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Tourismus

Auch heuer wieder Rekordsaison in Sicht

Die Wintersaison brachte fast 13 Prozent mehr Übernachtungen. Trotz des verregneten Sommers sind viele Betriebe ausgebucht.
Von Hubert Heinzl

E-Bikes werden bei Ausflügen immer beliebter. Unser Bild zeigt zwei Radler bei Burglengenfeld.Foto: Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald

Schwandorf.Manchmal können gefühlte Wahrheiten ganz schön in die Irre führen. In den vergangenen Wochen verhieß der Blick aus dem Fenster nichts Gutes für den Tourismus im Landkreis Schwandorf: Schwere Regenwolken, Niederschläge ohne Ende – der Sommer schien so richtig abgesoffen, bevor er überhaupt begonnen hat. Aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Nach der Auswertung des Winterhalbjahrs steuert der Landkreis auf weitere Rekorde zu. „Letztes Jahr war mit einem Plus von knapp sieben Prozent schon ein gutes Jahr. Doch heuer ist die Nachfrage nach Deutschland sogar noch stärker geworden“, sagt Alexandra Beier, die Leiterin des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald in Nabburg.

Zuletzt 127 812 Übernachtungen

Die Region profitiert davon. Laut Beier sind die Übernachtungszahlen zwischen November und April dieses Jahres im Vergleich zur Vorsaison um 12,8 Prozent auf genau 127 812 gestiegen. Das ist nach dem mühseligen Anstieg in den vergangenen Jahren mit dem ersten deutlichen „Peak“ in der vergangenen Saison fast schon sensationell. Aktuellere Daten hat das Statistische Landesamt noch nicht übermittelt, doch auch für die Hauptsaison gibt es deutlich positive Signale. Trotz durchwachsenem Wetter waren nach den Worten Beiers die Campingplätze auch in den vergangenen Wochen gut gebucht. Mitunter mussten die Nabburger Touristiker Urlaubern auf der Suche nach Alternativen sogar unter die Arme greifen. „Es wird einfach sehr gut gebucht“, so Beiers Erfahrung aus den vergangenen Wochen und Monaten.

Joachim Häring, Geschäftsführer des Zweckverbands Oberpfälzer Seenland, teilt diese Einschätzung. „Von Eintrübung kann nicht die Rede sein. Der Trend ist positiv, das muss man ganz klar sagen“, fasst er die Stimmungslage zusammen. Auf den jüngsten Messen gingen die Magazine und Flyer des Zweckverbands nach seinen Worten buchstäblich weg wie die warmen Semmeln. Die Auflage des Urlaubsmagazins, in dem das „Oberpfälzer Seenland“ einmal im Jahr sein Angebot präsentiert, soll in der nächsten Saison schon einmal von 18 000 auf 20 000 erhöht werden. Dass Tagesausflügler und Badegäste die positive Tendenz nicht noch verstärkten, hat natürlich mit dem Wetter zu tun. Aber Häring ist sicher: Sobald der Sommer seinen Namen auch verdient, wird es auch in diesem Segment noch deutlich aufwärtsgehen.

Die Gründe für den Boom verorten die Tourismus-Fachleute aber nicht nur in der allgemeinen Weltlage. Fakt ist für sie eben auch, dass speziell die Marken „Oberpfälzer Wald“ oder „Seenland“ stärker in den Fokus der Urlauber gerückt sind.

Eine einheitliche Beschilderung

Das hat mit verstärkten Anstrengungen der Urlaubsregionen zu tun, ihren Außenauftritt unter der Dachmarke „Oberpfälzer Wald“ zu systematisieren und zu ordnen. Der Landkreis Schwandorf beispielsweise nimmt in diesem Jahr viel Geld für eine einheitliche Beschilderung des 400 Kilometer langen Radwegenetzes in die Hand. Ab Ende August sollen laut Beier die Schilder an den einzelnen Routen angebracht werden, bis Jahresende will man fertig sein. Rund 150 000 Euro kostet die Maßnahme; 60 Prozent des Investments trägt die EU über die „Leader“-Förderung. Eine neue Radkarte soll das Projekt 2017 dann abschließen.

Auf diesen Lorbeeren ausruhen wollen sich die Touristiker allerdings nicht. Zwar ist das Radwegenetz im Landkreis Schwandorf laut Beier „im Wesentlichen komplett“. Doch will man mit Zertifizierungen zusätzliche Gäste auf die Strecken locken – ähnlich wie mit dem „Goldsteig“ als Premium-Wanderweg. Eine „neue große Oberpfälzer-Wald-Runde“ ist ebenfalls geplant. Und bei den Wanderwegen soll ebenfalls die Beschilderung überarbeitet werden. Für die Infrastruktur will man auch bei den E-Bikes etwas tun, wo sich inzwischen ein echter Massenmarkt etabliert hat. Ein System von Ladestationen soll ab dem nächsten Frühjahr im Oberpfälzer Wald entstehen – ebenfalls gefördert mit EU-Mitteln. Allein im Landkreis Schwandorf sind 40 solcher „E-Tankstellen“ geplant.

Mit dem Angebotsmix selbst sind die Touristiker ohnehin zufrieden, und darin liegt wohl der zweite Grund, warum es die Gäste zunehmend in die Region zieht. Geschäftsführer Hering formuliert es so: „Der Königssee bei Berchtesgaden ist sicher eine tolle Destination mit seiner imposanten Bergkulisse. Aber was die Freizeitaktivitäten angeht, sind der Landkreis Schwandorf und das Seenland eine ganz andere Welt.“ Die Vielfalt möglicher Aktivitäten ist enorm, soll das heißen – baden, rad fahren, wandern, angeln, reiten und ganz allgemein Familienurlaub heißen die Stichworte.

2017 kommt die Service-Offensive

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in der Region bekannt gut, da kann niemand meckern. Bei der Qualität gibt es die üblichen Unterschiede von Betrieb zu Betrieb. Aber auch dieses Thema will Geschäftsführer Häring, der im Einzelfall bei Beschwerden schon mal als „Troubleshooter“ auftritt, angehen. Voraussichtlich schon im kommenden Jahr plant er eine „Service-Offensive im Seenland“, erklärte er der MZ, ohne zunächst weitere Details zu verraten.

Was die Touristiker planen

  • Radwege:

    Im Landkreis Schwandorf soll noch in diesem Jahr das rund 400 Kilometer lange Radwegenetz einheitlich beschildert werden. Die Schilder werden ab Ende August angebracht, bis zum Jahresende soll die Maßnahme abgeschlossen sein. Von den Kosten in Höhe von rund 150 000 Euro trägt die EU über das EU-Förderprogramm „Leader“ 60 Prozent. Der Ausbau der touristisch genutzten Radwege im Landkreis ist im Wesentlichen abgeschlossen. Doch ist eine neue überregionale „Oberpfälzer-Wald-Runde“ geplant. Auch die Zertifizierung von Radwegen vollen die Tourismus-Fachleute forcieren.

  • Trend E-Bikes:

    Der zunehmenden Beliebtheit von E-Bikes soll auch im Tourismus Rechnung getragen werden. Geplant ist im Gebiet des Naturparks Oberpfälzer Wald ein Netz von 80 Ladestationen, von denen laut Alexandra Beier die Hälfte allein im Landkreis Schwandorf errichtet werden soll.

  • Wanderwege:

    Wenn die Verbesserung des Leitsystems an den Radwegen abgeschlossen ist, soll auch an den Wanderwegen im Landkreis Schwandorf eine einheitliche Beschilderung angebracht werden. Auch hier sind EU-Mittel zu erwarten.

  • Thema Qualität:

    Der Zweckverband Oberpfälzer Seenland plant laut Geschäftsführer Joachim Häring im kommenden Jahr eine große „Service-Offensive“, um das Thema Qualität noch stärker in den Fokus zu rücken.

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