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Bildung

iPad erobert Klassenzimmer des RTG

Alle Schüler des Nittenauer Gymnasiums haben jetzt die Möglichkeit, via Tablet modernste Lernsoftware zu nutzen.
Von Thomas Rieke

  • RTG-Direktorin Petra Weindl ist mächtig stolz auf ihre iPad-Klasse. Unser Bild zeigt sie zusammen mit Landrat Thomas Ebeling (stehend links), der mit Lehrer Peter Zimmerer über dessen Erfahrungen diskutiert. Foto: Rieke
  • Schüler bei einer „Sachtextanalyse“ mit dem iPad Foto: Rieke

Nittenau.In seinen Bemühungen, unter den weiterführenden Schulen im Landkreis besonders zukunftsorientiert zu sein, hat das Regentalgymnasium (RTG) nun erneut einen Meilenstein gesetzt. Am Freitag präsentierte Direktorin Petra Weindl Landrat Thomas Ebeling, wie die im Dezember eingeführte iPad-Klasse funktioniert. Sowohl in Mathematik, als auch in Deutsch wurde schnell klar: Mit technikaffinen und motivierten Lehrern macht der Unterricht am Tablet Riesenspaß, eröffnet völlig neue, ungeahnte Möglichkeiten – und liefert in erstaunlich kurzer Zeit beachtliche Resultate, auch in Bild und Ton.

Doch der Reihe nach: Der digitale Wandel macht auch vor den Schultoren nicht halt. Schon seit einigen Jahren wurde deshalb am RTG in der Führungsebene darüber diskutiert, wie man die schöne neue Medienwelt für die Schüler und den Unterricht sinnvoll nutzen könnte, nicht um sich komplett von grünen Tafeln, gedruckten Büchern und Schreibheften zu verabschieden, sondern um beides miteinander zu verknüpfen.

Der Mehrwert schnell erkannt

Studiendirektor Christian Schwab, ständiger Vertreter der Schulleiterin, besuchte zusammen mit Kollegen einschlägige Fortbildungen und erkannte alsbald den „Mehrwert“, den der Unterricht mit modernsten Medien bieten kann, vor allem seit die Software an Qualität gewonnen hat. Bei Direktorin Weindl rannte er mit seinen Erkenntnissen und Ideen offene Türen ein, ist die Oberstudiendirektorin doch offensichtlich ein großer Fan der neuen Möglichkeiten.

„Moderne Medien, Smartphones und Tablets sind nicht mehr wegzudenken. Es wäre daher weltfremd, sich der Entwicklung zu verschließen“, bringt sie die Lage auf den Punkt. Damit nicht genug: Aus Weindls Sicht ist es schlicht eine große Chance, Jugendliche dort abzuholen, wo sie heutzutage einen Großteil ihrer Zeit verbringen. „Man kann ihre Motivation und ihre Affinität zu Handy und PC nutzen, sie zu regelmäßigem Lernen anzuhalten.“

„Moderne Medien, Smartphones und Tablets sind nicht mehr wegzudenken. Es wäre daher weltfremd, sich der Entwicklung zu verschließen.“

Direktorin Petra Weindl

Doch von der Idee zur Umsetzung, das wollte die Schulleiterin nicht verschweigen, ist es ein nicht ganz einfacher Weg. Vor der Einführung der iPad-Klasse musste erst ein tragbares Konzept entwickelt werden. „Die schönsten Laptops und iPads nützen wenig, wenn die Internetverbindungen ständig kollabieren.“ Andere Schulen im Landkreis sollen da schon eine Menge Lehrgeld bezahlt haben. Am RTG wurden deshalb sogenannte Accesspoints installiert, die Stabilität garantieren. Zumindest verlief der Anschauungsunterricht, zu dem Landrat Thomas Ebeling am Freitag geladen worden war, ohne jede Panne.

Parabeln und Textanalysen

Während sich Mathelehrer Manuel Arnold mit seiner 9c mit Parabeln und binomischen Formeln auseinandersetzte und via Beamer am Whiteboard Lösungen diskutierte, war die 8c von Peter Zimmerer gefordert, über den Kinohit „Batman versus Superman“ eine Sachtextanalyse zu erstellen – und als Video zu präsentieren, was trotz knapp bemessener Zeit auch klappte.

Laut Zimmerer bringen bereits rund 90 Prozent der Schüler Erfahrungen mit Tablets mit in die Schule; für sie sei der Umgang mit iPads deshalb ein Kinderspiel. Aber auch jene Mitglieder der Klassengemeinschaft, die bisher privat noch nicht über die entsprechende Technik verfügten, wüssten binnen kürzester Zeit, wie man mit den Mini-Flachrechnern umgeht; vieles sei in der Bedienung quasi selbsterklärend, heißt es. Für Zimmerer ist schon nach wenigen Unterrichtswochen klar erkennbar, dass die iPadklasse am RTG ein Erfolg ist. „Wenn ich den Schülern anbiete, heute arbeiten wir mit den Tablets, sind alle sofort dabei.“

So selbstverständlich der Umgang mit neuen Medien für die Jugend von heute sein mag, so sicher ist auch, dass Lehrer älteren Semesters sich laufend fortbilden müssen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. Nächste Woche wird es am RTG eine interne Schulung geben, berichtet Christian Schwab. Die Teilnehmerliste, in die sich seine Kollegen eintragen sollen, habe sich bereits erfreulich gefüllt. „Das Interesse ist groß – quer durch alle Altersgruppen“, konstatiert der Studiendirektor. Die Pädagogen am RTG scheinen also weitgehend aufgeschlossen zu sein, sich auf die Neuerung einzulassen. Vielleicht ist ja auch die Parole „Keiner muss, aber wer will, darf die iPads nutzen“ ein Ansatz, der Hemmschwellen eher abbaut, als Vorbehalte verstärkt.

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Expertenmeinung von der Uni

  • Ziel im Lehrplan PLUS:

    Was ist vom Tablet-Einsatz im Unterricht zu halten? Die MZ holte dazu Informationen bei der Universität Regensburg ein. Laut Medienpädagogin Theresia Friedl-Schneider von der Fakultät Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft gibt es weit mehr Aspekte, die für das Projekt sprechen, als dagegen: „Schüler erwerben Medienkompetenz; Medienbildung ist eines der fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele im neuen Lehrplan PLUS.“ Die Verwendung von Tablets im Unterricht entspreche auch der Lebenswelt vieler Familien; bereits 65 Prozent der Haushalte verfügten über ein solches Gerät.

  • Differenzierung:

    „In der Schule sollten die Jugendlichen einen sachgerechten und lernbezogenen Umgang mit Tablets lernen“, betont Friedl-Schneider. Schulen benötigten unbedingt ein Konzept, wie digitale Medien systematisch eingeführt werden, Lehrer sollten sich schulen lassen, damit sie den Mehrwert der digitalen Werkzeuge zur Geltung bringen können. Das Fazit der Expertin: „Der Unterricht wird nicht automatisch ,besser‘ durch neue Werkzeuge. Wichtig und zentral ist immer noch der Lehrer als Organisator und Betreuer von Lernprozessen.“

  • Kritische Stimmen:

    Laut Theresia Friedl-Schneider gibt es auch eine Gegentendenz, die im extrem sogar fordert, Schulen sollten medienfreie Zonen sein. Manfred Spitzer habe beispielsweise 2005 die These aufgestellt, Bildschirmmedien machten „dumm, aggressiv, traurig und dick“. Der Neurobiologe Gerald Hüther erklärte 2008, die Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen werde durch Medienkonsum maßgeblich gefährdet. Friedl-Schneider dazu: „Beide gehen von einem exzessiven Mediennutzung aus, wenn Kinder und Jugendliche gleichzeitig sonst nichts anderes erleben.“ (ht)

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  • GJ
    Gerhard Jutz
    18.02.2017 17:42

    Einmal mehr sieht man, dass das RTG zu den innovativsten und besten Schulen im Landkreis gehört. Dr. Gerhard Jutz

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