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Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Entwicklung

Vier Runde Tische für die Zukunft

Die Beschreibung des intergrierten städtebaulichen Konzeptes (ISEK) in Schwarzenfeld bringt greifbare Ergebnisse.
Von Renate Ahrens

An vier Runden Tischen hielten Bürger und Vertreter aus Politik und Wirtschaft Gespräche über die Entwicklungsziele des Marktes bis zum Jahr 2030 auf Augenhöhe. Foto: Ahrens

Schwarzenfeld.Der Markt Schwarzenfeld hat sich viel vorgenommen. Bis zum Jahr 2030, so lautet das Ziel, soll zentrales Wohnen möglich und erschwinglich sein, eine lebendige Marktmitte entstehen, Wirtschaft und soziales Engagement gefördert und nicht zuletzt Bildungsqualität gesichert werden.

Viele Fragen sind noch offen, eines steht längst fest: Die Antworten und Lösungen sollen die Bürger selbst geben – und hier gebe es „unglaublich viele und gute Ideen“, lobte Architekt Jens Gerhardt von „ums Stadtstrategien“ aus Leipzig. Er zeigte sich beeindruckt von der „Schwarzenfelder Tatkraft“. Nach den Erhebungsgesprächen bei der Auftaktveranstaltung des Integrierten Entwicklungskonzepts ISEK im Februar, bei denen die Bürger Defizite und Stärken des Marktes zusammengetragen und zu Themenfeldern sortiert hatten, fand nun die erste Bürger- und Architekturwerkstatt statt.

Auf dem Weg zum Leitbild

Einzelne Teilbereiche wurden bereits vertieft und konkretisiert. Nach einer weiteren Bürgerwerkstatt am 6. Juli soll ein Leitbild manifestiert werden. Die Ergebnisse werden dann, nach jeweiliger Finanzlage, umgesetzt – so lautet jedenfalls der Plan. Lebhaft wurde an vier Runden Tischen diskutiert; Bürger und Vertreter von Politik und Verwaltung waren dabei auf Augenhöhe, jedes Anliegen wurde ernst genommen.

So auch beim Thema Wohnen, einem der dringlichsten Themenfelder: Der demografische Wandel und der große Bedarf an Miet- und Eigentumswohnungen mache es zum Beispiel erforderlich, das soziale Verantwortungsbewusstsein von Baulückenbesitzern zu wecken, senioren- und familienfreundliches Wohnen auch in der Marktmitte fördern und Leerstände zu reduzieren.

Auch bei der Bürgerversammlung im März wurde das ISEK und die anstehenden Sanierungsaufgaben im Markt Schwarzenfeld thematisiert.

Lesen Sie hier unseren Bericht!

Als größte Problemstellen hatten sich bereits im Februar das brachliegende Brauereigelände und das Birnbaum-Grundstück abgezeichnet. Außerdem würden viele Einfamilienhäuser aus den 1950er und 60er Jahren keine Nachfolger finden, und die Eigentümer, oft Senioren, würden lieber in altersgerechte Wohnungen ziehen.

Häuser wären also da, Interessenten auch – das Problem sei, beide zusammenzubringen, so formulierte es Gerhardt. „Man muss es nur publizieren“, war die Meinung von Maria Dörfler. „Mein Grundstück hätte Platz für ein Haus mit vier Wohnungen.“

Vier Teilnehmer und ihr Urteil

  • Christian Kotzbauer (22): Sehr gute Ideen sind bisher entstanden, auch die Stadtplaner machen ihre Sache gut. Nun ist es wichtig, dass alles umgesetzt wird. Wir sind auf einem richtigen Weg. Für mich wäre es das Wichtigste, zunächst die Ortsmitte zu gestalten. Außerdem ist es schwierig, eine Wohnung zu finden, hier muss die Gemeinde unbedingt aktiv werden.

  • Dieter Kotzbauer (50): Das Entwicklungskonzept ist eine tolle Sache, es kann nur ein Gewinn für die Gemeinde sein. Als Erstes sollte man den Ortskern beleben, davon hat jeder etwas. Jeder Unternehmer sollte sich Gedanken machen, wie man das Gemeindeleben verbessern kann. Auch für die Brachflächen sollte man Lösungen finden.

  • Simone Schlage (28): Besonders gut finde ich, dass man die Möglichkeit hat, bei der Gestaltung mitzuwirken. Die Meinungen werden gehört und man fühlt sich ernst genommen. Es waren heute tiefe und lebhafte Gespräche. Die Idee einer öffentlichen Diskussion gefällt mir gut. Die Marktmitte sollte man bald umgestalten, nicht erst bis 2030.

  • Benedikt Rodde (25): Am besten finde ich, dass die Bürger beteiligt werden, was die Leitbildziele sind und wie man sie umsetzt. Man kann konkrete Vorschläge machen. So kann man auf Themen eingehen, die jedem persönlich wichtig sind. Es sollte bald ein Konzept für die Ortsmitte und auch für umliegende Bebauung entwickelt werden.

Viele Menschen, das bestätigte auch Peter Irlbacher, würden dies gerne schon zu Lebzeiten regeln. Ideal wäre es doch, so kam die Idee auf, verkaufswilligen Hausbesitzern das Angebot zu machen, im Gegenzug eine der Wohnungen, die auf dem Grundstück entstehen, zum Kauf anzubieten. Gar eine Bürgergenossenschaft könne man gründen.

Gerhardt zeigte sich sofort begeistert: „Tauschen – das ist die Lösung! Das wäre eine charmante Investition.“ Auch in der Erbbaupacht sehe er Möglichkeiten – ein „Instrument, das oft vergessen wird“. Ältere Menschen hätten so gesicherte Wohnaussichten, Brachflächen oder Leerstände würden genutzt und die Wohnungen seien laut Gerhardt „todsicher wieder am Markt zu positionieren“.

Aufgaben für den Kümmerer

Ein „Kümmerer“ wäre hier von Vorteil, der die Fäden in der Hand halte und Ansprechpartner sei – so jemand sei in vielen Bereichen von großem Nutzen und sogar ein „tiefes Bürgerbedürfnis“; das ziehe sich, erklärte Bürgermeister Manfred Rodde, „wie ein roter Faden durch den Abend“.

Zum Beispiel beim Thema „Bildung und Versorgung“ könne ein Kümmerer beim Aufbau einer Seniorenbegegnungsstätte in der Marktmitte, wie seit langem gewünscht, wertvoll sein. Überhaupt sei es dringend erforderlich, eine Marktmitte als Geschäfts-, Kultur- und Begegnungsstätte erst einmal entstehen zu lassen, mit ansprechender Gestaltung und hoher Außenwahrnehmung – man vermisse die „gute Stube“.

Das war sogar einer der vier Schwerpunkte. So soll man den Platz am Kreuz attraktiver gestalten, mit Bäumen und Bänken, forderte Inge Bauer-Joswig. „Es sind auch keine Wegweiser vorhanden, die zu wichtigen Stellen des Marktes führen.“ Ein Ärztehaus würde in der Ortsmitte außerdem fehlen. „Auch das würde Leute anlocken“, befand Ernst Heller.

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