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Freitag, 19. Januar 2018 5

Regionalkonferenz

Dezentrale Energie statt lange Leitung

Die Oberpfälzer Grünen ziehen die Energiegewinnung vor Ort dem aufwendigen und teueren Transport auf Stromautobahnen vor.

Bernhard Schmidt (links), MdL Martin Stümpfig, Bürgermeister Jürgen Huber und der Geschäftsführer der Energieagentur Regensburg, Ludwig Friedl (erste Reihe von links) sprachen beim Regionalkongress. Fotos: Ingrid Hirsch

Schwandorf.„Die Energiewende kommt nicht so schnell voran wie wir uns das vorstellen“, sagte Jürgen Mistol (Regensburg). „Dranbleiben“ nannte der Landtagsabgeordnete der Grünen deshalb den Regionalkongress am Samstag in der Spitalkirche. Fachleute erklärten, „was machbar und umsetzbar ist“.

„Wir kämpfen für bessere Rahmenbedingungen“, gab Jürgen Mistol zu verstehen. Der Grünen-Politiker sieht „die Potenziale vor Ort“ längst nicht ausgeschöpft. Sein Landtagskollege Martin Stümpfig (Feuchtwangen) ist der gleichen Meinung: „Die Quote der Gebäudesanierungen liegt in Bayern bei nur einem Prozent“. Der Abgeordnete spürt ein „enormes Informationsdefizit“ in der Bevölkerung.

Energieagenturen sollen Abhilfe schaffen

MdL Jürgen Mistol: „Die Energiewende kommt nicht so schnell voran wie wir uns das vorstellen“.

Energieagenturen sollen hier Abhilfe schaffen. In Bayern gibt es elf solcher Einrichtungen unter kommunaler Trägerschaft, die Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen beraten, eine davon ist in Regensburg. Ludwig Friedl ist Geschäftsführer der dortigen Energieagentur, die Hilfestellung leistet beim Bemühen, den Energiebedarf zu senken, die Effizienz zu steigern und erneuerbare Energien einzusetzen. Der Diplom-Betriebswirt sieht gerade bei der Sanierung kommunaler Gebäude erheblichen Nachholbedarf. Diplom-Ingenieur Werner Goller vom Bayerischen Bauindustrieverband betonte das Bemühen der Baubranche, bei der Auswahl der Materialien Ökologie und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Bürgermeister Jürgen Huber, Klima- und Umweltreferent der Stadt Regensburg, wünscht sich „ein Umsatteln vom energieträchtigen Baustoff Beton auf Holz“. Er will den Menschen klar machen, „dass es bei der Energiewende um die Verbesserung der Lebensbedingungen geht“. Jürgen Huber möchte die Umweltbildung in den Schulen verankern und plant in der Oberpfalz ein Energiebildungszentrum.

Es gibt Aufklärungsbedarf

Dagmar Kierner, Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft „Werkvolk“ in Amberg, wies auf das unterschiedliche Nutzerverhalten beim Energieverbrauch hin und sah Aufklärungsbedarf. Andreas Scharf, Leiter der Projektentwicklung bei der Ostwind Regensburg, beobachtet einen „bundesweit wachsenden Markt für Windenergie, aber nicht in Bayern“. Mit der 10-H-Regelung sei der Ausbau ins Stocken geraten. Bernhard Schmidt, Geschäftsführer des Unternehmens „Neue Energie West“ in Grafenwöhr, sah auf die Anbieter von Ökostrom Überzeugungsarbeit zukommen: „Die Leute wechseln eher ihren Partner als den Stromanbieter“.

Potenzial für regenerativer Energien

Bayern biete genügend Platz und Potenzial zur Erzeugung von Solar-, Wind- und Wasserenergie, betonte Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner.

Bayern biete genügend Platz und Potenzial zur Erzeugung von Solar-, Wind- und Wasserenergie, betonte Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner. Er favorisiere eine dezentrale Lösung zur Stromversorgung, „weil damit die Wertschöpfung in der Region bleibt“.Den Bau neuer Trassenunter der Erde verglich er mit dem Berliner Flughafen: „Niemand weiß, wieviel sie kosten und wann sie fertig werden“. Der Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg plädierte für „einen Weg der kleinen Schritte“. Denn sollten die geplanten Stromtrassen nicht rechtzeitig fertig werden, bestehe die Gefahr, dass unrentable Gaskraftwerke gebaut werden müssten. Kostengünstiger sei hingegen ein Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort in Kombination mit Speichern.(xih)

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