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Konflikt

Steinbruch-Gegner lassen nicht locker

Der Chef der BI „Natur und Heimat“, Dr. Böhm, sieht sich durch Teilerfolg ermutigt. Walds Bürgermeister steht in der Kritik.
Von Renate Ahrens

  • Bis vor zwei Wochen war der „Silbersee“ noch eisbedeckt. Die BI Natur und Heimat sieht ihn durch die Steinbruchpläne bedroht. Foto: Kerscher
  • Die Vorstandschaft wurde bei der Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative einstimmig wiedergewählt. BI Chef bleibt Dr. Böhm (Vierter von links), sein Stellvertreter Seidl Foto: Ahrens
  • Die schweren Maschinen wurden eingesetzt, obwohl der Boden (Gemeindeweg) völlig durchweicht war. Foto: Kerscher
  • Auch mit diesem Plakat macht die Bürgerinitiative auf sich und ihre Ziele aufmerksam. Foto. Klöckner

Nittenau.Nicole Kerscher lebt mit ihrer Familie und vielen Tieren auf einem Einödhof in Weitenfürst, nur etwa 400 Meter entfernt vom „Silbersee“, wie er von Einheimischen wegen seiner Schönheit und idyllischen Lage nach Karl Mays „Winnetou“ genannt wird. Entstanden ist der See bei Gumping vor Jahrzehnten durch Granitabbau, der dann aber vor 44 Jahren eingestellt wurde. Die Natur kann sich seitdem ungestört entwickeln, geschützte Tierarten wie Fledermäuse, Süßwasserquallen oder Edelkrebse siedelten sich an.

Ist diese Idylle bedroht? Die Firma JS Steinwerke in Nittenau will erneut Stein abbauen – mit ungeahnten Konsequenzen, wie die „Bürgerinitiative für Natur und Heimat – kein neuer Steinbruch in Gumping e. V.“ warnt. Der Steinbruchsee werde durch dieses Vorhaben zerstört, viele Tier- und Pflanzenarten getötet. „Wir fordern vor der Genehmigung eine entsprechende Untersuchung der Schutzwürdigkeit“, erklärt Dr. Bernhard Böhm, wiedergewählter Vorsitzender der BI, bei der Mitgliederversammlung am Sonntag in Asang.

Lob für Nittenauer Stadtväter

Die Gruppe, die aus zurzeit 92 Mitgliedern besteht und vor fünf Jahren ihre Arbeit aufnahm, fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. Zwar gehört der winzige Ort Gumping zur Gemeinde Wald im Landkreis Cham, aber Nittenau ist nur wenige Kilometer entfernt. „Die Stadträte dort haben uns unterstützt und sind aktiv geworden“, blickt Böhm auf die Ratssitzung vom September 2016 zurück, bei der sich das Nittenauer Gremium einstimmig für eine Umweltverträglichkeitsprüfung ausgesprochen hat. Aber das könne nicht alles sein, so Böhm. Mehrfach habe die BI den Landtag angeschrieben und schließlich im Januar dieses Jahres eine Petition mit 1207 Unterschriften eingereicht – allerdings sei diese noch nicht abschließend beurteilt, weil Unterlagen fehlten.

„Mehr hätten wir bisher nicht erreichen können. Momentan rollt kein Lkw.“

Dr. Bernhard Böhm

Immer noch unklar sei auch, warum das Grundstück geteilt wurde und eine Gesamtsteinbruchfläche von 9,85 Hektar angegeben wird, obwohl das Gebiet rund zwölf Hektar groß ist. Erst ab zehn Hektar schreibe der Gesetzgeber ein förmliches Genehmigungsverfahren mit öffentlicher Beteiligung vor, so Böhm.

Besorgnis erregt nun der jüngste Vorfall: Seit Januar ließ die Firma JS Laubbäume wie Eichen und eine alte Ulme in der Zufahrt zum Steinbruch roden – kein gutes Zeichen sei das. „Der Weg zum See wurde auf zehn bis 20 Meter Breite selektiv abgeholzt“, erklärt Böhm, ebenfalls direkter Anwohner. Der Öffentlichkeit müsse bewusst werden, welche Auswirkungen der Steinabbau haben würde. Doch die geplante Teilbürgerversammlung habe immer noch nicht stattgefunden. Im Gegenteil: „Der Bürgermeister von Wald ist an den Einnahmen interessiert und nicht an einer Konfrontation“, bemerkte Erik Wirth. Nicole Kerscher ist überzeugt: „Der Granitstaub wird sich überall verteilen, und der Lärm vom Brechen der Steine ist bis in drei Kilometer Entfernung zu hören.“

Seit Januar ließ die Firma JS Laubbäume wie Eichen und eine alte Ulme in der Zufahrt zum Steinbruch roden – kein gutes Zeichen sei das. „Der Weg zum Silbersee wurde auf zehn bis 20 Meter Breite selektiv abgeholzt“,Foto: Kerscher

Claudia und Erik Wirth besitzen ganz in der Nähe des Sees einen Reitbetrieb. „Es geht nur um den Profit. Das Verkehrsaufkommen ist ja jetzt schon hoch“, sagt Claudia Wirth empört. Die Lastwagen müssen zwei Nadelöhre in Asang passieren, eines bei der Kirche und eines bei einer Kurve. Befürchtet werden 250 bis 300 Lkw zusätzlich jeden Tag auf der Staatsstraße zwischen Rossbach und Nittenau. Der entstehende Steinstaub sei gefährlich und feiner als Asbeststaub, so das Argument der BI. Und überhaupt reiche der in Betrieb befindliche Steinbruch in Treidling schon, für einen weiteren sei gar kein Bedarf, so sind sich die 16 Anwesenden der Mitgliederversammlung sicher.

Schwinger kritisiert „Horrorbild“

Warum sollte man also die Natur zerstören und Lärm- und Staubbelastungen auf sich nehmen? Die Nachfrage sei durchaus da, derzeit würden 500 Millionen Tonnen pro Jahr in Deutschland benötigt, hat Jörg Schwinger, Geschäftsführer der Firma JS, erst im Februar erklärt, und: „Einen besseren Platz für einen Steinbruch findet man nicht.“ Nur vier Anwesen gebe es im Umkreis von 600 Metern, das Vorkommen biete Stein bis zum Jahr 2050. Sprengen sei kein Problem – auch nicht für die Fische im See nebenan, meint der Firmenchef. Es würden Techniken genutzt, die wenig Schwingungen verursachten und weit unter den Grenzwerten blieben. Die BI zeichne ein „Horrorbild“ von dem, was geplant sei. Auch das Verkehrsaufkommen sei nicht so wie von ihr dargestellt – sein Gutachter gehe von 80 Lastwagen täglich aus.

„Zu wenig Menschen kennen diese wunderschöne Natur dort.“

Dr. Bernhard Böhm

„Es ist enttäuschend, wie Schwinger die Bemühungen, die Wahrheit auf den Tisch zu bringen, als Kleinigkeit abtut“, so Böhm am Sonntag empört. „Alles was wir sagen, sind Fakten und ist geprüft, auch durch neutrale Gutachter.“ Es gehe nicht darum, etwas einfach zu verbieten, sondern um „die Wahrheit und die Konsequenzen“.

Unternehmer Jörg Schwinger will sich von der BI nicht bremsen lassen. Deren Bedenken seien maßlos übertrieben. Foto: Klöckner

Die Online-Petition läuft weiter, es können sich noch Interessierte eintragen. Flyer wurden verteilt und Plakate aufgehängt. Der nächste Schritt wäre die Klage. Noch blickt man zuversichtlich in die Zukunft: „Die Aufschiebung werten wir als positives Zeichen und Teilerfolg. Wir haben eine Chance, diese muss kontinuierlich weiterverfolgt werden. Immerhin haben wir seit fünf Jahren den Abbau verhindern können“, spornte Böhm an. Alle waren sich einig: „Wir kämpfen weiter.“ Schwinger war am Montag für eine erneute Stellungnahme nicht erreichbar. Schon im Februar aber hatte er betont: Wegen 1000 Leuten, die die Petition der BI unterstützen, lasse er nicht von seinem Vorhaben ab.

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Stein für höchste Ansprüche

  • Wichtig für die Bahn:

    Laut Jörg Schwinger von der Firma JS Steinwerke ruht ein ganz besonderer Brocken in der Erde bei Gumping: dunkler Diorit. Dieser Stein sei erst Granit gewesen, dann nochmals vor Jahrmillionen geschmolzen und habe sich hier in der Oberpfalz nach oben gedrückt. Die Entstehung mache ihn wertvoller, überall einsetzbar – und wirtschaftlich im Abbau. Der Stein eigne sich für höchste Ansprüche, deshalb werde ein Großteil als Schotter an die Deutsche Bahn verkauft.

  • Konsequenzen für die Natur:

    Nach Ansicht der Bürgerinitiative ist die „Totalzerstörung eines Lebensraumkomplexes dieser Wertigkeit“ durch ein Steinbruchprojekt unverantwortlich. Der geplante zehn Hektar große und 90 Meter tiefe Steinbruch beinhalte maßgebliche Wasserteile des Gumpinger Sees. Dieser, so die BI, würde bis auf einen Tümpel auslaufen. Sprengungen, Verkehr, Maschinenöle, Schwebestäube und krebserregender Quarzfeinstaub würden den See und die Natur zerstören.

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