mz_logo

Gemeinden
Montag, 11. Dezember 2017 4

Ausstellung

Ein Blick unter das Trachtengwand

Das Stadtmuseum Schwandorf widmet sich in einer Schau dem nicht oft sichtbaren Teil der Mode: der Wäsche und den Strümpfen.
Von Katharina Eberwein und Kenan Demir, MZ

  • Eva Maria Keil zupft noch die letzte Unterwäsche zurecht. Fotos: Gabi Schönberger
  • Ein Klöppelkissen gehört auch zu den Ausstellungsstücken.
  • Kinder trugen lange Zeit nur eine kleinere Version der Erwachsenenwäsche.
  • Mit Initialen bestickte Strümpfe aus früheren Zeiten

Schwandorf.Das Bügeleisen steht noch im Ausstellungsraum. Aber Eva Maria Keil, Museumsleiterin und Kuratorin des Stadtmuseums Schwandorf, hat es bald geschafft: Nur noch eine Handvoll Hemden und Unterhosen muss glattgebügelt werden. Die meisten hängen schon in den Glasvitrinen oder haben ihren Platz auf Kleiderbügeln gefunden. Die Ausstellung „Unten drunter geblickt auf Wäsche und Strümpfe“, die ab dem kommenden Freitag im Stadtmuseum Schwandorf zu sehen ist, zeigt Unterwäsche und Strümpfe und alles, was dazu gehört.

Dabei legt das Museum den Fokus auf alltägliche Gebrauchswäsche statt auf Reizwäsche – und ermöglicht damit ganz neue Einblicke. Die Schau ist Teil einer Ausstellungsreihe rund um die Tracht in der Oberpfalz. Neun Museen widmen sich heuer diesem besonderen Mode-Thema:

Geflickt, gewirkt und verziert

Strümpfe sind nicht gleich Strümpfe: Im Schwandorfer Stadtmuseum gibt es einfarbige und gemusterte, reich verzierte und eher schlichte, gut erhaltene und zahllos geflickte, grob gestrickte und fein gewirkte Strümpfe. Wolle, Seide und Baumwolle waren die vorherrschenden Materialien.

Die Menschen im frühen 20. Jahrhundert waren ständig am Ziehen und Zupfen. Nylon und Gummibänder gab es nämlich noch nicht und daher auch lange Zeit keine passgenauen Strümpfe. Doch die Not machte erfinderisch: Durch Schlaufen und Bänder an Strümpfen und Unterhosen wurde dem Verrutschen entgegengewirkt – auf Kosten des Tragekomforts. Selbst vermeintlich nützliche Innovationen wie der „tadellose Sockenhalter“, eine Art Gürtel, der um das Knie geschnallt wurde, um den Strumpf zu halten, konnten keine Abhilfe schaffen. Er rutschte einfach selbst am Bein mit nach unten.

Lesen Sie auch: Geschichten rund ums getragene Gewand

Dieses Problem mit den Strümpfen hatte sicherlich auch Fanny Frank, eine wohlhabende Dame aus Furth im Wald, die zahlreiche davon besaß. Gut erhaltene Stücke ihrer umfangreichen Aussteuer geben darüber Aufschluss. Jedes Paar ist mit ihren Initialen und einer Nummer bestickt – ein Zeichen für Besitz und Wohlstand. Fanny Frank besaß mindestens vier Paar Strümpfe. Aber die Stickereien hatten auch praktische Gründe: So waren die Monogramme hilfreich, um die kostbare Wäsche auf öffentlichen Waschplätzen nicht zu verwechseln. Deshalb brachten nicht nur wohlhabende Leute wie Fanny Frank Initialen auf ihrer Wäsche an.

Lüften statt waschen

Auch der Hygieneaspekt wird im Stadtmuseum Schwandorf beleuchtet. Zwar konnten Hemden und Unterhosen aus Wolle oder Leinen gewaschen werden, die empfindliche Seidenwäsche wurde jedoch ein ganzes Leben getragen und niemals mit Wasser gereinigt. Es galt schlicht: lüften. Praktisch ist da, dass die Männer oft gar keine Unterwäsche trugen. Im Gegensatz zur Frau von damals war für Männer das Ästhetische zweitrangig. Die Frauen mussten den Männern gefallen, um als Braut in Frage zu kommen, und trugen Unterwäsche, die in aufwendigster Handarbeit gefertigt wurde: Spitze, Stickereien, Geklöppeltes und Häkeleien zierten die Wäsche zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Männer dagegen sollten lieber mit Klugheit und einem guten Beruf imponieren.

Viel Unterwäsche ist nicht mehr vorhanden, was Museumsleiterin Eva Maria Keil sehr bedauert. Dafür gibt es zwei Gründe: Zunächst wurde lange Zeit gar keine Unterwäsche getragen. Als sie sich dann etabliert hatte, wurde sie vollständig aufgetragen, bis nichts mehr übrig war. Die Stücke in Schwandorf sind jedoch bestens erhalten und ermöglichen erstaunliche Einblicke.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Schwandorf läuft vom 15. April bis zum 11. September. Das Museum widmet sich dem Thema Tracht auch in zahlreichen Veranstaltungen. Unter anderem gibt es Kinderaktionen wie Weben oder Filzen. Und zum Internationalen Museumstag am 22. Mai erhalten alle Besucher freien Eintritt ins Museum.

Mehr zum Thema Trachten finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht