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Samstag, 25. Juni 2016 29° 8

Unglück

Gefährliche Gase aus der Heizung

Unterschätzte Gefahr: Die Tochter von Werner und Pia K. aus Schwandorf hat eine Kohlenmonoxid-Vergiftung nur knapp überlebt.
Von Elisabeth Hirzinger

Wenige Tage nach dem Unglück haben Pia und Werner K. eine neue Heizung installieren lassen.Foto: Hirzinger

Schwandorf.„Man sieht es nicht, hört es nicht und riecht es nicht“. Werner K. sitzt mit seiner Frau Pia im Esszimmer ihres Einfamilienhauses und beschreibt das Gas, das seine Tochter beinahe das Leben gekostet hätte: Kohlenmonoxid, CO. Das Gas ist, das wissen die beiden inzwischen, aus ihrer Heizung im Bad ausgeströmt. Ihre Tochter Franziska hat es nicht bemerkt und erlitt eine Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Was Pia und Werner K. seit dem 16. Februar durchmachen, das wünschen sie ihrem ärgsten Feind nicht. Die beiden haben Tränen in den Augen, als sie die Geschichte erzählen, die ihr Leben verändert hat. Dabei war dieser Dienstag ein Tag wie jeder andere. „Franzi“ kam von der Nachtschicht nach Hause, hat bis 14.30 Uhr geschlafen, mit ihrer Mutter gegessen und ist dann im Bad verschwunden.

„Ich hab gedacht, sie ist tot“

Eine Stunde später macht sich Pia K. Gedanken, warum ihre Tochter so lange braucht. Sie klopft immer wieder an die Badezimmertür. Keine Reaktion. Langsam wird Pia K. unruhig. Schließlich tritt die Mutter die massive Holztüre ein und findet Franziska leblos in der Badewanne. „Ich hab gedacht, sie ist tot“, sagt Pia K. leise.

Dieser Kohlendioxid-Melder kann Leben retten, sagen Pia und Werner K. Foto: Hirzinger

Der Notarzt ist schnell da. Franziska wird ins Schwandorfer Krankenhaus gebracht. Zunächst können die Ärzte die Symptome nicht zuordnen. Sie sprechen davon, dass Anzeichen für eine Vergiftung vorliegen. Das war das Stichwort, das „Franzi“ das Leben gerettet hat. Denn in dem Moment wird dem Vater, einem Polizisten, klar, dass eine Kohlenmonoxid-Vergiftung vorliegen muss.

Der Notarzt gibt sofort Sauerstoff. Die 19-jährige Patientin muss so schnell wie möglich in eine Druckkammer. Zum Glück gibt es seit drei Monaten eine in Regensburg im Krankenhaus St. Josef. Um 21 Uhr ist Franziska dort.

„Es ging um Leben und Tod“, sagt Werner K.. Fünf Tage verbringen die Eltern Tag und Nacht in der Nähe ihrer Tochter – und hoffen. Franziska kämpft, und sie lebt, auch weil es die Druckkammer in Regensburg gibt. Einen Transport nach Murnau, zur nächstgelegenen Druckkammer hätte sie wahrscheinlich nicht überstanden.

„Sie sieht und kann sich bewegen. Nur sprechen kann sie nicht.“

Mutter Pia K.

Pia und Werner K. sind glücklich, dass Franziska lebt. Am Montag hat sie ihre Eltern zum ersten Mal angeschaut. „Sie sieht und kann sich bewegen. Nur sprechen kann sie nicht“, erzählt Pia K.. „Sie wird vielleicht nicht mehr dieselbe sein“, meint der Vater. „Aber sie muss ja auch keinen Marathon laufen“, sagt die Mutter und lächelt.

Die Eltern müssen sich keinen Vorwurf machen. Die Gas-Therme, die ihr Haus beheizt hat, ist jährlich gewartet worden. In den letzten vier Jahren haben Pia und Werner K. 1800 Euro in die Modernisierung der Heizung investiert. Die Werte waren immer in Ordnung, sagt Werner K., der schon von Berufs wegen großen Wert auf Sicherheit legt. Drei Tage nach dem Unglück war Termin für den Kaminkehrer. Und das ist das Tragische an der Geschichte. Wäre der Kaminkehrer ein paar Tage früher gekommen, hätte er festgestellt, was die Überprüfung vor wenigen Tagen zeigte: Das integrierte Abgasüberwachungsgerät hat nicht funktioniert.

Privatdozent Dr. Michael Pawlik warnt vor den Gefahren, die von Heizungen mit unvollständiger Verbrennung ausgehen können. Foto: Johann Kraeh

Dass von Gas-Thermen, Kachelöfen oder Holzpellets eine latente Gefahr ausgeht, haben Pia und Werner K. nicht gewusst. Darauf sind sie erst durch die Gespräche mit den Ärzten aufmerksam geworden. Eine Gefahr, die man hätte bannen können, mit Kohlenmonoxid-Meldern. Auch das hat man den Eltern im Krankenhaus gesagt, und Werner K. hat sofort so ein Gerät angeschafft – und eine neue Heizung einbauen lassen.

Bewusstsein für Gefahr schärfen

Der Polizist stützt den Kopf auf die Hände. „Wir können nichts mehr ändern. Aber wir wollen das Bewusstsein für eine Gefahr schärfen, die viele nicht kennen“. Deshalb sind die Eltern auch an die Öffentlichkeit gegangen. Sie wollen, dass „andere diesen Horror nicht erleben müssen“.

Die Eltern würden sich wünschen, dass alle Heizungsbauer und Kaminkehrer auf die CO-Melder hinweisen. Aber die können sich für die kleinen Alarmgeräte nicht so recht begeistern. Bezirkskaminkehrermeister Peter Wilhelm fürchtet, dass sie eine falsche Sicherheit suggerieren, weil die Sensoren der Melder einem hohen Verschleiß unterlägen.

„Wir können nichts mehr ändern. Aber wir wollen das Bewusstsein für eine Gefahr schärfen, die viele nicht kennen.“

Vater Werner K.

Der Innungsobermeister der Heizungsbauer, Michael Zinnbauer, und Bezirkskaminkehrermeister Peter Wilhelm halten es stattdessen für viel wichtiger, dass die Heizungsanlagen jährlich gewartet werden. Sie vertreten, wie der Geschäftsführer Technik des Fachverbandes in Bayern, Jörg Schütz, den Standpunkt, dass „eine gewartete Heizung, wenn sie regelgerecht geplant, gebaut und betrieben wird, definitiv sicher ist“. Das sehen die Ärzte anders. (Siehe Interview!)

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