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Verkehr

Anlauf für eine fahrradfreundliche Stadt

Von Stellplätzen bis zur Einbahnregelung: Die ÖDP hat einen Katalog für eine bessere Infrastruktur in Schwandorf vorgelegt.
Von Hubert Heinzl

An der autofreundlichen Friedrich-Ebert-Straße soll die Situation für Radler verbessert werden, fordert die ÖDP als eine von vielen Maßnahmen.. Fotos: Heinzl

Schwandorf.Er selbst, sagt ÖDP-Stadtrat Alfred Damm, ist nur „ab und zu“ mit dem Radl unterwegs. Das bringe einfach der Beruf mit sich und der Zwang zur geschäftsmäßigen Kleidung, erzählt er der MZ. Doch für viele Schwandorfer – ob Schüler, Senioren oder einfach nur umweltbewusste Bürger – ist immer noch der Drahtesel das Verkehrsmittel der Wahl. Vor allem in der Innenstadt ist man mit dem Fahrrad oft genauso schnell unterwegs wie mit dem fahrbaren Untersatz.

„Wir sind erst auf halbem Wege“

Doch es könnte noch wesentlich mehr getan werden, damit die Radfahrer in Schwandorf sicherer und schneller von A nach B kommen, findet Damm. „Wir sind erst auf halbem Wege. Mir fehlt einfach das Gesamtkonzept“, sagt der Stadtrat und hat deshalb einen dicken Maßnahmenkatalog mit zahlreichen Verbesserungsvorschlägen an die Stadt geschickt. Die Vorarbeiten leistete der unlängst verstorbene ÖDP-Stadtrat Martin Brock, unter anderem bei vier systematischen Erkundungen in den vergangenen Jahren. Alfred Damm hat die Initiative nun zu einem vorläufigen Ende gebracht und in einen Antrag gepackt.

Das Paket enthält zahlreiche Einzelvorschläge auf dem Weg zu einer nicht nur auto-, sondern auch fahrrad und fußgängergerechten Stadt: Schutzstreifen, so schwebt es der ÖDP vor, könnten künftig etwa an der Friedrich-Ebert- oder der Bahnhofstraße für mehr Sicherheit sorgen, Radfahren gegen die Einbahnrichtung etwa an der Augustinstraße den Ost-West-Verkehr in beiden Richtungen beschleunigen. Gerade an den Straßenzügen, die die Stadt in nächster Zeit umgestalten will, hält Damm eine solche Regelung für sinnvoll – also an der D.-Martin-Luther-Straße, der Kloster- und vor allem der Friedrich-Ebert-Straße, die ja bekanntlich verkehrsberuhigt werden soll. Viel müsse das im Einzelfall nicht kosten, sagt der ÖDP-Stadtrat und verweist auf das Beispiel Rathausstraße, wo seit Mai ein Zusatzschild das Radfahren gegen die Einbahnrichtung erlaubt.

Auch an der Naabuferstraße mit ihrem enormen Verkehrsaufkommen sieht Stadtrat Damm noch Handlungsbedarf. „Auf der Stadtseite ist ein Fahren auf dem Gehweg zu gefährlich, da man direkt an den Hauseingängen vorbei fährt“, heißt es in seinem Antrag. Stattdessen solle der Fußweg auf der Naabseite, auf dem Radler bisher gleichsam nur toleriert sind, zum kombinierten Fuß- und Radweg ausgebaut werden, fordert er.

Auch an einen besseren Service für die Radler hat Damm gedacht. Der Abstellplatz am Bahnhof, wo sich tagsüber in buntem Chaos die Fahrräder drängen, sollte nach seinen Vorstellungen überdacht und mit Halterungen zum Festmachen der Räder versehen werden. „Befestigte Abstellmöglichkeiten in der Stadt gibt es ohnehin viel zu wenig“, ergänzt der ÖDP-Stadtrat. Die Stadt sollte auch beim behindertengerechten Ausbau des Bahnhofs „das Fahrrad berücksichtigen“ und dazu in Verhandlungen mit der Bahn eintreten.

Alfred Damm will nicht unterstellen, für Radfahrer habe sich in Schwandorf bisher nichts getan. Aber er vermisst eine systematische Behandlung des Themas. Und so fordert er, dass die Stadt Mitglied bei der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern“ werden solle. Der ÖDP-Stadtrat: „Man sollte sich auf diesem Gebiet vernetzen. Dann kann man auch Ideen und Sachverstand abrufen“. Die Stadtverwaltung, heißt es abschließend in dem Antrag, solle die vorgeschlagenen Maßnahmen prüfen und einen „Aktionsplan“ entwickeln, damit die Vorschläge bis zum Ende der Wahlperiode realisiert werden könnten.

Im Frühjahr auf der Tagesordnung

Die Stadt hat eine solche Prüfung bereits zugesagt, wie Pressesprecher Lothar Mulzer auf Anfrage der MZ verlauten ließ. Unter Federführung des Ordnungsamts würden die Anregungen zurzeit „mit den Fachstellen erörtert“, sagte er. Ein Ergebnis ist nach seinen Worten heuer aber nicht mehr zu erwarten. Eine Behandlung im Verkehrsausschuss ist laut Mulzer „in einer öffentlichen Sitzung im Frühjahr 2017“ geplant. Stadtrat Damm findet das „eigentlich zu spät: „Wenn ich die Maßnahmen in den Haushalt hineinbekommen will, dann muss ich das heuer noch machen. Sonst passiert 2017 nicht viel – zumindest nichts, was Geld kostet“.

Vier Vorschläge

  • Brennpunkt Naabuferstraße:

    Die Naabuferstraße, so der Vorschlag von ÖDP-Stadtrat Alfred Damm, sollte an der Naabseite einen kombinierten Geh- und Radweg bekommen, der diesen Namen verdient. „Auf der Stadtseite ist ein Fahren auf dem Gehweg zu gefährlich, da man direkt an den Hauseingängen vorbeifährt“, heißt es im Antrag.

  • Brennpunkt Bahnhofstraße:

    „Bei der Neugestaltung wurde der Radfahrer komplett vergessen. Die Gehwege sind für ihn nicht geeignet“, schreibt die ÖDP in ihrem Antrag. Ihre Forderung: Richtung Bahnhof soll ein Schutzstreifen für Radler angebracht werden. Ob er auch in Richtung Innenstadt möglich ist, soll die Stadtverwaltung prüfen.

  • Brennpunkt Bahnhof:

    Die chaotischen Zustände an der Fahrrad-Abfläche beim Bahnhof sollen nach den Vorstellungen der ÖDP beseitigt werden. Der Vorschlag: Platz schaffen für mehr überdachte Abstellplätze mit Halterungen zum Festmachen der Räder. Die Stadt solle dazu in Verhandlungen mit der Bahn eintreten, so Stadtrat Damm.

  • Brennpunkt Augustinstraße:

    Die Augustinstraße ist verkehrsberuhigt worden. Sie ist laut ÖDP allerdings breit genug, um Radlern auch ein Fahren entgegen der Einbahnrichtung zu ermöglichen. Diese Möglichkeit, fordert Stadtrat Damm, solle bei einem Ausbau auch an der Dr.-Martin-Luther- und der Klosterstraße geschaffen werden. (hh)

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