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Dienstag, 21. November 2017 7

Verkehr

Anwohner fordern Schutz gegen Bahnlärm

Im Schwandorfer Ortsteil Klardorf informierten sich 70 Bürger über die Konsequenzen der Gütertrasse „Naabtal 21“.
Vom Maximilian Schmid

Bis zu 45 Güterzüge könnten künftig durch Klardorf rauschen. Die Anwohner der Bahnstrecke verfolgen die Entwicklung mit Skepsis. Foto: smx

SCHWANDORF.Die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Hof nach Regensburg wurde im Dezember als „vordringlicher Bedarf“ in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Der Güterkorridor „Naabtal 21“ rückt damit näher. Rund 70 Bürger folgten der Einladung der CSU in Klardorf zu einem Informationsabend in Turmrestaurant Obermeier.

Vorsitzender Thomas Schmid betonte, dass die Veranstaltung parteiübergreifend sein sollte, man müsse „jeden ins Boot holen“. Vonseiten der CSU stand der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier als einer der Referenten zur Verfügung. Denn nach einer Äußerung eines hochrangigen Bahn-Vertreters bei einem Ortstermin in Klardorf müsse man befürchten, dass der Bahnübergang im Ort eines Tages geschlossen werde und Klardorf damit in zwei Teile zertrennt werde, erklärte Schmid.

Lärmvorsorge am Güterkorridor

Hintergrund des Info-Abends sei die Zunahme des Güterverkehrs auf der Bahnlinie Hof – Regensburg nach erfolgter Elektrifizierung und die Auswirkungen auf die Kommunen und Bürger, die an der Bahnstrecke leben.

Als Hauptreferent zitierte Thomas Kraus vom „Forum Bahnlärm – Güterkorridor Naabtal 21“ den ehemaligen Bahn-Chef Grube: „Von einem mündigen Bürger kann man erwarten, dass er sich frühzeitig informiert und nicht erst dann aktiv wird, wenn wichtige Entscheidungen gefallen sind.“ Kraus ist selbst Anwohner der Bahnstrecke ist und informiert seit sieben Jahren Bürger über die zu erwartenden Auswirkungen. Nach dem der Bundesverkehrswegplan im Dezember 2016 verabschiedet und die genannte Strecke als vordringlicher Bedarf eingestuft worden sei, gelte es nun, bestimmte Fakten deutlich zu machen. Kraus betonte, dass das Forum nicht gegen die Elektrifizierung der Bahnstrecke sei, sondern sich vielmehr gegen einen Güterzugkorridor ohne wirksame Lärmvorsorge und ohne Erschütterungsschutzmaßnahmen wehre.

Der geplante Korridor sei mittlerweile seit acht Jahren bei der Deutschen Bahn im Gespräch und eine mögliche Fertigstellung bis 2024 geplant. Während die Bahn 2011 noch von rund 80 Güterzügen am Tag gesprochen habe, sei dieser Wert nun auf rund 45 Züge pro Tag korrigiert worden. Dies bedeute aber immer noch, dass durchschnittlich alle 34 Minuten, auch während der Nachtzeit, ein Güterzug auf der Strecke fahre. Das Forum Bahnlärm befürchte deshalb Gesundheitsschäden durch Lärmbelästigung und viele weitere Nachteile für die Anwohner an der Bahnstrecke.

Die Elektrifizierung der Bahnstrecke bringe keinen Anspruch auf Lärmvorsorge mit sich, weil es sich nach dem Gesetz um „keine wesentliche bauliche Änderung“ handle, informierte Kraus. Als Lösungsansätze nannte er eine professionelle Begleitung durch Fachanwälte und Gutachter und eine hohe Beteiligung betroffener Bürger. Zudem gelte es, den Handlungsdruck auf die Politik zu erhöhen.

Holmeier verspricht Unterstützung

MdB Karl Holmeier informierte darüber, dass die Bundesregierung mehr Geld in die Schiene gesteckt habe, die Bahn aber nicht in der Lage gewesen sei, die Mittel zu verbauen. Man fordere deshalb „Vorratsplanungen“ von der Deutschen Bahn. Sicher sei, dass der Verkehr in Deutschland weiter zunehmen werde. Bis 2030 werde mit einem Anstieg um 43 Prozent gerechnet. Deshalb sei es erklärtes politisches Ziel, den Bahnlärm zu reduzieren.

In diesem Zusammenhang habe man den sogenannten „Schienenbonus“, der eine höhere Lärmentwicklung bei Zügen zuließ, bereits abgeschafft. Die Hälfte der DB-Züge sei zudem bereits umgerüstet oder durch neue Züge ersetzt worden, sagte Holmeier, der hofft, dass alle deutschen Güterwagen bis 2020 umgerüstet seien. Da aber auch viele ausländische Züge durch Deutschland fahren, sei erheblicher Diskussionsbedarf mit Europa angesagt.

Die Bundesregierung bestehe außerdem auf einer Aussage der Deutschen Bahn, in der klar gesagt werde, ob es sich bei der Elektrifizierung um eine wesentliche bauliche Änderung handle. MdB Holmeier sagte den Klardorfern seine Unterstützung zu: „Ihr habt uns im Boot“.

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Maximalen Lärmschutz fordern

  • Weitere Nachteile

    durch den zunehmenden Güterverkehr: Schwächung der Attraktivität der Gemeinden an der Bahnstrecke; mögliche Schließung von Bahnübergängen; Verlust an Lebensqualität; Wegfall der Nachtruhe durch den Lärm der Güterzüge mit über 100 dB(A); Wertminderung von Immobilien; Beschädigung von Gebäuden durch Erschütterung; Gesundheitsschädigung.

  • Das Forum Bahnlärm

    Güterkorridor Naabtal 21 ruft alle betroffenen Bürger schon jetzt dazu auf, den maximalen Lärmschutz einzufordern und verweist dabei auf diese Nachteile. (smx)

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