebaut wurde sowie die Grab- und Gedenkstätte interessierte zahlreiche Teilnehmer einer Exkursion. Organisiert wurde sie zum Jahresthema „Stein“ von der Akademie für Natur und Industriekultur Ostbayern-Böhmen. Hans Fischer und Stefan Ebeling führten die Reisegruppe an den „Ort des Granits“, wie Flossenbürg auch genannt wird.

Erste Station war das Burg- und Steinhauermuseum, wo Dr. Andreas Boos über Ausgrabungen auf dem Burgberg berichtete. Heimatpfleger Richard Schedl erzählte den Neunburgern von der Granitgewinnung und zeigte Werkzeuge. Rund 50 Betriebe waren während des Kriegs aktiv, während heute nur noch fünf große Betriebe den Granit abbauen, der sich durch ein Farbspektrum von Gelbgrau bis Blaugrau auszeichnet, erklärte Schedl. Flossenbürger Granit fand Verwendung im Tannenberg-Denkmal, auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, in deutschen Großstädten, und mit ihm sollte auch „Germania“ erbaut werden, erinnerte Heimatpfleger Schedl.

Als nächster Programmpunkt stand die Besichtigung der Burgruine auf dem 732 Meter hohen Schlossberg an. Burgenfachmann Dr. Boos berichtete von den Anfängen der staufischen Königsburg, deren berühmtester Besitzer Kaiser Friedrich Barbarossa war. Um 1100 begann man mit dem Bau der Feste, die ein Bollwerk gegen Angriffe aus Osten war und auch der Sicherung wichtiger Verkehrswege diente. Im 16. Jahrhundert verlor die Burganlage an Bedeutung. Die einzigartige Granitkuppe unterhalb der imposanten Burganlage wurde 2008 in die Liste der „100 schönsten Geotope Bayerns“ aufgenommen.

1938 trat die SS offiziell an die Gemeinde heran und bekundete, ein Lager für „Schwerverbrecher“ bauen zu wollen. Diese sollten den vorkommenden Granit ausbeuten. Schon im Mai 1938 kamen die ersten 250 „politisch anders denkenden“ Häftlinge aus dem KZ Dachau, betonte der Gedenkstättenleiter der schon seit 1947 bestehenden KZ-Grab- und Gedenkstätte Flossenbürg. Auf dem Appellplatz, vor der Kommandantur, dem Platz des Schreckens, können die Exkursionsteilnehmer sich kaum vorstellen, was sich hier tagtäglich beim Appell früh morgens und abends abspielte. Das dunkelste Kapitel deutscher und speziell Flossenbürger Geschichte versuchte der Exkursionsleiter auf einem Rundgang durch das Lager den Besuchern näher zu bringen. „Wir wollen hier an das erinnern, was Menschen vor 70 Jahren anderen Menschen angetan haben“, betonte der Fremdenführer. Als die Amerikaner am 23. April 1945 das KZ betreten, ist es fast leer. Lediglich etwa 1500 mehr tot als lebendige Menschen, mehr tot als lebendig, finden sie in den „Sterbebaracken“. Kurz zuvor wurden Tausende von Hunger und Seuchen gezeichnete Gefangene auf die Todesmärsche geschickt. Eine Todesspur führte damals auch nach Neunburg. Für die hier ermordeten KZ-Häftlinge wurden später Gedenkkreuze aufgestellt. (swp)

Der Tatort

  • Rund 100 000 Häftlinge

    wurden von der SS-Führung im Konzentrationslager gefangen gehalten. Für viele war es die Hölle auf Erden. Mindestens 30 000 Menschen überlebten den Nazi-Terror nicht.

  • Hier wurden

    auch die „persönlichen Gefangenen von Adolf Hitler“ hingerichtet. Admiral Wilhelm Canaris, General Hans Oster und der Theologe Dietrich Bonhoeffer wurden hier gehenkt.

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