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Dienstag, 23. August 2016 26° 4

Filmkunst

Hommage an die Widerspenstigen

Das „Zwickl“-Festival zeigt Perlen des Dokumentarfilms mit politischem Schwerpunkt und einem filmhistorischen Live-Erlebnis.
Von Reinhold Willfurth

  • Das Filmfestival „Zwickl“ ist zum Publikumsmagneten geworden. Am 1. September startet der Vorverkauf, vom 19. bis 27. heißt es „Film ab“.Foto: Archiv
  • Anne Schleicher Foto: Willfurth

Schwandorf. Alfred Hitchcock soll begeistert gewesen sein. „Und jetzt will ich das Instrument sehen“, begehrte der Altmeister des Horrorfilms nach der Abnahme der Filmtöne für „Die Vögel“ 1963 in Berlin. Jedem, der den Klassiker einmal gesehen hat, bleiben die markerschütternden Töne der mörderischen Vögel in Erinnerung. Erzeugt wurden sie von einem Instrument, das in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Berlin erfunden wurde und in über 300 Filmen für special effects sorgte. Zum Auftakt des diesjährigen „Zwickl“-Filmfestes erklingt das Trautonium, legendärer Vorläufer des Synthesizers, noch einmal im alten „Metropol-Kino“ – als live gespielte Begleitmusik zum spannenden Dokufilm „Eine Reise zum Mond“, eine Collage von Szenen der Nasa über die Mondlandung vom Start in Florida bis zum Touchdown auf dem Erdtrabanten.

Ein Stück Filmgeschichte live

Eigentlich lautet das diesjährige „Zwickl“-Motto „Formen des Widerstands“. Doch Organisatorin Anne Schleicher konnte nicht widerstehen, als ihr die Live-Aufführung dieses Stücks Filmgeschichte angeboten wurde – von einem der wenigen Musiker, die das Trautonium virtuos beherrschen: Peter Pichler, auch bekannt als Begleitmusiker in Hans Söllners Band „Bayaman Sissdem“, spielt eine Hommage an Oskar Sala, den Meister an diesem Instrument, der den US-Dokumentarfilm aus dem Jahr 1975 vertont hat.

„Widerstand“ ist ein gutes Stichwort für Hans Söllner, dem musikalischen Stachel im Fleisch der Mächtigen. Als Krönung für die Filmaufführung über ein Livekonzert mit Söllner und Band haben sich der Künstler selbst und Regisseur Günter Hablik für ein Saalgespräch angekündigt. Söllner kommt macht damit ein Versprechen wahr, nachdem er im Vorjahr krankheitsbedingt absagen musste.

Am Thema „WAA“ kommt man natürlich bei diesem Motto an diesem Ort nicht vorbei. Anne Schleicher hat aber für das „Zwickl“ weder die gängigen „Spaltprozesse“ noch den „WAAhnsinn“-Konzertfilm ausgewählt, sondern einen Block von Berichten verschiedener öffentlich-rechtlicher Anstalten, die zeigen, wie unterschiedlich die Perspektiven damals waren – auch solche von der Objektivität verpflichteten Medien.

Zum Widerstand gegen die allzu mächtige Lebensmittelindustrie ruft der Film „Food, Inc.“ („Die Lebensmittel-AG“) auf, der am selben Abend (26. September) wie die WAA-Filme gezeigt wird. Eine Podiumsdiskussion über Formen des Widerstands vor dem Hintergrund der Diskussion um das Freihandelsabkommen TTIP schließt sich an. Auf dem Podium sitzen u. a. ÖDP-MdEP Klaus Buchner und der Regisseur Helge Cramer („WAAhnsinn“). Nach der Aufführung von „Food, Inc.“ am 23. September läuft ein Kurzfilm über fairen Bananenanbau – gefolgt von einem Besuch zweier Bananenbauern aus Mittelamerika im Kino. Eine gute Gelegenheit, über alternative Wege der Lebensmittelversorgung zu diskutieren.

Zum 70.: Wim-Wenders-Film in 3-D

Spannende visuelle Erlebnisse versprechen auch wieder die Filme abseits des Themenblocks. Eine Verbeugung vor Wim Wenders, der dieser Tage 70 wurde, ist der Tanzfilm „Pina“. Beim „Zwickl“ ist er in zwei Dimensionen zu sehen: „Normal“ auf der Leinwand im Schwandorfer „Metropol“, und in 3-D in Nittenau. Das dortige Kinocenter ist neben dem alten Ring-Kino in Amberg einer von zwei Versuchen, die „Zwickl“-Idee auch anderswo in der Region zu verbreiten.

Ein Erlebnis ist für Anne Schleicher auch die Sichtung und Auswahl der Filme. Immer wieder bekomme sie ungefragt neue Streifen zugesandt – „sogar aus dem Ausland“. Das kleine Festival spricht sich offenbar langsam in der Dokfilmszene herum. Bei einer Recherche für „Mission Control Texas“, einem Film über eine Beratung für Atheisten mitten im „Bible Belt“ der USA, stieß sie auf einen Herren aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach: „Das ist ja krass“, habe Ingo Fliess, der Produzent des Films reagiert, als ihn jemand aus der Oberpfälzer Heimat anrief, um seinen Film zu zeigen.

Wie es langfristig mit „Zwickl“ weitergeht? Anne Schleicher zuckt mit den Schultern. Die berufliche Zukunft der Theater- und Filmwissenschaftlerin macht es vielleicht irgend einmal nötig, bei der Planung kürzer zu treten oder die Leitung gar in andere Hände zu legen. Der Kreis von bis zu 15 jungen Leuten, die ihr bei der Sichtung der Kandidaten halfen, stimmen sie dabei optimistisch. Fest stehe auf jeden Fall eins: Zum fünften Geburtstag des kleinen Filmfests plant sie etwas „ganz Besonderes“. Mehr wird nicht verraten.

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