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Dienstag, 25. Juli 2017 18° 6

Leuchtturmprojekt

Da rollt etwas auf das Seenland zu

Schöne Aussichten: Am Steinberger See entsteht die größte begehbare Holzkugel der Welt. Natur und Bewegung stehen im Fokus.
Von Reinhold Willfurth, MZ

Ein Leuchtturm in der Form einer Holzkugel mit 40 Metern Durchmesser: Der geplante „Inmotion Park“ in Steinberg am SeeFotos: Archiv/InMotion GmbH

Steinberg am See.Die große Depression in Steinberg (Kreis Schwandorf) brach 1982 aus, als die Bayerische Braunkohlenindustrie (BBI) ihren Betrieb einstellte. Nicht nur Arbeitsplätze gingen damals verloren, sondern auch das Selbstverständnis als stolze Bergbaugemeinde. Genau 30 Jahre später soll eine riesige Kugel aus Holz am Ufer des von der Kohlengrube zum größten Freizeitgewässer Ostbayerns verwandelten Steinberger Sees einen Meilenstein setzen beim Aufstieg der 1800-Seelen-Kommune zur Tourismusgemeinde Steinberg am See.

Mit dem Bau des „Inmotion Park“ genannten naturnahen Freizeitparks verbinden sich zudem Hoffnungen auf einen einzigartigen Magneten für das gesamte Oberpfälzer Seenland, einem Wasserparadies, entstanden aus den ausgebeuteten Kohlegruben der BBI und im Tourismusgeschäft immer noch etwas unter Wert gehandelt.

Die Begeisterung in der Region ist also mindestens so groß wie das über 40 Meter hohe „Leuchtturmprojekt“ der Lappersdorfer Investoren Tom Zeller und Kim Kappenberger direkt am Ufer des Steinberger Sees. Mit Freuden segneten Bürgermeister Harald Bemmerl und sein Gemeinderat am Dienstag die Änderung des Bebauungsplans ab und gaben damit den offiziellen Startschuss für das Projekt.

Traumhafter Ausblick von oben

Ab dem Frühjahr 2018 sollen Besucher barrierefrei die 38 Meter hohe Aussichtsplattform auf der transparent gebauten Holzkugel erklimmen und aus schwindelerregender Höhe einen traumhaften Ausblick auf das Oberpfälzer Seenland und den dahinterliegenden Oberpfälzer Wald genießen können.

Es ist ein Projekt aus der Region für die Region: Kappenberger und Zeller haben nach eigener Aussage ausschließlich heimische Investoren im Rücken, die nicht nur Geld verdienen, sondern auch für ihre Heimat etwas schaffen wollen. Die Architektur passt sich trotz der Höhendimension eines 13-stöckigen Hochhauses der Seenlandschaft an. Auch das Baumaterial haben Zeller und Kappenberger mit Bedacht gewählt: Leimbinder aus Lärchenholz, gefertigt von einer österreichischen Spezialfirma, bilden das transparente Skelett.

Ausblick von der Aussichtsplattform in 38 Metern Höhe

Die beiden Bauherren aus der Oberpfalz präsentierten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Steinberg ein Konzept für einen sanften Tourismus: Vor allem Familien haben sie im Blick, deren Besuch im spektakulären Holzturm auch nicht durch überhöhte Preise getrübt werden soll. Das Einzelticket soll für acht Euro zu haben sein, Familien zahlen für einen Tag in und um die Kugel pauschal 28 Euro.

Den Weg nach oben können Menschen jeden Alters schaffen, betonte Kim Kappenberger. Auf den „Balkonen“ an der Außenhaut der Riesenkugel können die Besucher vor der prächtigen Seekulisse 40 verschiedene Stationen unter dem Motto „Bewegung in der Natur“ absolvieren. Das soll nicht in schweißtreibende Fitness oder Action-Abenteuer in schwindelnder Höhe ausarten. Die Besucher sollen, so der Plan der Investoren, spielerisch den Spaß an der Bewegung erleben und ein Gefühl für die sie umgebende Natur bekommen.

Die Holzkugel als „Eine Welt“

Die runde Form ihres „architektonischen Highlights“ hat Zeller und Kappenberger auf ein weiteres Anliegen gebracht: Der Erlebnispark mitten in blühender Natur (oder renaturiertem Industrieareal) soll die Besucher daran erinnern, dass alle Menschen in einer Welt leben. Neben der Atmosphäre in und um den Kugelturm sollen Erlebnis- und Infostationen im Inneren „Verständnis für andere Kulturen und den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur“ (Tom Zeller) wecken.

Auf dem rund 20 000 Quadratmeter großen Areal rund um den Turm wird es eine Entspannungszone geben. Kappenberger und Zeller verzichten zugunsten der heimischen Gastronomie auf aufwendige Bewirtung. Mit rund 500 Besuchern pro Tag rechnen die Investoren im Schnitt.

Joachim Häring, Geschäftsführer des noch jungen Tourismusverbands Oberpfälzer Seenland, kommt aus dem Schwärmen über den „Leuchtturm“ am Steinberger See gar nicht mehr heraus. Auf bis zu 200 Kilometer im Umkreis schätzt der den Einzugsbereich der imposanten Kugel. Dass damit noch mehr Menschen das Feriengebiet in der Mitte der Oberpfalz entdecken werden, ist für ihn ausgemacht. Denn nach einem Halbtagsausflug zur Holzkuppel gibt es noch viel zu entdecken für die Menschen in einer Gegend, die viele nur von der Durchreise auf der nahen Autobahn A 93 kennen.

Holzkugel mit Aussicht

  • Planung:

    Baubeginn für den „Inmotion Park im Oberpfälzer Seenland“ ist im Juni 2017; geplante Eröffnung: Frühjahr 2018,. Kosten: rund fünf Millionen Euro, Architektur: Transparenz durch freitragende Leimbinder aus Lärchenholz; Dimension: Die Holzkugel hat einen Durchmesser von rund 40 Metern.

  • Innenleben:

    Barrierefreier Weg zur Aussichtsplattform auf 38 Meter Höhe. Rückweg auf einer spiralförmigen Rutsche möglich; Außenleben: An drei Ringen rund um die Holzkugel („Balkone) sind 40 Bewegungsstationen für Jung und Alt angebracht. Unternehmen: Die Lappersdorfer Inmotion Park GmbH entwickelt und baut weltweit Erlebnis- und Bewegungsparcours.

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