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Kultur

Nittenauer Kulturbühne „Antik“ startet

Tom Riedhammer und Sonja Götzer laden im März zu ihrem ersten Musik- und Comedy-Abend. Doch das Projekt ist auch riskant.
Von Thomas Rieke

Da strahlt Tom Riedhammer: Binnen weniger Wochen ist es ihm gelungen, für die Nittenauer Kulturbühne im „Antik“ ein sehr beachtliches Programm zu stricken.Fotos: xtk/Th. Kreissl/ariedlba(2)/flez-orange.de

Nittenau.Das Lampenfieber steigt! Auch wenn Tom Riedhammer, Betreiber der neuen Kulturbühne an der Wulkersdorfer Straße und Mitglied der Band „Cold Mountain“, am 5. März nicht selbst in die Saiten greift, so kann er eine gewisse Anspannung doch nicht verbergen. Sie ist entstanden durch den Stress der letzten Monate, in denen er so sehnlich auf das grüne Licht der Behörden wartete, und durch den Zeitdruck, unter dem er in der Folge binnen weniger Wochen ein Programm stricken musste, das nicht nur den eigenen Erwartungen entsprechen sollte, sondern auch das Interesse der Menschen aus der Region weckt.

Mark n Simon machen am 5. März den Auftakt. Foto: ariedlba

Das könnte dem 46-Jährigen gelungen sein. Wer sich unter www.live-im-antik.de auf die Suche macht, findet bis in den Mai hinein ein hochinteressantes Angebot an Kabarett und Konzerten, das es in dieser Dichte und Qualität in Nittenau noch nicht gegeben haben dürfte. Am 5. März endlich hebt sich erstmals der Vorhang: Mit Mark ’n’ Simon treten zwei Profis ins Rampenlicht, die seit über zwanzig Jahren mit einem Mix aus Musik und Comedy erfolgreich durch die Lande ziehen – und die Riedhammer unbedingt in seinem Premieren-Programm haben wollte.

Eines haben Riedhammer und sein Kompagnon, Antikladen-Inhaberin Sonja Götzer, 2015 schnell gelernt: Wunsch und Wirklichkeit gehen auch im Kulturbetrieb oft weit auseinander. Zwar hatte es nach dem ersten „Versuchsballon“ vor gut einem Dreivierteljahr von allen Seiten Schulterklopfen und anerkennende Worte gegeben („So was braucht Nittenau!“), doch das Genehmigungsverfahren selbst erwies sich als umso umständlicher. Zwischendurch war es bedenklich ruhig um die „Kulturbühne“ geworden. Hatten sich zwei Idealisten in ein Abenteuer begeben, dem sie nicht gewachsen waren?

Hubert Burghardt will am 9. April durch spitzfindige Statements aufhorchen lassen. Foto: ariedlba

Riedhammer/Götzer haben durchgehalten. Brav erfüllten sie Stück für Stück die Auflagen (was nicht ganz billig war), und mächtig legten sie sich auch ins Zeug, um aus dem ehemaligen Ausstellungsraum für antikes Mobiliar ein urgemütliches „Wohnzimmer“ für rund 120 Personen zu gestalten und eine moderne Bühne zu integrieren. Vom Backstagebereich ganz zu schweigen!

Im Dezember, wenige Tage vor Weihnachten, lag endlich die Genehmigung der Behörden vor, was bei Riedhammer die Aktivität nur weiter verstärkte. Denn nun galt es wirklich, mit Volldampf am Programm zu basteln. Seine größte Sorge: dass sich die allermeisten namhaften Künstler für das erste Halbjahr 2016 bereits anderweitig gebunden haben könnten.

Uncle Sally gastiert am 26. März in der Kulturbühne. Foto: Kreissl

Und so schickte Riedhammer eine Mail mit einem mächtigen Verteiler ins Land, um sich dann doch recht bald über reges Feedback zu freuen. Zwar haben einige „Koryphäen“ wie der Münchner Isarindianer Willy Michl überhaupt nicht geantwortet, dafür gab es Zuschriften von Agenturen und Künstlern, die Riedhammer selbst gar nicht auf dem Schirm hatte.

Flex Orange: Am 15. April spielen sie im „Live im Antik“ auf. Foto: Flex orange.de

„Theoretisch könnte ich den Kalender jetzt zunageln bis 2017!“, berichtet Riedhammer, um sogleich zu erklären, weshalb er genau dies nicht macht: Das Angebot sollte unbedingt zu Nittenau und seinem Menschenschlag passen. Und bezahlbar muss er auch sein. Fürs Publikum, in erster Linie aber für den Bühnenbetreiber selbst! Die Fixgagen, die viele Künstler vorgestreckt haben wollen, sind laut Riedhammer teils erstaunlich hoch. Nicht dass er neidisch wäre; er betont dies nur, um sein unternehmerisches Risiko zu verdeutlichen. Als Newcomer in der Szene darf er zwar auf einen positiven Neugierdeeffekt hoffen, doch deutet sich schon jetzt an, dass es längst keine Selbstverständlichkeit sein wird, regelmäßig Gewinn einzufahren. Das „Antik“ ist nicht groß, so dass selbst bei einem vollen Haus die Einnahmen überschaubar bleiben, zumal die Eintrittspreise (zehn bis 17 Euro) bisher sehr zivil gestaltet sind.

„Im Anfang ist es eben ein permanentes Jonglieren“, macht sich Riedhammer nichts vor. Die „Kulturbühne“ sei in der Tat so etwas wie ein Lebenstraum für ihn und Sonja Götzer, für den er bereit sei, viel zu geben. Doch unterm Strich müsse sich der „Laden“ auch wirtschaftlich tragen. Ende des Jahres werde man klüger sein, und so lange wolle man definitiv durchhalten.

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