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Montag, 20. November 2017 3

Kultur

Vielschichtiges Beziehungspaar

Die ehemalige Glasschleife in Untermurnthal entpuppt sich als ein Ausstellungsraum mit ganz besonderem Flair.
Von Ralf Gohlke

  • Organisatorin Evelyn Kopp-Martz (2. von rechts) und die drei Künstler lauschen dem Liederpoeten „Fredmann“. Foto: ggo
  • Künstlerisch dargestellt waren die Gemeinsamkeiten von Regensburg und Neunburg. Die Granitquader stammen aus einem Steinbruch bei Dieterskirchen und werden der Steinernen Brück als Pflaster dienen. Foto: ggo

Neunburg. Kunst lebt zu einem wesentlichen Teil auch vom Ambiente, in dem sie präsentiert wird. Dass dies nicht unbedingt eine hochmoderne Galerie sein muss, stellte die Eröffnung der Ausstellung „Regensburg meets Neunburg“ in der ehemaligen „Polier“ im Seminarium in Untermurnthal eindrucksvoll unter Beweis. Mit relativ einfachen Mitteln hatte die Familie Kopp-Martz das Industriedenkmal aus der Hochzeit der Glasschleifen entlang der Schwarzach in einen Ausstellungsraum mit ganz besonderen Flair verwandelt. Das einzig wirklich „Neue“ waren dabei die wuchtigen Industrielampen an der Decke, welche die Szene aber in ein eher dezentes, unaufdringliches Licht tauchten.

Reminiszenz an die Moderne

Die noch ursprünglichen Fenster und alten Deckenbalken boten einen harmonischen Kontrast zu den farbigen Akzenten, die von den Gemälden von Renata Heimerl und Robert Bergschneider sowie den Kalligraphien von Johann Maierhofer an den weiß getünchten Wänden ausgingen. Eine Reminiszenz an die Moderne war die Projektion der Fotos aus den Bildbänden „Regensburg – Fenster zur Vergangenheit“ und „Neunburg vorm Wald – 100 Wörter – 100 Bilder“ via Beamer auf eine Großbildleinwand. Dazu passte das Eröffnungsbüfett, das auf einem Leiterwagen in der Mitte des Raumes angeordnet war.

Für das Ambiente zeichnete federführend Evelyn Kopp-Martz verantwortlich, die sichtlich gern die Gastgeberrolle und damit die Begrüßung der zahlreichen Gäste übernahm. Darunter waren Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, der Schwandorfer Stadtheimatpfleger Gerhard Grünwald, Kreisheimatpfleger Theo Männer und der Verleger Dr. Peter Morsbach. Seitens der Stadtpolitik hieß sie 2. Bürgermeisterin Margit Reichl und Stadträtin Marianne Deml sowie Beate Seifert für den Kunstverein „Unverdorben“ willkommen.

Auch Kopp-Martz erinnerte daran, dass diese Ausstellung in einem Raum stattfinde, „der eigentlich dafür nicht gemacht wurde“. Allerdings sei von seiner ursprünglichen Verwendung außer einigen Spuren des roten Polierpulvers an den Deckenbalken im Lauf der Jahre nichts übrig geblieben. Zur Thematik der Ausstellung stellte sie Regensburg und Neunburg als ein „vielschichtiges Beziehungspaar“ vor und war sicher, dass im Gespräch mit den Künstlern noch weitere Gemeinsamkeiten zur Sprache kommen würden.

„Liebe Kunstschaffende und Freunde des Murnthals“ eröffnete der Regensburger Kulturreferent Klemens Unger sein Grußwort. Er erinnerte sich noch gut an seine erste Begegnung mit dem Ort, als vor rund 25 Jahren der damalige Regierungspräsident Karl Krampol die Gegend erwanderte. Der habe sich damals gewünscht „noch einmal im Leben nach Marienbad zum Kaffeetrinken fahren zu können“, meinte Unger in Bezug auf die inzwischen fast selbstverständlichen Verbindungen und Zusammenarbeit mit den Nachbarn in Böhmen, besonders im kulturellen Bereich. Als Beispiel nannte er das anstehenden Bayrisch-Böhmische Kulturfestival, für welches die Vorbereitungen liefen. Diese Wege gut zu pflegen sei eine wichtige Aufgabe der Zukunft.

Stellvertretender Landrat Joachim Hanisch sagte deutlich: „Wer im Landkreis Schwandorf von Kunst und Kultur redet, kommt an Neunburg nicht mehr vorbei.“ Der Raum sei einst für harte Arbeit gebaut worden und diene nun einer Kunstausstellung. Hanisch zeigte sich „verblüfft“ über die vielen Verbindungen von Regensburg und Neunburg, die es unbedingt zu pflegen gelte. Zudem begrüßte er, dass die Initiatoren engagierte Künstler seien, mit einem Bekanntheitsgrad, weit über den Landkreis hinaus. Neunburg sei auf dem besten Wege zur „Kulturhauptstadt des Landkreises“.

Aufstrebende Kulturstadt

Sichtlich beeindruckt zeigte sich auch Franz Pfeffer, Kulturreferent des Landkreises. Als profunder Kenner der Regensburger Kulturszene meinte er mit einem Augenzwinkern, es werde einige der Besucher der Eröffnung überrascht haben, dass es „jenseits des Tunnels nicht nur Leben, sondern sogar Kultur gäbe“. Er zeigte sich froh darüber, dass die Vorurteile über kulturelles Leben in der mittleren Oberpfalz immer mehr der Vergangenheit angehörten. Inzwischen sei das Centrum Bavaria Bohemia die anerkannte Kulturdrehscheibe zwischen Bayern und Böhmen. Auch er bescheinigte Neunburg eine „aufstrebende Kulturstadt“ zu sein, die durchaus in der Lage sei, Nabburg ihren bisherigen Rang streitig zu machen. 2. Bürgermeisterin Margit Reichl freut sich über die lobenden Worte, gab sie aber gern an die gastgebende Familie Kopp-Martz und den Kunstverein Unverdorben weiter.

Anschließend stellten sich die drei Hauptakteure gegenseitig vor. Den Höhepunkt des offiziellen Teils bildet die vertonte Erstaufführung eines Murnthal-Gedichtes von Johann Maierhofer durch den Liederpoeten „Fredmann“. Etwas später gab es noch eine szenische Lesung aus Maierhofers „Sonnengeschichten“.

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Regensburg meets Neunburg

  • Veranstaltungsort:

    Die Ausstellung ist in der alten „Polier“ im Seminarium Untermurnthal zu sehen im Rahmen des Neunburger Kunstherbst zu sehen.

  • Künstler:

    Gezeigt werden Werke von Renata Heimerl, Robert Bergschneider und Johann Maierhofer. Außerdem werden zwei Bildbände über Neunburg und Regensburg präsentiert sowie „Sonnengeschichten“ von Johann Maierhofer.

  • Eintritt:

    Der Eintritt ist frei, Bilder und Bücher können erworben werden.

  • Dauer und Öffnungszeiten:

    Die Ausstellung dauert noch bis zum 21. November, jeweils Donnerstag von 18 Uhr bis 20 Uhr und Sonntags von 14 bis 18 Uhr.

  • Präsenz:

    Die Künstler werden im Wechsel zu den Öffnungszeiten anwesend sein. Die Daten dazu werden auf der Homepage www.schriftkunst.de/seminarium aktualisiert.

  • Liederabend:

    Am Donnerstag, 26. Oktober, wird der Liederpoet Fredmann einige seiner Stücke zum besten geben.

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